Eine stumpfe Sägekette macht sich schnell bemerkbar. Die Motorsäge schneidet langsamer, der Kraftaufwand steigt und statt grober Späne entsteht zunehmend feines Sägemehl. Wer regelmäßig mit der Säge arbeitet, kommt deshalb um das Nachschärfen nicht herum.
Die klassische Rundfeile verlangt allerdings Übung: Winkel und Feilenhöhe müssen stimmen, zudem darf der Tiefenbegrenzer nicht aus dem Blick geraten. Für Anwender, die diese Arbeit nur gelegentlich erledigen, hat Stihl mit dem KSA 20 einen anderen Ansatz entwickelt. Das akkubetriebene Kettenschärfgerät bearbeitet Schneidezahn und Tiefenbegrenzer in einem Arbeitsgang. Auf der GaLaBau 2026 in Nürnberg wurde das Gerät mit einer Innovationsmedaille ausgezeichnet. Es richtet sich ausdrücklich nicht an Profis, die ihre Ketten routiniert von Hand feilen, sondern vor allem an Nutzer, denen dafür die regelmäßige Praxis fehlt.
Für das Schärfen bleibt die Kette auf der Führungsschiene der Motorsäge. Zunächst wird die Säge in einem geeigneten Bock fixiert, damit sie während der Bearbeitung sicher sitzt. Anschließend setzt der Anwender den KSA 20 unmittelbar auf den zu bearbeitenden Schneidezahn. Da die Schneidezähne einer Sägekette abwechselnd nach links und rechts ausgerichtet sind, muss auch das Schärfgerät entsprechend eingestellt werden. Dazu lässt sich die Drehrichtung der Schleifscheibe wechseln. Zunächst kann beispielsweise eine komplette Zahnreihe bearbeitet werden, anschließend wird das Gerät umgestellt und die gegenüberliegende Seite geschärft. Der eigentliche Schleifvorgang dauert nur einen kurzen Moment. Langes Schleifen ist weder erforderlich noch erwünscht. Zahn für Zahn lässt sich die Kette auf diese Weise bearbeiten, ohne dass der Anwender den korrekten Feilwinkel von Hand führen muss.
Eine scharfe Schneidkante allein genügt bei einer Motorsägenkette nicht. Vor jedem Schneidezahn sitzt ein Tiefenbegrenzer, der bestimmt, wie tief der Zahn in das Holz eindringen kann. Durch wiederholtes Schärfen wird der Schneidezahn niedriger. Bleibt der Tiefenbegrenzer unverändert, nimmt der Zahn irgendwann weniger Material ab. Bei der manuellen Pflege sind deshalb zwei Größen im Auge zu behalten. Neben dem Schneidezahn muss in bestimmten Abständen auch der Tiefenbegrenzer angepasst werden. Der KSA 20 verbindet diese Arbeitsschritte: Während des Schleifvorgangs wird der Schneidezahn geschärft und der Tiefenbegrenzer im passenden Verhältnis zurückgesetzt. Gerade darin liegt der praktische Unterschied zu einer einfachen elektrischen Feile. Das Gerät soll nicht lediglich Material von der Schneide abtragen, sondern die für das Schnittverhalten wichtige Abstimmung zwischen beiden Elementen erhalten.
Motorsägenketten gibt es in unterschiedlichen Teilungen und Abmessungen. Ein Schärfwerkzeug muss zur jeweiligen Kette passen, damit das Zahnprofil korrekt bearbeitet wird. Für den KSA 20 stehen deshalb Schleifscheiben in verschiedenen Größen zur Verfügung. Die Scheibe sitzt an der Unterseite des Geräts und kann gewechselt werden. Welche Ausführung benötigt wird, richtet sich nach der verwendeten Sägekette. Damit lässt sich ein Gerät für verschiedene kompatible Ketten einsetzen, sofern die jeweils passende Schleifscheibe montiert ist. Vor dem Schleifen bleibt damit ein wichtiger Arbeitsschritt bestehen: Der Nutzer muss wissen, welche Kette auf seiner Motorsäge montiert ist und das Werkzeug entsprechend ausrüsten. Das eigentliche Nachschärfen wird vereinfacht, die korrekte Zuordnung von Kette und Schleifscheibe nimmt das Gerät dem Anwender jedoch nicht ab.
Wer eine Sägekette mit der Rundfeile sauber schärfen kann, benötigt dafür nicht zwangsläufig ein elektrisches Gerät. Die Methode ist günstig, flexibel und für geübte Anwender schnell. Entscheidend ist jedoch die Erfahrung. Eine Rundfeile muss im richtigen Winkel und auf der richtigen Höhe durch den Schneidezahn geführt werden. Wird zu tief gefeilt, verändert sich die Zahnform. Eine zu hohe Führung erzielt ebenfalls nicht das gewünschte Ergebnis. Abweichende Winkel zwischen den einzelnen Zähnen können außerdem dazu führen, dass die Kette ungleichmäßig arbeitet. Stihl positioniert den KSA 20 daher bewusst nicht als Ersatz für die handwerklich beherrschte Rundfeile. Angesprochen werden eher Anwender, die nur gelegentlich Brennholz sägen, Bäume und stärkere Äste auf dem Grundstück bearbeiten oder aus anderen Gründen keine große Routine beim Kettenschärfen entwickeln. Für sie kann eine mechanisch geführte Lösung Fehlerquellen reduzieren.
Für das Kettenschärfgerät nennt der Hersteller einen Preis von 139 Euro. Akku und Ladegerät sind darin nicht enthalten und müssen zusätzlich vorhanden sein beziehungsweise gekauft werden. Hinzu kommen je nach verwendeten Ketten die benötigten Schleifscheiben. Damit konkurriert das Gerät weniger über einen möglichst niedrigen Einstiegspreis mit der Rundfeile als über eine vereinfachte Handhabung. Ob sich diese Investition lohnt, hängt entsprechend davon ab, wie häufig Motorsägenketten geschärft werden und wie sicher der Nutzer mit herkömmlichen Werkzeugen umgehen kann. Interessant ist der KSA 20 vor allem als Beispiel dafür, dass Akkutechnik inzwischen auch bei vergleichsweise kleinen Wartungsarbeiten ankommt. Hier ersetzt sie keinen Benzinmotor und verlängert auch nicht die Laufzeit einer Maschine. Ihr Zweck ist wesentlich unspektakulärer: einen Arbeitsschritt zu vereinfachen, der für die Schnittleistung einer Motorsäge entscheidend ist und bei gelegentlicher Anwendung erstaunlich viel Übung verlangt.