Die körperliche Belastung im Pflegeberuf gehört zu den zentralen Ursachen für krankheitsbedingte Ausfälle. Hebe-, Transfer- und Vorbeugetätigkeiten wirken dauerhaft auf den Rücken und insbesondere auf den sensiblen Bereich der Lendenwirbelsäule.
Rückenprobleme sind für viele Pflegekräfte keine Ausnahme, sondern Teil des Berufsalltags. Technische Präventionslösungen wie ein Exoskelett können hier ansetzen und den Arbeitsalltag spürbar entlasten.
Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Gründen für kurz- und mittelfristige Arbeitsausfälle im Pflegebereich. Direkt nach psychischen Belastungen stehen Rückenerkrankungen an zweiter Stelle. Viele Pflegende berichten bereits nach wenigen Berufsjahren über Schmerzen, Bewegungseinschränkungen oder erste Ausfallzeiten. Ursache ist weniger ein einzelnes Ereignis als vielmehr die dauerhafte Wiederholung ungünstiger Bewegungen. Vor diesem Hintergrund rückt Prävention stärker in den Fokus. Ziel ist es, Belastungen nicht erst zu behandeln, wenn Schäden bereits entstanden sind, sondern sie frühzeitig zu reduzieren. Genau hier setzt ein passives Exoskelett wie BionicBack an.
BionicBack ist ein passives Exoskelett, das direkt am Rücken getragen wird und ohne Motoren oder externe Energieversorgung auskommt. Die Konstruktion kombiniert eine stabile Rückenstruktur im unteren Wirbelsäulenbereich mit einem elastischen Supportsystem. Besonders der Lendenwirbelbereich wird dabei gezielt unterstützt, da hier die meisten berufsbedingten Rückenerkrankungen auftreten. Integrierte Elastomer-Bänder spannen sich bei Vorbeuge- und Hebebewegungen und arbeiten synchron mit dem Rückenstrecker. Beim Aufrichten geben sie gespeicherte Energie zurück und unterstützen die Bewegung. Die entstehenden Kräfte werden nicht ausschließlich vom Rücken aufgenommen, sondern auf weitere Muskelgruppen verteilt – etwa Beine, Gesäß und Rumpf. Dadurch sinkt die punktuelle Belastung der Wirbelsäule deutlich.
Ein wesentliches Merkmal von BionicBack ist die Alltagstauglichkeit. Bewegungsfreiheit bleibt erhalten, das Exoskelett greift nicht in Arbeitsabläufe ein und erfordert keine Umgewöhnung. Pflegekräfte können weiterhin nah am Patienten arbeiten, ohne durch starre Mechanik eingeschränkt zu sein. Gerade bei häufigen Tätigkeiten wie Mobilisationen, Umlagerungen oder Transfers entfaltet das System seinen Nutzen. Die Unterstützung erfolgt genau dann, wenn sie biomechanisch erforderlich ist – bei Belastung – und bleibt im Hintergrund, wenn sie nicht benötigt wird.
In sensiblen Pflegeumgebungen spielt Sicherheit eine entscheidende Rolle. Bei demenziell erkrankten oder unruhigen Patienten besteht die Gefahr, dass in Kleidung oder technische Elemente gegriffen wird. Um dieses Risiko zu minimieren, ist das Exoskelett mit einem speziellen Pflegeüberzieher ausgestattet, der die Rückenpartie vollständig abdeckt. Dieser Überzug erfüllt mehrere Funktionen: Er verhindert unbeabsichtigtes Eingreifen, lässt sich leicht abnehmen und hygienisch reinigen und schafft zugleich definierte Kontaktpunkte. Bei Transfers können Patienten gezielt angewiesen werden, an vorgesehenen Griffen Halt zu finden, statt am Nacken oder an der Kleidung zu ziehen – ein häufiger Auslöser akuter Rückenbelastungen.
Der Einsatz eines Exoskeletts ist primär als Präventionsmaßnahme zu verstehen. Damit liegt die Verantwortung grundsätzlich beim Arbeitgeber. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass präventive Investitionen häufig zurückgestellt werden, während Hilfsmittel erst dann eingesetzt werden, wenn bereits Beschwerden bestehen. Dabei liegt der Nutzen klar auf der Hand: Weniger Belastung bedeutet langfristig weniger Ausfallzeiten, geringere Folgekosten und eine höhere Berufszufriedenheit. In Fällen bestehender Rückenprobleme kann die Finanzierung zusätzlich über externe Kostenträger geprüft werden, etwa über Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft oder Arbeitsagentur.
Technische Unterstützungssysteme gewinnen im Pflegebereich zunehmend an Bedeutung. Während Digitalisierung vor allem Dokumentation und Organisation betrifft, setzt ein Exoskelett direkt am Körper an. Es verändert nicht die Pflegehandlung selbst, sondern die physische Belastung, mit der sie ausgeführt wird. BionicBack wurde von Help Tech entwickelt, einem Unternehmen aus Baden-Württemberg, das sich gezielt mit ergonomischen Lösungen für die Pflege beschäftigt. Der Ansatz ist bewusst pragmatisch: robuste Mechanik, einfache Anwendung, klare Funktion.
Der praktische Mehrwert zeigt sich vor allem im täglichen Einsatz:
Ein Exoskelett ersetzt keine strukturellen Reformen, kein zusätzliches Personal und keine gute Organisation. Es kann jedoch ein wirksamer Baustein sein, um Pflegearbeit langfristig gesünder zu gestalten. Rücken, Prävention und Arbeitsalltag lassen sich dabei nicht getrennt betrachten. Der Einsatz von BionicBack zeigt, dass Prävention im Pflegeberuf zunehmend konkret wird – nicht als theoretisches Konzept, sondern als technische Unterstützung, die dort ansetzt, wo Belastung tatsächlich entsteht.