Mobilbagger wird zum vielseitigen Geräteträger

von Andreas Bergmeier - 2026-10-07

Ein Mobilbagger, eine Asphaltfräse, ein Holzschneider, eine Seilwinde – auf den ersten Blick gehören diese Werkzeuge zu unterschiedlichen Maschinenkonzepten. Genau diese Trennung versucht der Hydradig aufzulösen.

Statt für jede Aufgabe ein spezialisiertes Trägerfahrzeug vorzuhalten, soll eine Maschine möglichst unterschiedliche Arbeiten übernehmen können. Das ist besonders dort interessant, wo Maschinenparks klein bleiben müssen oder häufig wechselnde Einsätze anstehen. JCB zeigte den Hydradig auf der GaLaBau in Nürnberg mit mehreren Anbauoptionen. Der Mobilbagger ist als Kurzheckmaschine konstruiert, besitzt einen tief im Unterwagen eingebauten Motor und kann mit verschiedenen Aufnahmen sowie leistungsfähiger Arbeitshydraulik ausgerüstet werden. Damit zielt das Konzept unter anderem auf Garten- und Landschaftsbau, Kommunen, Straßen- und Gewässerunterhaltung sowie landwirtschaftliche Betriebe.

Mobilbagger wird zum vielseitigen Geräteträger
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JCB Hydradig arbeitet mit unterschiedlichen Anbaugeräten

Die Vielseitigkeit beginnt bereits an der Ausstattung des Unterwagens. Möglich sind unter anderem Pratzen, ein Schild oder eine Skid-Steer-Aufnahme, wie sie von Kompaktladern bekannt ist. Auf der Messe war zudem eine Sonderausführung mit Dreipunkt-Hydraulik zu sehen. Sie eröffnet Anwendungen, die eher von Traktoren bekannt sind – beispielsweise den Betrieb einer Forstseilwinde. Eine weitere Variante ist der Pothole Pro. Dabei wird der Mobilbagger mit einer Asphaltfräse für die Bearbeitung von Schlaglöchern eingesetzt. Die Maschine übernimmt damit Arbeiten, die über klassisches Baggern, Laden und Materialumschlag deutlich hinausgehen. Für hydraulisch angetriebene Geräte steht nach Herstellerangaben ein Hydraulikabtrieb mit 150 Litern bei 82 bar zur Verfügung. Gerade bei Anbauwerkzeugen mit hohem kontinuierlichem Leistungsbedarf entscheidet diese Versorgung darüber, ob aus einem Bagger tatsächlich ein universeller Geräteträger werden kann.

JCB Hydradig arbeitet mit unterschiedlichen Anbaugeräten
OilQuick wechselt Werkzeuge ohne manuelles Schlauchkuppeln

OilQuick wechselt Werkzeuge ohne manuelles Schlauchkuppeln

Häufige Werkzeugwechsel kosten Zeit – insbesondere dann, wenn neben der mechanischen Verriegelung auch Hydraulikleitungen verbunden werden müssen. Am ausgestellten Hydradig war deshalb ein vollhydraulischer Schnellwechsler von OilQuick montiert. Hydraulische Verbindungen werden beim Wechsel aus der Kabine hergestellt; Schläuche müssen nicht von Hand gekuppelt werden. Unter dem Schnellwechsler war ein Woodcracker für Gehölzarbeiten montiert. Nach den auf der Messe genannten Angaben kann das Werkzeug hartes Holz bis zu einem Durchmesser von 26 Zentimetern und weiches Holz bis 23 Zentimeter bearbeiten. Damit reicht das Einsatzspektrum der Maschine bis in die Gehölz- und Landschaftspflege. Der praktische Nutzen eines Schnellwechselsystems steigt mit der Zahl der Aufgaben. Wer zwischen Löffel, Greifer, Schneidwerkzeug oder anderen hydraulischen Anbaugeräten wechseln muss, profitiert stärker davon als ein Betrieb, dessen Bagger den ganzen Tag mit demselben Werkzeug arbeitet.

