Umschlagmaschinen mit Assistenzsystemen und Elektroantrieb

von Jürgen Groh - 2026-05-18

Die Anforderungen an moderne Umschlagmaschinen verändern sich deutlich. In Recyclingbetrieben, Schrottplätzen oder Hafenanwendungen geht es längst nicht mehr nur um reine Hydraulikleistung.

Fahrerkomfort, Sichtverhältnisse, digitale Assistenzsysteme und alternative Antriebe gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig steigt der Druck, Maschinen effizienter, sicherer und perspektivisch auch teilautomatisiert betreiben zu können. Auf der Ifat in München zeigt Liebherr deshalb die neue Generation 8 seiner Umschlagmaschinen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Modelle LH18 und LH22. Neben einer vollständig neu entwickelten Kabine präsentiert der Hersteller ein erweitertes Bedienkonzept mit digitalen Funktionen, elektrischer Vorsteuerung und Vorbereitung für künftige Automatisierungsschritte.

Liebherr Umschlagmaschine LH 18 Industry
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Liebherr entwickelt neue Kabine für die Generation 8

Die auffälligste Veränderung betrifft die Fahrerkabine. Große Glasflächen und ein neu integrierter Glasboden sollen die Sicht auf den Arbeitsbereich deutlich verbessern. Gerade bei Umschlagmaschinen spielt das eine zentrale Rolle, weil Fahrer häufig mit wechselnden Höhen, Materialhaufen und engen Arbeitsbereichen konfrontiert sind. Der Glasboden ermöglicht den direkten Blick nach unten – unabhängig davon, in welcher Höhe sich die Kabine befindet. Ergänzt wird das Konzept durch vergrößerte Scheibenflächen rund um den Fahrerplatz. Ziel ist eine möglichst vollständige Rundumsicht ohne zusätzliche Bewegungen oder Sichtwechsel. Auch ergonomisch wurde die Kabine umfassend überarbeitet. Die neuen Joysticks wurden vollständig neu konstruiert und dienen nicht mehr nur zur klassischen Maschinensteuerung. Zahlreiche Funktionen lassen sich individuell direkt auf die Bedienelemente legen. Dadurch kann der Fahrer nahezu sämtliche Steuerungsfunktionen bedienen, ohne die Hände vom Joystick nehmen zu müssen. Das reduziert Bedienwege und soll gleichzeitig produktiveres Arbeiten ermöglichen.

LiReCon zeigt Fernsteuerung fuer Umschlagmaschinen
Liebherr LH 18 Industry Heck

INTUSI Bedienkonzept bereitet Automatisierung vor

Ein zentraler Bestandteil der neuen Maschinenplattform ist das Bedienkonzept INTUSI. Dahinter steckt ein digitales Steuerungssystem, das verschiedene Assistenz- und Individualisierungsfunktionen zusammenführt. Fahrer können Funktionen frei konfigurieren und auf die Joysticks legen. Änderungen werden anschließend über eine digitale Bedienoberfläche bestätigt. Damit entsteht erstmals eine stärker softwarebasierte Maschinensteuerung innerhalb der Umschlagtechnik. Die wichtigsten Funktionen der neuen Plattform:

  • frei konfigurierbare Joystick-Belegung
  • digitale Bedienoberfläche mit Individualisierung
  • Arbeitsraumbegrenzung und Assistenzfunktionen
  • Vorbereitung für teilautomatisierte Arbeitsabläufe

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INTUSI digitale Bedienoberflaeche bereitet Automatisierung vor

Liebherr sieht darin den Einstieg in eine stärker automatisierte Maschinensteuerung. Perspektivisch sollen teilautomatisierte Ladespiele oder intelligente Assistenzsysteme folgen. Bereits heute integriert die Plattform Funktionen wie Arbeitsraumbegrenzungen oder digitale Wiegesysteme. Gerade in Umschlagbetrieben, in denen Maschinen oft über viele Stunden unter hoher Belastung arbeiten, gewinnen solche Systeme an Bedeutung. Sie unterstützen nicht nur die Produktivität, sondern reduzieren auch Fehlbedienungen und erhöhen die Betriebssicherheit.

