Umschlagbagger mit Wechselstiel für Schrott und Recycling

von Andreas Bergmeier - 2026-05-12

Die Anforderungen in der Schrott- und Recyclingbranche haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Betreiber müssen heute nicht nur wirtschaftlich arbeiten, sondern zugleich strengere Umweltauflagen und Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Besonders im Bereich der Metallaufbereitung steigt der Druck, Prozesse effizienter zu gestalten und Emissionen zu reduzieren. Genau dort setzt ein neues Maschinenkonzept von Zeppelin und Caterpillar an. Mit dem MH3032 zeigt Zeppelin auf der Ifat Munich einen Umschlagbagger der 35-Tonnen-Klasse, der zwei unterschiedliche Einsatzbereiche in einer Maschine vereint. Herzstück des Konzepts ist ein vollhydraulischer Wechselstiel, der den schnellen Wechsel zwischen Schrottschere und Polypgreifer ermöglicht. Damit soll sich sowohl die Vorzerkleinerung von Material als auch das anschließende Verladen mit nur einer Maschine umsetzen lassen.

Umschlagbagger Caterpillar MH3032 mit Wechselstiel fuer Schrott und Recycling
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Caterpillar MH3032 kombiniert Schere und Polypgreifer

Der MH3032 basiert auf einem Umschlagbagger von Caterpillar, wurde jedoch gezielt für Anwendungen in der Recycling- und Schrottbranche erweitert. Die Maschine kann vollhydraulisch zwischen verschiedenen Werkzeugen wechseln. Betreiber benötigen dadurch nicht mehr zwingend zwei getrennte Maschinen für Schneid- und Umschlagarbeiten. Gerade bei Schrotthändlern gewinnt diese Flexibilität an Bedeutung. Hintergrund sind unter anderem strengere Vorgaben wie die TA Luft. Viele Materialien dürfen nicht mehr einfach thermisch getrennt oder bearbeitet werden. Stattdessen erfolgt die Vorzerkleinerung zunehmend mechanisch mit hydraulischen Scheren. Nach dem Schneidprozess muss das Material jedoch weiterhin verladen oder sortiert werden. Genau dafür kommt der Polypgreifer zum Einsatz. Der Wechsel zwischen beiden Werkzeugen erfolgt direkt an der Maschine und reduziert Stillstandzeiten ebenso wie Investitionskosten. Die wichtigsten Funktionen des Maschinenkonzepts:

  • vollhydraulischer Wechsel zwischen Schrottschere und Polypgreifer
  • Einsatz als Vorzerkleinerer und Umschlagmaschine
  • Telematiksystem mit Maschinen- und Betriebsdaten
  • Assistenzsysteme für Sicherheit und Arbeitsunterstützung
Dadurch entsteht ein System, das mehrere Aufgabenbereiche innerhalb einer Recyclinganlage abdecken kann.

Zeppelin setzt auf flexible Umbauten statt Spezialmaschinen
Fahrerkabine Umschlagbagger Caterpillar MH3032

Zeppelin setzt auf flexible Umbauten statt Spezialmaschinen

Auffällig ist, dass die Maschine trotz Umbau möglichst nah am Serienzustand geblieben ist. Zeppelin verfolgt damit einen wirtschaftlichen Ansatz, der über den reinen Ersteinsatz hinausgeht. Der Hauptausleger wurde nicht verkürzt, wie es bei spezialisierten Umbauten häufig üblich ist. Dadurch kann der Umschlagbagger später wieder mit einem klassischen Stiel ausgerüstet und als normale Umschlagmaschine genutzt werden. Auch ein späterer Weiterverkauf auf dem Zweitmarkt bleibt einfacher möglich. Gerade in der 30- bis 40-Tonnen-Klasse sieht Caterpillar eine Marktlücke. Viele Betreiber suchen Maschinen, die nicht vollständig auf eine einzige Aufgabe spezialisiert sind, sondern flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren können. Diese Vielseitigkeit gewinnt besonders in der Entsorgungsbranche an Bedeutung. Materialströme verändern sich, gesetzliche Anforderungen werden komplexer und Investitionen müssen langfristig kalkulierbar bleiben. Maschinen, die mehrere Einsatzprofile abdecken, bieten hier wirtschaftliche Vorteile.