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Tief eingebauter Motor verbessert die Standsicherheit beim Hydradig Mobilbagger

Tief eingebauter Motor verbessert die Standsicherheit

Ungewöhnlich ist die Position des Motors. Der hauseigene 4,8-Liter-Motor mit 109 PS befindet sich nicht im Oberwagen, sondern tief im Unterwagen. Dadurch kann das Heck kompakt ausfallen und der Schwerpunkt der Maschine wandert nach unten. Der Hydradig ist als Kurzheckmaschine ausgelegt und schwenkt nach Herstellerangaben lediglich acht Zentimeter über. Das ist besonders in schmalen Zufahrten, Gärten oder im kommunalen Straßenraum relevant. Gleichzeitig soll die tiefe Anordnung schwerer Komponenten die Standsicherheit verbessern – auch dann, wenn auf unebenem Gelände oder in Schräglage gearbeitet wird. Die Konstruktion verfolgt damit zwei Ziele, die bei mobilen Arbeitsmaschinen nicht selbstverständlich zusammenpassen: kompakte Abmessungen und einen niedrigen Schwerpunkt. Ein kurzes Heck reduziert den benötigten Bewegungsraum, während die Gewichtsverteilung dafür sorgen soll, dass die Maschine trotz ihrer kompakten Erscheinung stabil arbeitet.

Hydradig bietet freie Sicht auf alle vier Räder

Hydradig bietet freie Sicht auf alle vier Räder

Der tief eingebaute Motor beeinflusst noch einen weiteren Bereich: die Sicht aus der Kabine. Weil im Oberwagen kein großer Motorblock den Blick nach hinten versperrt, kann der Fahrer nach Herstellerangaben alle vier Räder direkt sehen. Für die grundlegende Rundumsicht ist er damit nicht ausschließlich auf Kamerabilder angewiesen. Gerade bei Arbeiten zwischen Personen, Fahrzeugen, Mauern oder anderen Hindernissen ist diese direkte Sicht von Bedeutung. Das gilt beispielsweise für kommunale Einsätze ebenso wie für Baustellen in engen Gärten und Zufahrten. Zur Bedienung gehört außerdem eine Joystick-Lenkung. Die Joysticks können frei belegt werden, daneben bleibt ein Lenkrad vorhanden. Sitzheizung und Klimaanlage gehören laut Hersteller zur Standardausstattung. Die Kabine ist darauf ausgelegt, auch bei längeren Arbeitstagen ausreichend Platz zu bieten.

JCB Baumaschinen Neuheiten auf der GaLaBau
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Hydradig richtet sich an Kommunen, GaLaBau und Unterhaltung

Das breite Maschinenkonzept spiegelt sich in den vorgesehenen Einsatzbereichen. Als wichtige Anwender nennt das Unternehmen Kommunen, Garten- und Landschaftsbauer, Gewässer- und Unterhaltungsverbände sowie die Straßenunterhaltung. Auch für landwirtschaftliche Betriebe können Aufgaben wie das Räumen von Gräben oder Arbeiten an Drainagen ein Einsatzgebiet darstellen. Entscheidend ist dabei weniger eine einzelne technische Spitzenleistung als die Frage, wie viele unterschiedliche Aufgaben eine Maschine übernehmen kann. Ein Mobilbagger, der Werkzeugwechsel vereinfacht und mit unterschiedlichen Aufnahmen arbeitet, kann beispielsweise graben, Material umschlagen, Gehölze schneiden, Asphalt bearbeiten oder hydraulische Geräte antreiben. Genau darin liegt der Kern des Hydradig-Konzepts: Die Maschine soll nicht nur Bagger sein, sondern eine mobile Plattform für wechselnde Arbeiten.

Elektrische Antriebe und Assistenzsysteme verändern den Bagger

Bei der weiteren Entwicklung von Baumaschinen erwartet JCB Veränderungen sowohl beim Antrieb als auch bei der Digitalisierung. Das Unternehmen beschäftigt sich mit Wasserstofftechnik und bietet zugleich elektrische Bagger an. Welche Antriebsform sich für welche Maschinenklasse durchsetzen wird, ist damit noch nicht entschieden. Parallel gewinnen GPS, Fahrerassistenz und zusätzliche Sicherheitssysteme an Bedeutung. Auch KI könnte nach Einschätzung des Unternehmens künftig stärker in Maschinenfunktionen eingreifen. Beim Hydradig steht allerdings eine wesentlich unmittelbarere Entwicklung im Vordergrund: Ein Mobilbagger soll nicht länger auf wenige klassische Baggerarbeiten beschränkt bleiben. Schnellwechsler, kräftige Hydraulik, unterschiedliche Aufnahmen und die kompakte Bauweise machen aus dem Trägerfahrzeug eine Maschine, deren Aufgabe sich mit dem montierten Werkzeug verändert.