Die Trennung von Nichteisenmetallen gehört zu den entscheidenden Prozessschritten in modernen Recyclinganlagen. Je feiner die Materialfraktionen werden, desto anspruchsvoller gestaltet sich die Separation.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Reinheit, Ausbringungsrate und Wirtschaftlichkeit. Auf der Ifat Munich präsentiert Imro deshalb eine neue Lösung für die NE-Abscheidung, die insbesondere bei feinkörnigen Materialien neue Möglichkeiten eröffnen soll. Im Mittelpunkt steht ein System, das ohne klassisches Förderband arbeitet und das Material direkt über eine Poltrommel führt. Dadurch rückt die Separationseinheit näher an das Produkt heran. Nach Angaben des Herstellers lassen sich auf diese Weise sowohl höhere Ausbringungsraten als auch bessere Reinheiten erzielen. Für Betreiber von Recyclinganlagen bedeutet dies potenziell höhere Wertstofferlöse bei gleichzeitig effizienteren Prozessen.
Die vorgestellte Maschine unterscheidet sich deutlich von klassischen Wirbelstromabscheidern. Während viele Systeme das Material zunächst über ein Förderband transportieren, setzt die neue Konstruktion auf eine direkte Aufgabe über die Poltrommel. Der technische Vorteil liegt in der kürzeren Distanz zwischen Materialstrom und Magnetsystem. Dadurch kann die Wirkung auf die zu separierenden Metallpartikel gezielter erfolgen. Insbesondere bei feinen Materialfraktionen spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle, da hier bereits geringe Veränderungen der Materialführung die Qualität der Separation beeinflussen können. Nach Angaben von Imro wurde die Maschine vollständig eigenständig entwickelt – von der ersten Idee bis zum serienreifen Produkt. Der Hersteller sieht sich damit in einer besonderen Position innerhalb des Marktes für FE- und NE-Abscheidung.
Ein zentrales Einsatzgebiet ist die Kunststoffaufbereitung. Am Messestand wird die Trennung von PET-Flakes demonstriert, die mit Aluminiumflakes verunreinigt sind. Gerade in Recyclingprozessen müssen solche Fremdstoffe möglichst vollständig entfernt werden, um hochwertige Rezyklate zu erzeugen. Das Material wird zunächst über ein unterströmendes Stauwehr dosiert. Anschließend übernimmt ein Magnetschwinger die kontrollierte Aufgabe zur Poltrommel. Dort erfolgt die eigentliche Separation: Die Aluminiumbestandteile werden durch das Magnetfeld beeinflusst und aus dem Materialstrom ausgeschleust, während die PET-Flakes ihren ursprünglichen Weg fortsetzen. Der gesamte Prozess ist darauf ausgelegt, eine gleichmäßige Materialzufuhr sicherzustellen. Diese präzise Dosierung trägt wesentlich zur Qualität des Trennvorgangs bei.
Die Anwendung beschränkt sich nicht auf Kunststoffrecycling. Nach Einschätzung des Herstellers eignet sich die Maschine grundsätzlich für zahlreiche feinkörnige Materialien. Zu den möglichen Einsatzfeldern gehören:
Bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte des Systems. Nach Aussage des Unternehmens entstand die Grundidee zunächst eher informell, entwickelte sich jedoch schnell zu einem konkreten Entwicklungsprojekt. Aus ersten Überlegungen wurde ein Prototyp, aus dem schließlich eine serienreife Maschine hervorging. Das Ziel bestand dabei nicht allein in einer verbesserten Separation. Vielmehr sollte gleichzeitig der Materialdurchsatz erhöht werden. In Recyclingbetrieben entscheidet häufig die Kombination aus Reinheit und Output über die Wirtschaftlichkeit einer Anlage. Eine höhere Rückgewinnung wertvoller Metalle bei gleichzeitig größerem Durchsatz kann die Rentabilität deutlich verbessern. Die neue Materialführung über die Poltrommel bildet dabei den Kern des Konzepts. Durch die unmittelbare Nähe zum Magnetfeld wird das Potenzial der Trenntechnik konsequenter genutzt als bei herkömmlichen Anlagenkonfigurationen.
Bei permanentmagnetischen Trennsystemen gelten die physikalischen Grenzen weitgehend als ausgereizt. Größere Leistungssprünge lassen sich deshalb häufig nicht mehr allein über stärkere Magnetfelder erzielen. Künftige Verbesserungen entstehen zunehmend durch intelligentere Prozessführung und Automatisierung. Auch Imro sieht hier weiteres Potenzial. Ziel ist es, Einstellungen und Parameter künftig stärker zu automatisieren. Dadurch sollen Bedienfehler reduziert und die Anlagenführung vereinfacht werden. Gleichzeitig kann eine automatisierte Regelung helfen, Schwankungen im Materialstrom auszugleichen und die Trennqualität konstant hoch zu halten. Die zur Ifat auf der Messe München vorgestellte Lösung zeigt, dass selbst in einem technisch etablierten Bereich wie der NE-Abscheidung noch Entwicklungsspielraum vorhanden ist. Besonders bei feinen Materialfraktionen gewinnen innovative Konzepte an Bedeutung, weil sie höhere Reinheiten, größere Ausbringungsraten und eine wirtschaftlichere Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe ermöglichen. Angesichts steigender Anforderungen an Recyclingquoten und Ressourceneffizienz dürften genau solche Entwicklungen in den kommenden Jahren zunehmend gefragt sein.