Nachhaltigkeitssoftware für ESG, CSRD und Produktdaten

von Andreas Bergmeier - 2026-05-24

Nachhaltigkeitsberichte galten lange als Spezialthema großer Konzerne. Inzwischen stehen jedoch auch viele mittelständische Unternehmen vor der Frage, wie sie Emissionsdaten, Lieferketteninformationen und regulatorische Anforderungen überhaupt noch effizient verwalten sollen.

Mit der Ausweitung europäischer Berichtspflichten hat sich der Aufwand in kurzer Zeit massiv erhöht. Gleichzeitig verändern neue Regelwerke wie die Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR, die Anforderungen an Produktdaten und Compliance zusätzlich. Auf der Ifat in München zeigt Code Gaia deshalb eine Softwareplattform, die Nachhaltigkeitsmanagement, ESG-Berichterstattung und Produkt-Compliance in einem modularen System zusammenführen soll. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf mittelständischen Unternehmen, die komplexe Nachhaltigkeitsanforderungen bislang häufig noch mit Excel-Tabellen und manuellen Prozessen bearbeiten.

ganzheitliche Lösung für Nachhaltigkeitsmanagement
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Code Gaia erweitert ESG-Plattform um Product Compliance

Ursprünglich entstand das Unternehmen aus dem Bereich Klima- und ESG-Bilanzierung. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Nachhaltigkeitsberichte in vielen Unternehmen mit enormem manuellem Aufwand verbunden waren. Tabellen, Datenimporte und verstreute Informationsquellen führten häufig zu hohen Kosten und schlechter Datenqualität. Code Gaia konzentrierte sich zunächst vor allem auf den Corporate Carbon Footprint, also die unternehmensweite Klimabilanzierung. Gerade mittelständische Betriebe standen dabei oft vor einem Problem: Professionelle Datenbanken galten als teuer, kostenlose Quellen wiederum lieferten häufig keine ausreichend belastbaren Daten. Inzwischen wurde das Portfolio deutlich erweitert. Neben klassischen ESG- und Klimathemen integriert die Plattform zunehmend Product-Compliance-Anforderungen. Dazu gehören etwa Product Carbon Footprints oder neue regulatorische Vorgaben wie die PPWR. Die wichtigsten Schwerpunkte der Plattform:

  • ESG- und Klimabilanzierung für Unternehmen
  • CSRD- und VSME-Berichterstattung
  • Product Carbon Footprint und Product Compliance
  • Transformations- und Maßnahmenmanagement
Gerade die Verbindung dieser Bereiche wird für Unternehmen zunehmend relevant. Nachhaltigkeit endet längst nicht mehr bei allgemeinen Klimazielen, sondern reicht bis in Verpackungen, Produktdaten und Lieferketten hinein.

Code Gaia erweitert ESG Plattform um Product Compliance
Nachhaltigkeitssoftware für ESG CSRD und Produktdaten

CSRD verändert den Druck auf mittelständische Unternehmen

Eine zentrale Rolle spielte zuletzt die europäische CSRD-Regulierung. Viele Unternehmen mussten innerhalb kurzer Zeit Strukturen schaffen, um Nachhaltigkeitsdaten überhaupt erfassen und dokumentieren zu können. Nach den jüngsten Änderungen durch das sogenannte Omnibus-Verfahren hat sich die Situation allerdings teilweise verschoben. Kleinere Unternehmen fallen nun in vielen Fällen nicht mehr unter die direkte Berichtspflicht. Der regulatorische Druck hat dadurch vorübergehend nachgelassen. Nach Angaben von Code Gaia bedeutet das jedoch keineswegs, dass Nachhaltigkeit für den Mittelstand an Bedeutung verliert. Viele Unternehmen setzen ihre Projekte freiwillig fort – etwa auf Basis des europäischen VSME-Standards für kleinere und mittlere Unternehmen oder im Rahmen eigener Klimastrategien. Hinzu kommt, dass größere Kunden und Auftraggeber Nachhaltigkeitsdaten zunehmend entlang der gesamten Lieferkette einfordern. Auch Unternehmen ohne direkte Berichtspflicht müssen deshalb häufig Daten bereitstellen oder Emissionswerte dokumentieren.

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Code Gaia ESG Software für Produktdaten und Compliance

Transformationsmodul verbindet Daten mit Maßnahmen

Interessant ist vor allem der Ansatz, Nachhaltigkeitsdaten nicht nur zu sammeln, sondern daraus konkrete Steuerungsmaßnahmen abzuleiten. Genau dafür wurde die Plattform um ein sogenanntes Transformationsmodul erweitert. Damit verschiebt sich der Fokus weg von reiner Dokumentation hin zur operativen Umsetzung. Unternehmen sollen Ziele definieren, Maßnahmen hinterlegen und Fortschritte nachvollziehen können. Code Gaia verfolgt dabei einen betriebswirtschaftlich orientierten Ansatz. Nachhaltigkeit wird ausdrücklich nicht nur als Kommunikations- oder Imageprojekt verstanden, sondern als wirtschaftlicher Prozess mit messbaren Auswirkungen. Gerade im Mittelstand spielt dieser Punkt eine wichtige Rolle. Viele Unternehmen stehen unter erheblichem Kostendruck und investieren nur dann dauerhaft in Nachhaltigkeitssysteme, wenn sich daraus konkrete Vorteile ergeben – etwa effizientere Prozesse, bessere Datenqualität oder geringerer manueller Aufwand.

Modulare Software soll Aufwand reduzieren

Nach Angaben des Unternehmens beginnt jedes Projekt zunächst mit einer Bedarfsanalyse. Dabei wird geprüft, welche regulatorischen Anforderungen relevant sind, welche Daten bereits vorhanden sind und welche Schnittstellen integriert werden können. Ziel ist eine möglichst weitgehende Automatisierung bestehender Prozesse. Daten sollen nicht mehrfach manuell erfasst werden müssen, sondern direkt aus bestehenden Systemen übernommen werden können. Gerade hier zeigt sich ein typisches Problem vieler Nachhaltigkeitsprojekte: Die eigentliche Herausforderung liegt oft weniger in den Berichtspflichten selbst als in der Datenbeschaffung und Datenkonsolidierung. Deshalb setzt Code Gaia auf einen modularen Aufbau. Unternehmen sollen nur die Funktionen nutzen, die tatsächlich benötigt werden – vom Carbon Footprint bis zur Produkt-Compliance.

Nachhaltigkeitsmanagement wird stärker datengetrieben

Die Entwicklung zeigt, wie stark sich Nachhaltigkeitsmanagement verändert hat. Während ESG-Berichte früher häufig isolierte Dokumente waren, entstehen heute zunehmend datenbasierte Steuerungssysteme. Gleichzeitig verschiebt sich der Schwerpunkt von freiwilligen Maßnahmen hin zu regulatorischen und operativen Anforderungen. Verpackungsverordnungen, Klimabilanzen oder Lieferkettendaten greifen immer stärker ineinander. Code Gaia positioniert sich dabei an der Schnittstelle zwischen Nachhaltigkeit, Compliance und Prozessautomatisierung. Auffällig ist vor allem die Ausrichtung auf mittelständische Unternehmen, die bislang oft zwischen komplexen regulatorischen Anforderungen und begrenzten personellen Ressourcen standen. Die Diskussion um Nachhaltigkeit wird dadurch deutlich technischer und wirtschaftlicher. Statt allgemeiner Umweltziele stehen zunehmend Datenqualität, Automatisierung und konkrete Umsetzungsprozesse im Mittelpunkt.