Wasser vom eigenen Dach aufzufangen, war lange vor allem ein Thema für besonders ressourcenbewusste Hausbesitzer. Inzwischen verändert sich die Ausgangslage. Längere Trockenperioden erhöhen den Wasserbedarf im Garten, während die Entnahme von Grundwasser vielerorts stärker in den Blick gerät.
Gleichzeitig müssen Städte und Gemeinden bei Starkregen große Niederschlagsmengen bewältigen. Regenwasser möglichst dort zurückzuhalten, wo es anfällt, kann bei beiden Problemen helfen. Auf der GaLaBau 2026 in Nürnberg zeigte Graf eine flach gebaute unterirdische Tanklösung für private Grundstücke. Sie soll sich mit vergleichsweise wenig Erdaushub installieren lassen und das gesammelte Wasser anschließend direkt für die Gartenbewässerung bereitstellen. Größere Systeme richten sich an Gewerbe und Industrie.
Eine klassische unterirdische Zisterne benötigt eine entsprechend tiefe Baugrube. Der vorgestellte Flachtank verfolgt einen anderen Ansatz: Seine geringe Bauhöhe reduziert die notwendige Aushubtiefe und kann dadurch insbesondere bei nachträglichen Installationen interessant sein. Trotz der flachen Konstruktion ist der Behälter für hohe Belastungen ausgelegt. Verwendet wird ein schlagzäher Kunststoff; entsprechend ausgestattet kann das System auch in befahrbaren Bereichen eingesetzt werden. Damit kommen nicht nur Grünflächen als Einbauort infrage. Hinzu kommt das niedrige Eigengewicht. Der auf der Messe gezeigte Tank fasst knapp 1.500 Liter und wiegt nach Herstellerangaben weniger als 80 Kilogramm. Mehrere Personen können ihn deshalb ohne Kran oder Bagger auf dem Grundstück bewegen. Technisches Gerät wird für den eigentlichen Erdaushub dadurch zwar nicht grundsätzlich überflüssig, der Transport des Behälters innerhalb des Gartens vereinfacht sich jedoch erheblich.
Wie groß ein Regenwasserspeicher sein sollte, hängt nicht allein von der Grundstücksgröße ab. Entscheidend sind unter anderem die angeschlossene Dachfläche, der lokale Niederschlag und der spätere Wasserverbrauch. Graf bietet die flachen Behälter in Größen von 1.500, 3.000, 5.000 und 7.000 Litern an. Für ein Einfamilienhaus kann beispielsweise ein Volumen von 3.000 Litern infrage kommen. Ob diese Größe tatsächlich passt, muss jedoch anhand der örtlichen Bedingungen beurteilt werden. Das Prinzip bleibt bei allen Varianten gleich: Niederschlag von der Dachfläche wird nicht unmittelbar in die Kanalisation geleitet, sondern zunächst auf dem Grundstück gespeichert. Während trockener Tage steht dieses Wasser anschließend für Pflanzen, Rasenflächen oder andere Anwendungen zur Verfügung. Damit verschiebt sich die Regenwassernutzung von einer reinen Sparmaßnahme hin zu einer Form der Vorratshaltung. Gerade nach mehreren niederschlagsarmen Wochen kann ein größerer Speicher einen erheblichen Teil der Gartenbewässerung übernehmen.
Ein unterirdischer Tank allein macht das gespeicherte Wasser noch nicht komfortabel nutzbar. Für private Anwendungen werden deshalb Komplettpakete angeboten, die neben dem Behälter eine automatische Tauchpumpe enthalten. Diese arbeitet mit einem Druck- und Strömungswächter. Wird ein angeschlossener Gartenschlauch geöffnet, startet die Förderung automatisch. Nach dem Schließen stellt sich die Pumpe wieder ab. Mit einem angegebenen Druck von 4,5 bar steht ausreichend Leistung zur Verfügung, um nicht nur einen Schlauch, sondern auch fest installierte Bewässerungssysteme zu betreiben. Damit lässt sich die Zisterne weitgehend wie eine gewöhnliche Wasserquelle nutzen. Der Unterschied liegt darin, dass für die Bewässerung zuvor gesammelter Niederschlag statt Trinkwasser verwendet wird. Für ein Komplettpaket mit rund 3.000 Litern Volumen und Tauchpumpe nennt der Hersteller einen Preis von etwa 2.800 Euro einschließlich Mehrwertsteuer. Kosten für Erdarbeiten und weitere installationsabhängige Leistungen können je nach Grundstück hinzukommen.
Bei gewerblichen Anwendungen ändern sich die Dimensionen deutlich. Autowaschanlagen, Industriebetriebe oder größere Grünanlagen können erhebliche Wassermengen benötigen. Entsprechend bietet Graf neben den Lösungen für Wohnhäuser auch größere Speichersysteme an. Gerade dort kann die Nutzung von Regenwasser wirtschaftlich interessant werden, weil sich hohe Verbrauchsmengen summieren. Voraussetzung ist allerdings, dass genügend geeignete Auffangfläche vorhanden ist und Verbrauch sowie Niederschlagsangebot sinnvoll zueinander passen. Regenwasser kann Trinkwasser dabei nicht beliebig ersetzen. Für zahlreiche technische Anwendungen und die Bewässerung ist jedoch keine Trinkwasserqualität erforderlich. Hier liegt ein erhebliches Potenzial, aufbereitetes Leitungswasser gezielter einzusetzen.
Mit zunehmenden Wetterextremen bekommt das Speichern von Niederschlag noch eine zweite Funktion. Bei Starkregen soll möglichst wenig Wasser gleichzeitig in die Kanalisation gelangen. Das Konzept der Schwammstadt setzt deshalb darauf, Niederschlag lokal aufzunehmen, zwischenzuspeichern, versickern zu lassen oder später zu verwenden. Zisternen können ein Baustein dieses Systems sein. Freies Speichervolumen nimmt einen Teil des Regenwassers zunächst auf. Das entlastet zwar nicht automatisch jedes Entwässerungssystem und ersetzt keine umfassende Starkregenvorsorge, verbindet aber Rückhalt und spätere Nutzung auf demselben Grundstück. Gleichzeitig gewinnen solche Speicher dort an Bedeutung, wo ein eigener Brunnen keine praktikable Möglichkeit ist. Genehmigungsrecht, Grundwasserverhältnisse und lokale Vorgaben können die Grundwasserentnahme einschränken. Das Wasser vom eigenen Dach steht dagegen unmittelbar dort zur Verfügung, wo es später gebraucht wird. Damit verändert sich die Rolle der klassischen Zisterne. Sie dient nicht mehr ausschließlich dazu, Trinkwasserkosten bei der Gartenbewässerung zu reduzieren. Regenwasserspeicher werden zunehmend als Teil eines dezentralen Wassermanagements betrachtet: Niederschlag bleibt zunächst auf dem Grundstück, kann Trockenperioden überbrücken und fließt nicht vollständig im Moment des Regens ab.