Elektrische Baumaschinen müssen sich dort bewähren, wo Prospektwerte wenig zählen: im täglichen Einsatz. Ein Radlader bewegt Material, füllt Schaufeln, fährt kurze Strecken unter hoher Last und steht dazwischen immer wieder für einige Minuten.
Ob ein batterieelektrischer Antrieb dafür taugt, hängt daher nicht nur von der Kapazität des Akkus ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Leistung, Laufzeit, Lademöglichkeit und Betriebskosten. Auf der GaLaBau in Nürnberg stellte Liebherr mit dem L 507 E einen batterieelektrischen Radlader vor, dessen Basis aus der entsprechenden Dieselmaschine hervorgegangen ist. Für die Elektroversion wurde jedoch nicht lediglich der Verbrennungsmotor gegen einen Elektromotor ausgetauscht. Antriebsstrang, Fahrantrieb und weitere Komponenten wurden auf das neue Energiekonzept abgestimmt.
Wo bei der konventionellen Ausführung der Dieselmotor sitzt, befinden sich beim L 507 E die Batteriepakete. Der Umbau erforderte eine neue Anordnung der Komponenten und Anpassungen an der Arbeitshydraulik sowie am Fahrantrieb. Nach Angaben des Herstellers kann die elektrische Variante dadurch mehr Kraft erzeugen als das vergleichbare Dieselgerät. Das ist für die Beurteilung einer solchen Maschine wichtiger als die bloße Frage nach der Motorisierung. Im produktiven Einsatz darf ein Elektro-Radlader bei Schubkraft und Arbeitsgeschwindigkeit nicht zum Kompromiss werden. Gerade bei häufigen Lade- und Transportarbeiten würde eine geringere Leistung mögliche Einsparungen an anderer Stelle schnell relativieren. Der elektrische Antrieb besitzt dabei einen prinzipbedingten Vorteil: Elektromotoren stellen ihr Drehmoment sehr früh zur Verfügung. Für Arbeitsmaschinen mit häufig wechselnden Lastzuständen kann diese Charakteristik interessant sein, sofern Hydraulik und Steuerung entsprechend darauf abgestimmt sind.
In der Standardausführung verfügt der Radlader über ein Batteriepaket mit 32 Kilowattstunden Kapazität. Für leichtere Arbeiten nennt Liebherr damit Laufzeiten von bis zu einer achtstündigen Arbeitsschicht. Bei intensiverem Einsatz werden vier bis fünf Stunden als realistische Größenordnung angegeben. Wer längere Laufzeiten benötigt, kann ein zweites Batteriepaket wählen. Die Gesamtkapazität steigt dann auf 64 Kilowattstunden, wodurch sich die mögliche Einsatzdauer entsprechend verlängert. Das Hochvoltsystem arbeitet mit rund 320 Volt. Wie lange eine Batterieladung tatsächlich reicht, lässt sich bei einer Baumaschine allerdings kaum mit einer einzigen Stundenangabe beantworten. Material, Schaufelfüllung, Fahrstrecken, Steigungen und der Anteil der Leerlaufzeiten verändern den Energiebedarf erheblich. Ein Radlader, der überwiegend leichte Materialien auf kurzen Wegen bewegt, stellt andere Anforderungen an den Akku als eine Maschine im dauerhaften schweren Ladebetrieb.
Bei der Ladeinfrastruktur setzt die Maschine bewusst nicht ausschließlich auf spezielle Schnellladetechnik. Der Akku kann an einer gewöhnlichen 230-Volt-Schuko-Steckdose geladen werden. Für den gewerblichen Alltag interessanter sind die AC-Lademöglichkeiten mit 11 beziehungsweise 22 kW über einen Starkstromanschluss. Bei zwei verbauten Batteriepaketen gewinnt die Ladeleistung naturgemäß an Bedeutung. Zusätzlich steht deshalb eine DC-Schnellladeoption mit bis zu 45 kW zur Verfügung. Betreiber können die Ladeinfrastruktur damit stärker auf ihren tatsächlichen Arbeitsrhythmus abstimmen. Für viele Betriebe dürfte weniger die maximale Ladeleistung als der verfügbare Zeitraum entscheidend sein. Steht die Maschine regelmäßig über Nacht auf dem Betriebshof, kann langsameres Laden genügen. Muss sie dagegen während kurzer Arbeitspausen möglichst viel Energie aufnehmen, verändert sich die Rechnung zugunsten höherer Ladeleistungen.
Beim Kaufpreis liegt der batterieelektrische Radlader zunächst über der Dieselvariante. Ob sich die Mehrinvestition amortisiert, entscheidet sich deshalb über die Betriebsdauer. Neben den Energiekosten spielt die Wartung eine wesentliche Rolle. Typische Arbeiten am Verbrennungsmotor entfallen. Dazu gehört beispielsweise der Motorölwechsel. Mit weniger entsprechenden Verschleiß- und Wartungspositionen können die laufenden Servicekosten sinken. Wie groß der wirtschaftliche Vorteil ausfällt, hängt von den jährlichen Betriebsstunden und den jeweiligen Energiepreisen ab. Besonders interessant kann die Kalkulation für Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage und Batteriespeicher werden. Kann ein Teil des benötigten Stroms auf dem Betriebsgelände erzeugt werden, verändert dies die laufenden Energiekosten. Dann wird auch die Frage relevant, zu welchen Tageszeiten der Radlader arbeitet und wann er für das Laden zur Verfügung steht.
Der batterieelektrische Radlader markiert keinen vollständigen Abschied vom Dieselmotor. Konventionelle Maschinen bleiben für den Hersteller ein wichtiger Bestandteil des Programms und werden weiterentwickelt. Parallel verfolgt der Konzern mehrere technologische Wege, darunter batterieelektrische Systeme und Wasserstofftechnologie. Das entspricht den sehr unterschiedlichen Anforderungen im Baumaschinen Einsatz. Eine Maschine, die täglich auf einem Betriebshof mit festem Stromanschluss arbeitet, bietet günstigere Voraussetzungen für einen Elektroantrieb als ein Gerät, das weit entfernt von jeder leistungsfähigen Energieversorgung eingesetzt wird. Beim L 507 E liegt der Ansatz deshalb weniger darin, den Diesel unter allen Bedingungen zu verdrängen. Der Radlader soll vielmehr dort eine Alternative bieten, wo Einsatzdauer und Ladeinfrastruktur zusammenpassen. Mit 32 oder 64 kWh Batterie, mehreren Ladewegen und einem eigens auf den Elektroantrieb abgestimmten Antriebsstrang wird aus der bekannten Maschine ein eigenständiges elektrisches Arbeitsgerät. Entscheidend wird sein, wie gut sich dieses Konzept im Alltag über viele Betriebsstunden rechnet.