Stürze zählen zu den größten Risiken im Alltag älterer und neurologisch eingeschränkter Menschen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an Konzepten, die Bewegung, Sicherheit und soziale Teilhabe sinnvoll verbinden. Der sogenannte G-WEG setzt genau hier an und versteht Sturzprophylaxe als aktivierende Gruppenarbeit statt als isolierte Einzelmaßnahme.
Der G-WEG beschäftigt sich seit seiner Gründung mit gezieltem Sturzprophylaxe-Training für unterschiedliche Zielgruppen. Dazu zählen Menschen mit Demenz, hochbetagte Senioren sowie Personen nach einem Schlaganfall oder mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder Multipler Sklerose. Allen gemeinsam ist ein erhöhtes Sturzrisiko, das häufig aus veränderten Bewegungsmustern, Unsicherheit und fehlender Aktivierung entsteht. Seit der Gründung hat sich das Konzept in mehreren europäischen Ländern etabliert. Es wird in stationären Pflegeeinrichtungen ebenso eingesetzt wie in Tagespflegen, Therapieeinrichtungen oder Vereinen. Der Ansatz richtet sich damit nicht ausschließlich an den Pflegebereich, sondern an alle, die Mobilität und Bewegung im Alter fördern wollen.
Im Kern besteht der G-WEG aus einer strukturierten Trainingsfläche mit klaren Rasterfeldern. Diese visuelle und räumliche Gliederung dient dazu, das Gangbild bewusst zu schulen. Viele ältere Menschen neigen dazu, die Füße nicht mehr richtig anzuheben oder nur sehr kurze Schritte zu machen. Häufig entsteht der Eindruck, mehr Bodenkontakt bedeute mehr Sicherheit. Tatsächlich erhöht dieses Verhalten jedoch das Sturzrisiko erheblich. Die Rasterfelder helfen dabei, Schrittweite, Standbeinphase und Gewichtsverlagerung gezielt zu trainieren. Besonders bei Schlaganfallpatienten oder hochbetagten Menschen lassen sich typische Gangmuster beobachten, die durch wiederholtes Üben auf dem G-WEG schrittweise korrigiert werden können.
Ein zentrales Merkmal des Konzepts ist die Aufteilung in mehrere Spuren mit unterschiedlicher Breite. Dadurch können Menschen mit sehr unterschiedlichen motorischen Fähigkeiten gleichzeitig trainieren. Während eine Person mit Rollator breiter und sicher geführt wird, kann eine andere mit besserer Motorik schmalere Spuren nutzen. Dieses Prinzip ermöglicht individualisierte Gruppentherapie. Schwächere und stärkere Teilnehmer trainieren gemeinsam, ohne sich gegenseitig zu behindern. Das ist besonders relevant vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, da therapeutische Ressourcen effizienter genutzt werden können.
Der G-WEG versteht Bewegung nicht als rein körperliche Übung. Vielmehr geht es um soziale Teilhabe, Kommunikation und gemeinsames Erleben. In vielen Einrichtungen finden Gruppenangebote überwiegend im Sitzen statt. Gleichzeitig wird beklagt, dass Bewohner immer unbeweglicher werden. Der G-WEG setzt dem ein aktives, stehendes und gehendes Trainingsformat entgegen. Durch das gemeinsame Training entstehen Gespräche, gegenseitige Unterstützung und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Bewegung wird damit wieder zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags und nicht zu einer isolierten Therapiemaßnahme.
Die Trainingsfläche bildet lediglich die Grundlage. Das eigentliche Herzstück ist die Methodik dahinter. Es existiert eine große Anzahl aufeinander aufbauender Übungen, die von sehr leicht bis anspruchsvoll reichen. Diese können im Einzelsetting ebenso eingesetzt werden wie in Gruppen. Jede Übung hat einen klaren therapeutischen Hintergrund. Ein Beispiel ist eine Übung, bei der Teilnehmende eine Aufgabe übernehmen, etwa jemanden symbolisch vor Regen zu schützen. Dadurch wird der Blick nach vorne gelenkt, das Gleichgewicht stabilisiert und die Schrittführung verbessert. Gleichzeitig entsteht ein spielerischer Rahmen, der Hemmungen abbaut und Motivation schafft.
Der G-WEG wird in unterschiedlichen Kontexten genutzt: in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Therapieeinrichtungen, der Behindertenhilfe sowie in quartiersbezogenen Projekten. Auch ehrenamtliche Gruppen setzen das Konzept ein, um Senioren regelmäßig zu aktivieren. Damit zeigt sich der G-WEG als niedrigschwelliges, zugleich fachlich fundiertes Instrument, das Bewegung neu denkt. Nicht als Pflichtprogramm, sondern als gemeinsames Erlebnis, das Mobilität, Sicherheit und Lebensqualität miteinander verbindet.