Digitale Baustellenassistenz mit HoloLens in der Kabine

von Bastian Velonavy - 2024-02-13

Die Digitalisierung auf Baustellen verlagert sich zunehmend von einzelnen Maschinen hin zu vernetzten Arbeitsprozessen. Sensorik, digitale Planung und Echtzeitdaten sollen nicht mehr nur Bauleiter oder Disponenten unterstützen, sondern direkt dort ankommen, wo Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden: in der Fahrerkabine.

Auf der bauma in München zeigt Fritzmeier deshalb gemeinsam mit mehreren Technologiepartnern ein System, das digitale Baustelleninformationen über eine HoloLens-Brille direkt in das Sichtfeld des Maschinenführers einblendet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Brille allein, sondern die Verbindung verschiedener digitaler Systeme zu einer gemeinsamen Arbeitsplattform. Ziel ist es, Abläufe auf Baustellen transparenter, sicherer und effizienter zu gestalten. Die Lösung wurde zusammen mit der Universität München, Microsoft HoloLens und Vemcon entwickelt und erhielt im Rahmen der Messe bereits eine Auszeichnung.

FRITZMEIER Digitalisierung Fahrerkabine Baumaschinen
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Fritzmeier bündelt Baustellendaten in einer digitalen Plattform

Nach Angaben des Unternehmens erfasst das System die Baustelle vollständig digital. Dazu gehören Informationen über Arbeitsbereiche, Gefahrenzonen, Leitungen, Abläufe oder Maschinenbewegungen. Sämtliche Daten werden in einer gemeinsamen digitalen Umgebung zusammengeführt und anschließend situationsbezogen an den Fahrer übermittelt. Gerade auf komplexen Baustellen entstehen häufig Probleme durch mangelnde Übersicht. Mehrere Gewerke arbeiten parallel, Maschinen bewegen sich in engen Bereichen und kurzfristige Änderungen müssen schnell kommuniziert werden. Digitale Assistenzsysteme sollen helfen, diese Informationsflut besser zu strukturieren. Die HoloLens-Brille blendet dafür nur die jeweils relevanten Informationen ein. Der Fahrer sieht weiterhin seine reale Umgebung, erhält jedoch zusätzliche Hinweise direkt im Sichtfeld. Das System funktioniert damit eher wie eine transparente Erweiterung der Wahrnehmung als wie ein klassischer Bildschirm. Fritzmeier beschreibt den Ansatz ausdrücklich als Unterstützung für den Fahrer. Die Technik soll nicht vom Arbeitsumfeld ablenken, sondern wichtige Informationen schneller verfügbar machen.

FRITZMEIER Zusammenarbeit TUM Universität München Hololens Vancom
FRITZMEIER Innovationspreis Innovation Award bauma 2019 München

HoloLens zeigt Gefahrenzonen und Arbeitsabläufe direkt im Sichtfeld

Besonders wichtig ist dabei der Sicherheitsaspekt. Baustellen gehören weiterhin zu den unfallträchtigsten Arbeitsumgebungen im industriellen Bereich. Eingeschränkte Sicht, wechselnde Verkehrswege oder spontane Materialbewegungen erhöhen das Risiko zusätzlich. Die digitale Darstellung von Gefahrenmomenten könnte deshalb eine zentrale Rolle spielen. Gefährliche Bereiche, unterirdische Leitungen oder abgestimmte Arbeitszonen lassen sich direkt visualisieren, ohne dass der Fahrer zusätzliche Displays oder Papierpläne konsultieren muss. Wichtige Bestandteile des Systems:

  • digitale Erfassung der Baustelle in Echtzeit
  • Einblendung relevanter Informationen über HoloLens
  • Zusammenführung von Prozessen und Arbeitsabläufen
  • Unterstützung des Fahrers bei Sicherheit und Orientierung
  • Kooperation mit Universität München und Vemcon
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Faktor. Laut Hersteller soll das System auch Leerlauf reduzieren und die Baustellenlogistik effizienter machen. Maschinen könnten präziser koordiniert werden, Wartezeiten sinken und Arbeitsprozesse besser ineinandergreifen. Gerade bei großen Infrastrukturprojekten oder innerstädtischen Baustellen gewinnt diese Form der Prozesssteuerung an Bedeutung. Dort verursachen Verzögerungen häufig hohe Zusatzkosten.

FRITZMEIER Sicherheit Baustelle Informationen an Fahrer per Augmented Reality Brille

Digitale Assistenzsysteme verändern die Rolle der Fahrerkabine

Die Präsentation auf der bauma zeigt zugleich, wie stark sich moderne Fahrerkabinen verändern. Lange Zeit standen dort vor allem Ergonomie, Sichtverhältnisse oder Bedienkomfort im Mittelpunkt. Heute entwickelt sich die Kabine zunehmend zu einem digitalen Arbeitsplatz. Displays, Sensorik, Assistenzsysteme und vernetzte Steuerungen gehören inzwischen zur Grundausstattung vieler moderner Baumaschinen. Mit Augmented-Reality-Systemen kommt nun eine weitere Ebene hinzu: Informationen werden nicht mehr nur angezeigt, sondern direkt mit der realen Umgebung verknüpft. Interessant ist dabei die bewusste Reduktion der Darstellung. Nach Angaben von Fritzmeier werden nur die tatsächlich benötigten Hinweise eingeblendet. Alles andere bleibt sichtbar. Die reale Umgebung steht also weiterhin im Vordergrund. Gerade bei schweren Maschinen wäre eine vollständige Abschirmung problematisch. Fahrer müssen Personen, Fahrzeuge und Hindernisse jederzeit unmittelbar wahrnehmen können. Die Technik versucht deshalb, digitale Informationen möglichst unaufdringlich in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Baustellen werden zunehmend datengetrieben organisiert

Die Entwicklung verdeutlicht einen breiteren Trend innerhalb der Bauindustrie. Baustellen werden immer stärker digital geplant, überwacht und dokumentiert. BIM-Modelle, Maschinensteuerungen und vernetzte Sensoren erzeugen große Mengen an Echtzeitdaten. Die eigentliche Herausforderung besteht inzwischen weniger darin, Daten zu erzeugen, sondern sie sinnvoll nutzbar zu machen. Genau an diesem Punkt setzen Systeme wie die vorgestellte HoloLens-Anwendung an. Informationen sollen nicht in Leitständen oder Bürosoftware verbleiben, sondern direkt an den Ort der Arbeit gelangen. Fritzmeier positioniert sich damit in einem Bereich, der künftig deutlich an Bedeutung gewinnen dürfte. Denn je komplexer Baustellen organisiert werden, desto wichtiger wird die Frage, wie Fahrer, Maschinen und digitale Planungssysteme miteinander kommunizieren. Die Präsentation auf der bauma macht deutlich, dass sich die Digitalisierung im Bauwesen zunehmend vom reinen Verwaltungswerkzeug hin zur direkten Arbeitsunterstützung entwickelt. Augmented Reality könnte dabei künftig eine ähnliche Rolle spielen wie heute Navigationssysteme oder Maschinensteuerungen – zunächst ergänzend, später möglicherweise als fester Bestandteil moderner Baustellenprozesse.

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