Die Elektrifizierung von Baumaschinen erfolgt nicht zwangsläufig über komplette Fahrzeugkonzepte. In vielen Fällen beginnt sie bei einzelnen Funktionen, die sich gezielt optimieren lassen.
Ein Beispiel dafür ist der elektrische Antrieb von Mischertrommeln, wie er auf der Bauma vorgestellt wurde. Im Fokus steht dabei nicht die Fahrt zur Baustelle, sondern der Betrieb direkt vor Ort. Der Ansatz ist klar abgegrenzt: Bestehende Systeme werden nicht ersetzt, sondern ergänzt. Dadurch lassen sich konkrete Arbeitsprozesse verändern, ohne die gesamte Maschinenarchitektur neu zu entwickeln.
Mit dem EcoMix CMI zeigt ZF Friedrichshafen eine Lösung, die auf bekannten Komponenten basiert. Das System kombiniert ein Standardgetriebe mit einer Untersetzungsstufe und einem Elektromotor. Daraus entsteht ein elektrischer Antrieb, der speziell für Mischertrommeln ausgelegt ist. Die technische Auslegung zielt auf Trommelgrößen von zehn bis zwölf Kubikmetern. Mit einem Drehmoment von 64 Kilonewtonmetern können unterschiedliche Betonsorten verarbeitet werden, von flüssigeren bis hin zu festeren Konsistenzen im Bereich F1 bis F5. Die Konstruktion zeigt, dass sich vorhandene Technik weiter nutzen lässt. Statt eines vollständigen Systemwechsels wird die bestehende Mechanik um elektrische Komponenten ergänzt.
Der Einsatz des elektrischen Antriebs ist auf bestimmte Arbeitsphasen begrenzt. Während des Beladens kann der Dieselmotor abgeschaltet werden. In dieser Situation übernimmt der Elektromotor die Bewegung der Mischertrommel. Auch beim Entleeren wird die Trommel elektrisch angetrieben. Der Verbrennungsmotor bleibt dabei außer Betrieb. Entscheidend ist, dass diese Abläufe direkt auf der Baustelle stattfinden – also genau dort, wo Emissionen und Geräusche besonders wahrgenommen werden. Diese gezielte Nutzung unterscheidet den Ansatz von umfassenden Elektrifizierungskonzepten. Es geht nicht um den Dauerbetrieb, sondern um einzelne, klar definierte Prozesse.
Ein wesentlicher Effekt des elektrischen Antriebs ist die Reduzierung von Emissionen während des Betriebs. Gleichzeitig sinkt die Geräuschentwicklung, da der Elektromotor leiser arbeitet als ein klassischer Dieselantrieb. Gerade in sensiblen Einsatzbereichen wird dieser Unterschied relevant. Dazu zählen Baustellen in dicht bebauten Gebieten oder in unmittelbarer Nähe zu Wohnnutzung. Die Technik ermöglicht es, bestimmte Arbeitsschritte sauberer und ruhiger auszuführen. Die Vorteile lassen sich konkret zusammenfassen:
Ein zentraler Bestandteil des Systems ist der elektrische Antrieb der Mischertrommel, der als CMe bezeichnet wird. Er wird in das vorhandene Gesamtsystem integriert und arbeitet mit den bestehenden Komponenten zusammen. Die technische Umsetzung erfordert keine grundlegende Umstellung des Fahrzeugs. Vielmehr wird die vorhandene Struktur genutzt und erweitert. Diese Integrationsfähigkeit ist entscheidend für die praktische Anwendung, da sie den Aufwand für Anpassungen reduziert. Die Steuerung erfolgt so, dass der elektrische Betrieb gezielt aktiviert werden kann. Dadurch bleibt die Flexibilität im Einsatz erhalten.
Der Einsatz elektrischer Teilantriebe ergibt sich aus den Anforderungen an moderne Baustellen. Während der Einsatz von Diesel im Straßenverkehr zunehmend eingeschränkt wird, bleibt er auf Baustellen oft weiterhin üblich. Hier entsteht ein Widerspruch, der sich technisch adressieren lässt. Elektrische Lösungen wie der EcoMix CMI setzen genau an diesem Punkt an und ermöglichen einen emissionsarmen Betrieb in sensiblen Situationen. ZF Friedrichshafen positioniert sich damit in einem Bereich, der künftig stärker in den Fokus rücken dürfte. Der Ansatz zeigt, dass sich Veränderungen schrittweise umsetzen lassen – nicht durch vollständige Systemwechsel, sondern durch gezielte Anpassungen einzelner Funktionen.