Akku-Rüttelplatte verdichtet ohne Abgase auf der Baustelle

von Jürgen Groh - 2026-09-20

Bei Verdichtungsarbeiten zählt vor allem, was am Boden ankommt. Eine Rüttelplatte muss zuverlässig laufen, ausreichend Verdichtungsleistung erzeugen und den Belastungen einer Baustelle standhalten.

Ob die dafür benötigte Energie aus Benzin, Diesel oder einem Akku stammt, ist für das Arbeitsergebnis zunächst zweitrangig. Für den Bediener und das unmittelbare Arbeitsumfeld macht der Antrieb dagegen einen erheblichen Unterschied. Bomag zeigte auf der GaLaBau in Nürnberg eine akkubetriebene reversierbare Rüttelplatte der 200-Kilogramm-Klasse. Mit dieser Gewichtsklasse zielt der Hersteller auf einen Bereich, der im Garten- und Landschaftsbau bereits weit verbreitet ist. Das elektrische Modell soll dabei nicht als leistungsschwächere Alternative für ausgewählte Arbeiten dienen, sondern die Eigenschaften einer konventionell angetriebenen Maschine möglichst vollständig übernehmen.

Elektrische Rüttelplatte mit voller Verdichtungsleistung
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Bomag E-Performance hält die Verdichtungsleistung

Einen Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor und den Kraftstofftank durch einen Akku zu ersetzen, reicht bei einer Rüttelplatte nicht aus. Der Antrieb muss mit dem Erregersystem abgestimmt werden, das letztlich die für die Bodenverdichtung erforderlichen Schwingungen erzeugt. Leistungsabgabe, Laufverhalten und Steuerung beeinflussen unmittelbar, wie sich die Maschine auf unterschiedlichen Untergründen verhält. Bomag ordnet das Modell seiner E-Performance-Reihe zu und gibt für die elektrische Ausführung eine Verdichtungsleistung auf dem Niveau der entsprechenden Verbrennermaschine an. Auch Fahr- und Laufeigenschaften sollen vergleichbar bleiben. Seit der ersten Präsentation wurden nach Unternehmensangaben bereits Maschinen bei Händlern und Kunden vorgeführt. Der konstruktive Anspruch betrifft ebenso den Schutz der Komponenten. Eine Verdichtungsmaschine arbeitet in Staub, Schmutz und Feuchtigkeit und muss nach dem Einsatz entsprechend gereinigt werden. Die elektrische Rüttelplatte ist nach IP65 geschützt und kann laut Hersteller auch mit einem Hochdruckreiniger gesäubert werden.

Bodenverdichtung im Garten- und Landschaftsbau
Akku Rüttelplatte verdichtet ohne Abgase auf der Baustelle

Akku liefert rund 50 Minuten Leistung

Unter einer Abdeckung sitzt der herausnehmbare Akku, der über eine Steckverbindung mit der Maschine verbunden wird. Bei voller Leistung nennt der Hersteller eine Betriebsdauer von ungefähr 50 Minuten beziehungsweise knapp einer Stunde. Diese Zahl lässt sich allerdings nicht mit der Arbeitszeit eines gesamten Baustellentages gleichsetzen. Rüttelplatten laufen üblicherweise nicht acht Stunden ohne Unterbrechung. Flächen werden vorbereitet, Material verteilt, Höhen kontrolliert oder Arbeitsabschnitte gewechselt. Entscheidend ist daher, wie sich Laufzeit, Ladezeiten und gegebenenfalls zusätzliche Akkus in den tatsächlichen Ablauf eines Betriebs integrieren lassen. Am Bedienpult stehen zwei Leistungsstufen zur Verfügung. Symbolisiert werden sie durch Hase und Schildkröte: volle Leistung für entsprechend anspruchsvolle Verdichtungsarbeiten, eine reduzierte Stufe für Anwendungen, bei denen weniger Leistung benötigt wird. Der Bediener kann die Maschine von seiner Arbeitsposition aus starten und die Einstellung an den Untergrund anpassen.

