KI-Röntgensortierung erkennt Störstoffe im gelben Abfall

von Andreas Bergmeier - 2026-05-19

Die Sortierung von Verpackungsabfällen zählt zu den größten Herausforderungen moderner Recyclinganlagen. Mit steigenden Mengen an Elektrogeräten, Lithium-Akkus und Verbundmaterialien geraten klassische Sortierverfahren zunehmend an ihre Grenzen.

Besonders problematisch sind Fremdstoffe im gelben Abfall, die dort eigentlich nicht hingehören, aber dennoch regelmäßig in den Anlagen landen. Auf der Ifat in München zeigt Lobbe deshalb gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut ein neues KI-Röntgensortiersystem namens DangerSort. Die Technologie soll problematische Gegenstände automatisch erkennen und aus dem Materialstrom entfernen – darunter Akkus, E-Zigaretten, Mobiltelefone oder andere Störstoffe, die erhebliche Risiken für Recyclinganlagen darstellen können.

Lobbe zeigt KI System DangerSort auf der Ifat Munich
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Lobbe verbindet KI mit Röntgentechnik und Mechanik

DangerSort kombiniert mehrere technische Ebenen innerhalb eines Systems. Im Zentrum steht eine KI-gestützte Röntgenanalyse, die Materialien ähnlich wie Sicherheitskontrollen an Flughäfen durchleuchtet. Die Software erkennt dabei Fremdstoffe im laufenden Materialstrom und steuert anschließend die mechanische Ausschleusung. Zum Einsatz kommen neben der eigentlichen KI auch Fördertechnik, Schüttelsysteme und Absaugtechnik. Erst die Kombination dieser Komponenten ermöglicht eine automatische Trennung problematischer Stoffe während des laufenden Anlagenbetriebs. Besonders bemerkenswert ist die hohe Erkennungsrate. Nach Angaben des Unternehmens findet das System regelmäßig Gegenstände, die eigentlich nicht im gelben Abfall landen dürften. Dazu zählen vor allem Akkus, E-Zigaretten und Mobiltelefone. Gerade Lithium-Batterien gelten in Sortieranlagen als erhebliches Risiko. Beschädigte Akkus können Brände oder Explosionen verursachen und gehören mittlerweile zu den größten Gefahren im Recyclingbetrieb.

DangerSort erkennt Akkus und Elektrogeräte im Materialstrom

Die KI analysiert den Materialstrom kontinuierlich in Echtzeit. Erkennt das System einen problematischen Gegenstand, wird dieser automatisch ausgeschleust. Laut Lobbe wäre eine vergleichbare Genauigkeit durch manuelle Sortierung praktisch nicht erreichbar. Das liegt vor allem an der Geschwindigkeit und Komplexität moderner Sortieranlagen. Große Mengen unterschiedlichster Materialien bewegen sich gleichzeitig durch die Linien. Menschliche Sortierung stößt dort schnell an physische und organisatorische Grenzen. Die wichtigsten Funktionen von DangerSort:

  • KI-gestützte Röntgenanalyse im laufenden Betrieb
  • automatische Erkennung von Fremdstoffen
  • Ausschleusung problematischer Materialien
  • Kombination aus KI, Fördertechnik und Absaugtechnik
Besonders auffällig ist dabei, welche Gegenstände regelmäßig erkannt werden. Neben Akkus und E-Zigaretten finden sich laut Betreiber auch Haushaltsgeräte wie Föhne im Verpackungsabfall. Das zeigt, wie groß die Fehlwürfe im Alltag tatsächlich sind.

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DangerSort KI System für Sortieranlagen

Fraunhofer Institut entwickelt KI-System mit Lobbe

Die Entwicklung erfolgte gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut. Ziel war es, ein System zu schaffen, das Fremdstoffe nicht nur erkennt, sondern perspektivisch auch vollständig automatisierte Prozesse ermöglicht. Derzeit befindet sich DangerSort noch im Testbetrieb. Noch im laufenden Jahr soll die Technik jedoch in Europas modernster Wertstoffsortieranlage zum Einsatz kommen. Dort wird das System unter realen Bedingungen in die operative Abfallsortierung integriert. Lobbe sieht darin einen wichtigen Schritt für die weitere Automatisierung der Kreislaufwirtschaft. Die KI dient dabei nicht als isolierte Softwarelösung, sondern als Bestandteil einer mechanisch und digital vernetzten Gesamtanlage. Gerade im Recyclingbereich wird diese Verbindung zunehmend relevant. Moderne Wertstoffsortierung erzeugt enorme Datenmengen, während gleichzeitig steigende Sicherheitsanforderungen erfüllt werden müssen. KI-Systeme sollen helfen, Prozesse stabiler, schneller und präziser zu machen.

KI soll Recyclinganlagen sicherer und effizienter machen

Die Bedeutung solcher Systeme wächst nicht nur wegen der steigenden Abfallmengen. Auch die Materialzusammensetzung verändert sich spürbar. Immer mehr Produkte enthalten Akkus, Elektronik oder komplexe Verbundstoffe, die klassische Sortiertechnik vor neue Herausforderungen stellen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Reinheit recycelter Materialien. Fehlwürfe im gelben Abfall verschlechtern die Qualität der Wertstoffe und erhöhen den Aufwand in der Aufbereitung erheblich. Lobbe setzt deshalb auf eine Kombination aus KI und Automatisierung, die problematische Stoffe möglichst früh im Prozess erkennt. Perspektivisch könnten solche Systeme noch stärker mit automatisierten Sortier- und Förderanlagen verbunden werden. Die Entwicklung zeigt außerdem, wie sich Recyclingunternehmen verändern. Neben klassischem Umweltservice, Industrieservice, Abfallmanagement oder Havariemanagement gewinnen datenbasierte Technologien zunehmend an Bedeutung.

Kreislaufwirtschaft wird stärker digitalisiert

Die neue Sortiertechnik verdeutlicht, wie weit sich Recyclingprozesse inzwischen von rein mechanischen Abläufen entfernt haben. Moderne Anlagen arbeiten zunehmend datengetrieben und verbinden Sensorik, Bildverarbeitung, KI und automatisierte Materialführung. Lobbe verfolgt dabei einen Ansatz, der technische Innovation mit praktischer Anwendung im Anlagenbetrieb verbindet. Entscheidend ist weniger die reine KI-Technologie als ihre Integration in reale Materialströme und industrielle Prozesse. Langfristig könnte sich daraus ein international einsetzbares System entwickeln. Noch konzentriert sich das Unternehmen auf den deutschen Markt, denkt perspektivisch jedoch bereits über weitere Anwendungen nach. Gleichzeitig bleibt ein grundlegendes Problem bestehen: Die beste Sortiertechnik ersetzt keine saubere Mülltrennung. Auch hochentwickelte KI-Systeme können Fehlwürfe nur begrenzt korrigieren. Genau deshalb sieht Lobbe die eigentliche Aufgabe weiterhin darin, Abfälle möglichst korrekt zu trennen – bevor sie überhaupt in der Sortieranlage ankommen.