Akkubagger für Recycling und Schrottplatzbetrieb

von Andreas Bergmeier - 2026-06-07

Elektrisch angetriebene Umschlagmaschinen gewinnen in der Recycling- und Schrottbranche zunehmend an Bedeutung. Betreiber stehen unter Druck, Emissionen zu reduzieren, Energiekosten zu kontrollieren und gleichzeitig flexibel auf wechselnde Anforderungen im Betrieb zu reagieren.

Während viele Maschinenkonzepte bislang auf stationäre Stromversorgung angewiesen waren, entstehen zunehmend Lösungen, die elektrische Antriebe mit hoher Mobilität verbinden. Auf der Ifat in München präsentiert Sennebogen mit dem 824 G einen Akkubagger, der genau auf diese Anforderungen ausgelegt wurde. Die Maschine arbeitet vollständig batteriebetrieben und richtet sich vor allem an Anwendungen in Recyclinghöfen, Schrottplätzen und industriellen Umschlagbetrieben.

Sennebogen 824 G Akkubagger setzt auf modulare Batteriekonzepte
Anzeige

Sennebogen 824 G setzt auf modulare Batteriekonzepte

Der zentrale Unterschied zu vielen elektrischen Umschlagmaschinen liegt in der flexiblen Batteriekonfiguration. Betreiber können den 824 G mit einer bis vier Batterien ausstatten und die Maschine damit an unterschiedliche Einsatzprofile anpassen. Je nach Ausstattung sind Arbeitszeiten zwischen zwei und acht Stunden möglich. Mit vier Batterien kann eine komplette Arbeitsschicht im reinen Akkubetrieb absolviert werden. Die modulare Auslegung erlaubt es gleichzeitig, Investitionen an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Akkubagger für Recycling und Schrottplatzbetrieb
Elektrisch angetriebene Umschlagmaschinen Recycling und Schrottbranche

Gerade für Betriebe mit unterschiedlichen Einsatzszenarien bietet dieses Konzept wirtschaftliche Vorteile. Wer die Maschine hauptsächlich für kurze Einsätze oder innerbetriebliche Transporte nutzt, benötigt nicht zwingend die maximale Batteriekapazität. Andere Betreiber setzen dagegen auf lange Arbeitszyklen und können die Ausstattung entsprechend erweitern. Die wichtigsten Merkmale des Systems:

  • vollständig batteriebetriebener Umschlagbagger
  • Konfiguration mit einer bis vier Batterien
  • Arbeitszeiten von zwei bis acht Stunden
  • Laden und Arbeiten gleichzeitig möglich
  • flexibler Einsatz auf verschiedenen Betriebsflächen
Damit positioniert sich die Maschine in einem Marktsegment, das zunehmend nach emissionsarmen Alternativen zu klassischen Dieselmaschinen sucht.

Anzeige
SENcon 3 integriert Sensorik und Maschinenfunktionen

Ladekonzept des 824 G erhöht die Flexibilität

Besonders interessant ist die Anordnung der Ladeinfrastruktur. Während bei manchen Wettbewerbsmodellen die Ladeanschlüsse am Oberwagen sitzen und das Ladekabel bei jeder Bewegung mitschwenken würde, erfolgt die Energieversorgung beim 824 G über den Unterwagen. Dadurch kann die Maschine während des Ladevorgangs weiterarbeiten. Für Betreiber bedeutet das deutlich mehr Flexibilität im täglichen Betrieb. Selbst wenn auf einer Anlage lediglich ein zentraler Ladepunkt vorhanden ist, kann die Maschine nachts vollständig aufgeladen werden und tagsüber unabhängig auf dem gesamten Betriebsgelände arbeiten. Alternativ lassen sich mehrere Ladepunkte auf verschiedenen Arbeitsplätzen einrichten, um die Einsatzmöglichkeiten weiter zu erhöhen. Besonders in weitläufigen Recycling- und Schrottanlagen kann dies ein entscheidender Vorteil sein. Die Maschine bleibt mobil und muss nicht dauerhaft an eine feste Stromversorgung gebunden werden.

Ladekonzept des Sennebogen 824 G erhöht die Flexibilität

Photovoltaik und Energiespeicher als Zukunftsmodell

Viele Unternehmen verfolgen inzwischen ambitionierte Klimaziele. Der Akkubagger wurde deshalb auch mit Blick auf zukünftige Energiekonzepte entwickelt. Denkbar ist beispielsweise die Kombination aus Photovoltaikanlagen, stationären Batteriespeichern und elektrischen Umschlagmaschinen. Überschüssiger Solarstrom kann gespeichert und später zum Laden der Maschinen genutzt werden. Dadurch entstehen Perspektiven für weitgehend CO₂-neutrale Betriebsabläufe. Sennebogen sieht hierin einen wichtigen Entwicklungspfad für große Industrie- und Recyclingstandorte. Die Maschine kann unabhängig vom öffentlichen Stromnetz betrieben werden, sofern entsprechende Speichersysteme vorhanden sind. Direkt auf dem Bagger installierte Solarzellen spielen dagegen derzeit kaum eine Rolle. Die erzeugbaren Energiemengen wären im Verhältnis zum Leistungsbedarf der Maschine zu gering, um einen relevanten Beitrag zur Laufzeit zu leisten.

SENcon 3 integriert Sensorik und Maschinenfunktionen

Parallel zum elektrischen Antrieb wurde auch die digitale Maschinenarchitektur weiterentwickelt. Mit SENcon 3 führt der Hersteller ein eigenes Betriebssystem ein, das zahlreiche Funktionen zentral zusammenführt. Die neue G-Serie verfügt über deutlich mehr Sensorik als frühere Maschinen. Systeme zur Lastmomentbegrenzung, Kameralösungen und weitere Assistenzfunktionen werden direkt in die Software integriert. Der Vorteil liegt in der durchgängigen Entwicklung aus einer Hand. Statt unterschiedliche Komponenten verschiedener Anbieter miteinander zu verbinden, stammen Software und Systemintegration aus einer gemeinsamen Entwicklungsplattform. Für Betreiber vereinfacht das die Bedienung und schafft eine einheitliche technische Basis für künftige Erweiterungen.

Autonome Umschlagmaschinen rücken näher

Neben Elektrifizierung und Digitalisierung beschäftigt sich die Branche zunehmend mit autonomen Arbeitsprozessen. Auch Sennebogen arbeitet nach eigenen Angaben bereits an entsprechenden Pilotprojekten. Die Perspektive reicht deutlich über die heutige Maschinenwelt hinaus. In den kommenden Jahren könnten Umschlagmaschinen zunehmend automatisiert arbeiten und bestimmte Aufgaben selbstständig übernehmen. Der klassische Maschinenführer würde dabei stärker in eine überwachende und steuernde Rolle wechseln. Noch befinden sich solche Konzepte in der Entwicklung. Dennoch zeigt die Richtung, in die sich die Branche bewegt. Elektrische Antriebe, intelligente Software und autonome Funktionen wachsen zunehmend zusammen. Der 824 G steht damit nicht nur für einen neuen Akkubagger, sondern für einen umfassenderen Wandel im Materialumschlag. Energieversorgung, Sensorik, Software und zukünftige Automatisierung werden immer stärker als Teil eines integrierten Gesamtsystems betrachtet.