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Rüttelplatten für Bodenverdichtung auf der GaLaBau

Verdichtungsanzeige kontrolliert den Arbeitsfortschritt

Beim Wechsel zum Elektroantrieb bleiben bekannte Ausstattungsmöglichkeiten erhalten. Pflastermatten und Transporträder können ebenso montiert werden wie eine Verdichtungsanzeige. Letztere liefert während der Arbeit Informationen darüber, wie weit die Verdichtung des Bodens fortgeschritten ist. Das ist mehr als eine Komfortfunktion. Ohne Rückmeldung lässt sich nur indirekt beurteilen, wann weitere Überfahrten kaum noch einen zusätzlichen Verdichtungseffekt bringen. Eine Anzeige kann helfen, unnötige Arbeitsgänge zu vermeiden und die Bearbeitung einer Fläche nachvollziehbarer zu machen. Gerade dieser Punkt zeigt, wohin sich kompakte Verdichtungstechnik entwickelt. Der elektrische Antrieb ist nur ein Teil davon. Ergonomie, Informationen über den Arbeitsprozess und eine bessere Anpassung an konkrete Einsatzbedingungen rücken ebenfalls stärker in den Vordergrund.

Bomag Verdichtungstechnik auf der GaLaBau in Nürnberg

Emissionsfreie Rüttelplatte verändert das Arbeitsumfeld

Die Nachfrage nach elektrischen Baumaschinen ist nach Einschätzung von Bomag noch vergleichsweise gering, nimmt jedoch zu. Vor allem größere Kunden beschäftigen sich stärker mit lokal emissionsfreien Geräten. Vorgaben für bestimmte Baustellen spielen dabei ebenso eine Rolle wie der Arbeitsschutz. Bei einer handgeführten Maschine befindet sich der Bediener unmittelbar neben dem Antrieb. Fehlen dort die Abgase eines Verbrennungsmotors, verändert sich seine direkte Belastung. Das kann besonders in schlecht belüfteten Bereichen, Innenhöfen, Gräben oder bei Arbeiten nahe an Gebäuden relevant werden. Auch der Einsatz in lärmsensiblen Umgebungen kann für elektrische Maschinen sprechen, wobei das Erregersystem einer Rüttelplatte naturgemäß weiterhin Geräusche und Vibrationen verursacht. Die Wirtschaftlichkeit hängt dagegen vom jeweiligen Betrieb ab. Anschaffung, Akku- und Ladeausstattung, tägliche Einsatzdauer sowie vorhandene Stromversorgung müssen zusammen betrachtet werden. Ein elektrischer Antrieb ist deshalb nicht automatisch für jede Baustelle die passendere Lösung.

Emissionsfreie Rüttelplatte verändert das Arbeitsumfeld
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BT 30 und BMP 8500 erweitern die Verdichtungstechnik

Parallel zur Elektrifizierung arbeitet der Hersteller an Maschinen für spezielle Arbeitssituationen. Der BT 30 ist mit rund 30 Kilogramm ein besonders leichter Stampfer, der unter anderem für Arbeiten im Verbau oder unter Rohrleitungen gedacht ist. Dort erschweren wenig Platz und ungünstige Körperhaltungen den Umgang mit schwereren Geräten. Für Anwendungen, bei denen der Bediener Abstand zur Maschine halten soll, gibt es ferngesteuerte Technik. Die Grabenwalze BMP 8500 gehört in diese Kategorie. Hinzu kommen Anbauverdichter für Bagger, die auf der GaLaBau in zwei Ausführungen gezeigt wurden. Damit lassen sich Verdichtungsarbeiten auf das Trägergerät verlagern, statt dafür eine separate handgeführte Maschine einzusetzen. Autonome Kleingeräte sind dagegen noch kein unmittelbar bevorstehender Entwicklungsschritt. Baustellen im Garten- und Landschaftsbau verändern sich laufend, Arbeitsräume sind eng und die Umgebung ist selten standardisiert. Eine selbstständig arbeitende Maschine müsste Menschen, Hindernisse, unterschiedliche Böden und wechselnde Arbeitsbereiche zuverlässig erfassen. Bei der akkubetriebenen Rüttelplatte ist die Aufgabenstellung wesentlich konkreter: Sie soll eine vertraute Maschinenklasse elektrifizieren, ohne deren eigentliche Arbeitsleistung zu verändern. Rund 200 Kilogramm Gewicht, etwa 50 Minuten Akkubetrieb bei voller Leistung, zwei Fahrstufen und die verfügbaren Ausstattungsoptionen orientieren sich deshalb bewusst am Arbeitsalltag. Der Unterschied steckt vor allem dort, wo früher Tank und Verbrennungsmotor saßen.