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Caterpillar MH3032 kombiniert Schere und Polypgreifer

Assistenzsysteme und Telematik unterstützen den Fahrer

Neben der mechanischen Flexibilität spielt die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Rolle. Der MH3032 verfügt über ein umfangreiches Telematiksystem, das Betriebsdaten und Maschineninformationen direkt an den Betreiber übermittelt. Hinzu kommen verschiedene Assistenzsysteme, die bereits aus anderen Baumaschinen von Caterpillar bekannt sind. Dazu gehören unter anderem Höhenbegrenzungen oder Sicherheitsabschaltungen für den Arbeitsbereich des Stiels. Bei der gezeigten Konfiguration sind einzelne Funktionen durch den speziellen Umbau zwar eingeschränkt, grundsätzlich bleibt die technische Plattform jedoch dafür ausgelegt.

Assistenzsysteme und Telematik unterstuetzen den Baggerfahrer
Ferngesteuerte Maschinen sollen gefaehrliche Einsaetze entschaerfen

Auch im klassischen Tiefbau kommen solche Systeme immer stärker zum Einsatz. Dort lassen sich etwa Aushubtiefen oder Böschungswinkel digital vorgeben, sodass die Maschine bestimmte Arbeitsbereiche halbautomatisch einhält. Der Fahrer steuert weiterhin den Bagger, erhält jedoch permanente Unterstützung durch Sensorik und Software. Die Entwicklung zeigt, dass moderne Umschlagmaschinen längst nicht mehr nur hydraulische Arbeitsgeräte sind. Sie werden zunehmend zu vernetzten Systemen, die Daten erfassen, Prozesse absichern und Arbeitsabläufe unterstützen.

Ferngesteuerte Maschinen sollen gefährliche Einsätze entschärfen

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf ferngesteuerten Anwendungen. Zeppelin zeigt auf der Messe auch Fahrerstände, mit denen Maschinen über 5G-Netze aus sicherer Entfernung bedient werden können. Gerade in der Abfall- und Recyclingbranche entstehen häufig Arbeitsumgebungen mit erhöhtem Risiko. Sonderabfälle, Staubbelastung oder potenziell gefährliche Stoffe erschweren den direkten Einsatz vor Ort. Durch Remote-Steuerung könnte sich der Fahrer künftig außerhalb des Gefahrenbereichs befinden und Maschinen dennoch präzise bedienen.

Zeppelin CAT auf der Ifat Munich

Technisch reicht das bereits heute über einzelne Demonstrationen hinaus. Laut Zeppelin lassen sich Maschinen sogar über große Distanzen fernsteuern – etwa zwischen verschiedenen Ländern oder Standorten. Neben der Arbeitssicherheit spielt dabei auch der Fachkräftemangel eine Rolle. Viele Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten und erfahrene Fahrer effizienter einzusetzen. Perspektivisch könnte ein Bediener mehrere Maschinen nacheinander steuern, statt dauerhaft nur in einer einzelnen Maschine zu sitzen.

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Umschlagtechnik zwischen Umweltauflagen und Automatisierung

Umschlagtechnik zwischen Umweltauflagen und Automatisierung

Die Entwicklung des MH3032 zeigt exemplarisch, wie sich die Recyclingbranche verändert. Umweltauflagen wie die TA Luft beeinflussen inzwischen direkt die Maschinentechnik und die Prozessgestaltung in Schrottbetrieben. Gleichzeitig wächst der Druck zur Automatisierung und Digitalisierung. Caterpillar und Zeppelin verbinden diese Anforderungen in einem Maschinenkonzept, das klassische Umschlagtechnik mit flexiblen Werkzeugwechseln, Assistenzsystemen und Remote-Funktionen kombiniert. Dabei bleibt die Maschine bewusst nah an einer seriennahen Plattform, um Wartung, Service und Wiederverkauf wirtschaftlich kalkulierbar zu halten. Gerade in der Entsorgungsbranche dürfte dieser Ansatz an Bedeutung gewinnen. Betreiber suchen zunehmend nach Lösungen, die nicht nur einzelne Spezialaufgaben erfüllen, sondern verschiedene Prozessschritte innerhalb einer Anlage flexibel abdecken können.