Ein Container steht auf unebenem Boden, ist schwer beladen oder im Winter sogar festgefroren. Für einen Abrollkipper beginnt die anspruchsvollste Phase häufig schon beim ersten Anheben.
Gerade auf Baustellen, wo Behälter nicht immer auf befestigten Flächen abgestellt werden, muss die Hydraulik erhebliche Kräfte aufbringen. Entscheidend ist dabei nicht allein die Leistung der Zylinder, sondern auch deren Position während des Aufnahmevorgangs. Auf der GaLaBau in Nürnberg präsentierte Palfinger einen Abrollkipper der Power-Baureihe, dessen Konstruktion auf diese Anforderungen ausgelegt ist. Das ausgestellte Gerät verfügt über eine Hubkraft von 14 Tonnen und arbeitet mit einem doppelt knickbaren Hakenarm. Die besondere Geometrie soll hohe Kräfte beim Aufnehmen schwerer Container ermöglichen und zugleich einen flachen Bewegungsablauf gewährleisten. Damit eignet sich das System nicht nur für den klassischen Containertransport, sondern auch für empfindlichere Ladungen wie kleinere Baumaschinen.
Bei herkömmlichen Abrollkippern hängt die verfügbare Hubkraft wesentlich davon ab, in welchem Winkel die Hydraulikzylinder auf den beweglichen Rahmen wirken. Besonders beim Beginn des Aufnahmevorgangs können ungünstige Hebelverhältnisse dazu führen, dass ein erheblicher Teil der Zylinderkraft nicht unmittelbar zum Anheben des Behälters beiträgt. Der Power-Abrollkipper verfolgt deshalb einen anderen konstruktiven Ansatz. Sein Hakenarm besitzt zwei Knickpunkte, die den Bewegungsablauf beeinflussen. Im entscheidenden Moment stehen die Hydraulikzylinder nahezu senkrecht zum Schwenkrahmen. Dadurch entsteht ein günstiger Hebelarm, mit dem sich hohe Kräfte auf den Container übertragen lassen. Im Vergleich zu einem teleskopierbaren Abrollgerät soll diese Doppelknick-Geometrie insbesondere beim ersten Anheben Vorteile bieten. Das ist beispielsweise dann relevant, wenn ein schwer beladener Behälter auf einer verschmutzten Baustelle steht und sich nicht ohne Weiteres vom Untergrund lösen lässt. Auch festgefrorene Container stellen besondere Anforderungen. Bevor der Behälter überhaupt bewegt werden kann, muss zunächst der Widerstand zwischen Auflagefläche und Boden überwunden werden. Die hohe Anfangskraft des Systems ist für solche Situationen ausgelegt.
Neben der Hubkraft beeinflusst die Bewegung des Hakenarms, wie sich ein Container beim Aufnehmen verhält. Bei steilen Aufziehwinkeln verändert sich die Neigung des Behälters deutlich. Für lose Schüttgüter ist das häufig weniger problematisch als für Maschinen oder andere empfindliche Transportgüter. Der knickbare Hakenarm des Power-Systems ermöglicht eine vergleichsweise flache Aufziehkurve. Dadurch lässt sich die Neigung während des Ladevorgangs begrenzen. Ein typischer Anwendungsfall ist der Transport eines Minibaggers auf einer geeigneten Abrollplattform. Gerade im Garten- und Landschaftsbau werden kleinere Baumaschinen häufig zwischen verschiedenen Einsatzorten transportiert. Eine möglichst flache Aufnahmebewegung kann dabei helfen, die Belastungen auf die gesicherte Ladung zu reduzieren. Die tatsächliche Eignung hängt allerdings von der verwendeten Plattform, der Ladungssicherung und den zulässigen Fahrzeuggewichten ab. Die besondere Geometrie ersetzt weder eine ausreichende Sicherung noch die Beachtung der technischen Belastungsgrenzen.
Der eigentliche Ladevorgang folgt einem klaren Ablauf. Zunächst greift der Hakenarm in die dafür vorgesehene Aufnahme eines genormten Abrollbehälters. Anschließend zieht die Hydraulik den Container über die hinteren Rollen auf das Fahrzeug. Während dieser Bewegung wird der Behälter angehoben und schrittweise auf den Fahrzeugrahmen gezogen. In der endgültigen Transportposition liegt er flach auf dem Aufbau. Abhängig von der Containerlänge kann dabei ein entsprechender Überhang am Fahrzeugheck entstehen. Beim ausgestellten Abrollkipper befindet sich der Hakenarm in der Transportstellung ungefähr 15 Zentimeter hinter dem Fahrerhaus. Der Container wird so weit nach vorne gezogen, dass er unmittelbar hinter der Kabine positioniert ist. Anschließend erfolgt die Sicherung über eine hydraulische Innenverriegelung. Sie hält den Behälter während der Fahrt in seiner vorgesehenen Position. Nach Angaben des Herstellers dauert der gesamte Aufnahmevorgang weniger als 30 Sekunden. Gerade bei häufigen Containerwechseln kann eine kurze Ladezeit die Arbeitsabläufe erheblich beeinflussen. Voraussetzung bleibt, dass Behälter und Fahrzeug korrekt positioniert sind und der Vorgang unter sicheren Bedingungen ausgeführt werden kann.