INTUSI Bedienkonzept konfigurierbare Joystick Belegung
Neu integrierter Glasboden Liebherr Fahrerkabine

LiReCon zeigt Fernsteuerung für Umschlagmaschinen

Ein weiterer Entwicklungsschritt betrifft die Fernsteuerung von Maschinen. Liebherr hatte bereits auf der bauma mit LiReCon einen externen Fahrerstand vorgestellt, von dem aus sich Maschinen remote bedienen lassen. Die neue Generation 8 schafft dafür die technischen Voraussetzungen. Durch die elektrische Vorsteuerung und die digitale Systemarchitektur können Maschinen perspektivisch auch außerhalb der eigentlichen Kabine gesteuert werden. Gerade im Recyclingbereich oder bei gefährlichen Materialströmen entstehen dafür zunehmend Einsatzmöglichkeiten. Fahrer könnten sich künftig außerhalb von Staub-, Hitze- oder Gefahrenbereichen aufhalten und die Maschine dennoch präzise bedienen. Noch handelt es sich dabei vor allem um vorbereitende Technologien. Dennoch zeigt die Entwicklung, wie stark sich Umschlagmaschinen von rein mechanischen Arbeitsgeräten hin zu digitalisierten Arbeitsplattformen verändern.

LH22 kombiniert Elektroantrieb und Akkutechnik

Neben Digitalisierung und Ergonomie spielt auch der Antrieb eine zentrale Rolle. Die neue Maschinenplattform wurde sowohl für Diesel- als auch für alternative Antriebssysteme entwickelt. Beim LH22 zeigt Liebherr eine kabelgebundene Elektromaschine mit integriertem Wickelsystem. Dadurch kann sich die Maschine innerhalb eines bestimmten Radius flexibel bewegen, ohne dauerhaft stationär gebunden zu sein.

Liebherr LH22 kombiniert Elektroantrieb und Akkutechnik
Liebherr Umschlagmaschine LH 22 C Industry Litronic

Zusätzlich lässt sich die Maschine mit Akkupacks erweitern. Diese ermöglichen laut Hersteller einen zeitweisen Betrieb ohne externe Stromversorgung. Aktuell liegt der Fokus auf Lösungen, die bis zu zwei Stunden autark arbeiten können. Parallel arbeitet Liebherr an größeren Akkukonzepten, die einen Betrieb über eine komplette Arbeitsschicht ermöglichen sollen. Dabei spielt jedoch die Batteriekapazität eine entscheidende Rolle. Größere Energiespeicher erhöhen Reichweite und Einsatzdauer, treiben aber gleichzeitig Gewicht und Kosten der Maschine deutlich nach oben.

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Liebherr Umschlagmaschinen mit Assistenzsystemen und Elektroantrieb

Umschlagtechnik bewegt sich Richtung Digitalisierung

Die neue Generation der Umschlagmaschinen zeigt, wie umfassend sich die Branche verändert. Ergonomie, Digitalisierung und alternative Antriebe greifen zunehmend ineinander. Während früher vor allem Reichweite, Traglast und Hydraulikleistung im Vordergrund standen, entstehen heute komplexe Bedien- und Assistenzsysteme als zusätzlicher Bestandteil moderner Maschinen.

Liebherr Umschlagmaschinen auf der Ifat Munich

Liebherr verbindet dabei mehrere Entwicklungen innerhalb einer Plattform: neue Kabinenkonzepte, digitale Steuerungssysteme, teilautomatisierte Funktionen sowie elektrische und hybride Antriebslösungen. Gerade im Recycling- und Umschlagbereich dürfte dieser Wandel an Dynamik gewinnen. Denn steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Sicherheit und Produktivität verändern nicht nur die Maschinen selbst, sondern auch die Arbeitsweise der Fahrer.