Das auf der GaLaBau gezeigte Gerät besitzt eine nominelle Hubkraft von 14 Tonnen. Diese Angabe ist allerdings nicht mit der zulässigen Nutzlast des Trägerfahrzeugs gleichzusetzen. Bei der Auslegung eines Abrollkippers müssen ausreichende Kraftreserven berücksichtigt werden. Als Orientierungswert nennt der Hersteller eine Hubkraft, die ungefähr dem Eineinhalbfachen der Fahrzeugnutzlast entsprechen sollte. Der Hintergrund liegt in den zusätzlichen Belastungen während des Aufnahmevorgangs. Ein Container muss nicht nur angehoben, sondern auch über die Rollen auf den Fahrzeugrahmen gezogen werden. Dabei verändern sich die Hebelverhältnisse fortlaufend. Ungünstige Untergrundbedingungen können den Kraftbedarf zusätzlich erhöhen. Ein Abrollkipper mit 14 Tonnen Hubkraft bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das zugehörige Fahrzeug auch 14 Tonnen Nutzlast transportieren darf. Maßgeblich bleiben das zulässige Gesamtgewicht, die Achslasten und die jeweilige Fahrzeugkonfiguration. Für die Praxis ist eine passende Abstimmung zwischen Fahrgestell, Abrollgerät und vorgesehenen Behältern entscheidend.
Palfinger bietet seine Abrolltechnik in unterschiedlichen Größen und Konstruktionsvarianten an. Das Sortiment beginnt bei Geräten mit drei Tonnen Hubkraft für kleinere Transporter und reicht bis zu Abrollkippern mit 30 Tonnen Hubkraft für schwere Vierachsfahrzeuge der 32-Tonnen-Klasse. Zwischen diesen Größen stehen verschiedene Abstufungen zur Verfügung. Auch die Bauformen unterscheiden sich, weil die Anforderungen internationaler Märkte nicht überall identisch sind. Ein weiterer Aspekt ist die Unabhängigkeit vom jeweiligen Lkw-Hersteller. Die Abrollgeräte können grundsätzlich an Fahrgestelle unterschiedlicher Marken angepasst werden. Dabei müssen unter anderem Radstand, Rahmenlänge, zulässige Gewichte und die Abmessungen der vorgesehenen Container berücksichtigt werden. Auch die Behälter selbst sind in unterschiedlichen Längen und Größen erhältlich. Die Konfiguration des Abrollkippers richtet sich deshalb nach den konkreten Transportaufgaben. Für einen Betrieb, der überwiegend kleinere Container bewegt, kann eine kompakte Fahrzeugkombination ausreichen. Unternehmen mit schweren Schüttgütern oder großen Abrollbehältern benötigen dagegen entsprechend leistungsfähigere Fahrgestelle und Aufbauten.
Abrollkipper werden überall dort eingesetzt, wo wechselnde Behälter mit möglichst geringem Zeitaufwand transportiert werden sollen. Im Garten- und Landschaftsbau betrifft das beispielsweise die Beförderung von Erde, Kies, Grünschnitt oder Abbruchmaterial. Hinzu kommt der Transport von Maschinen auf geeigneten Plattformen. Weitere wichtige Einsatzbereiche sind die Bauwirtschaft, Recyclingunternehmen und kommunale Betriebe. Dort ermöglichen wechselbare Container eine flexible Organisation von Materialströmen, ohne dass für jede Transportaufgabe ein eigenes Spezialfahrzeug benötigt wird. Die Anschaffungskosten hängen wesentlich von der gewählten Ausführung ab. Neben der Hubkraft beeinflussen die Fahrzeuggröße, die Länge des Abrollgeräts und die gewünschte Ausstattung den Preis. Einen pauschalen Betrag nennt der Hersteller deshalb nicht. Mit dem Power-Abrollkipper zeigt sich, wie stark die Leistungsfähigkeit solcher Systeme von der mechanischen Konstruktion abhängt. Die Doppelknick-Geometrie soll insbesondere bei schwierigen Aufnahmebedingungen hohe Kräfte bereitstellen. Gleichzeitig erweitert die flache Aufziehkurve die Möglichkeiten beim Transport empfindlicher Ladung. Für Betriebe mit häufig wechselnden Transportaufgaben ist damit nicht allein die maximale Hubkraft ausschlaggebend. Ebenso wichtig sind ein geeigneter Bewegungsablauf, kurze Ladezeiten und die Abstimmung auf das eingesetzte Fahrzeug.