Der Pflegealltag in stationären Einrichtungen ist von knappen Ressourcen und hohem Zeitdruck geprägt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität, Dokumentation und individuelle Versorgung. Besonders sensibel ist der Umgang mit Inkontinenz, da hier Pflegebedarf, Würde der Bewohner und wirtschaftliche Aspekte eng miteinander verknüpft sind. Alea setzt als digitales Pflegeassistenzsystem genau an dieser Schnittstelle an und nutzt digitale Technik, um Abläufe zu präzisieren, Belastungen zu reduzieren und Pflege gezielter zu steuern.
Im Mittelpunkt von Alea steht ein digitales Inkontinenzmanagement, das auf kontinuierlicher Messung basiert. Ein Sensor erfasst den Feuchtigkeitsgrad im Inkontinenzprodukt und überträgt die Daten automatisch an eine Software. Pflegekräfte erhalten eine klare Information, wann ein Wechsel notwendig ist und wann nicht. Das ersetzt manuelle Sichtkontrollen, die bisher häufig nach festen Intervallen erfolgen – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf. Gerade in der Nacht ist dieser Ansatz relevant. Bewohner müssen nicht mehr routinemäßig geweckt werden, nur um einen möglichen Inkontinenzfall zu prüfen. Stattdessen zeigt das System an, wann tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Für die betroffenen Menschen bedeutet das ungestörten Schlaf, für die Pflege eine spürbare Entlastung und mehr Sicherheit in der Entscheidung.
Alea ist als Internet-of-Things-Lösung konzipiert. Hardware und Software bilden ein geschlossenes System, das Daten in Echtzeit verarbeitet. Die Informationen werden in einer App dargestellt, die auf Smartphones, Tablets oder größeren Endgeräten genutzt werden kann. Auch die Anbindung an bestehende Hausnotruf- oder Stationssysteme ist vorgesehen. Dieser modulare Aufbau erleichtert die Integration in bestehende Pflegeprozesse. Einrichtungen müssen ihre Abläufe nicht neu erfinden, sondern können digitale Unterstützung gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Nutzen bringt. Gleichzeitig entsteht eine nachvollziehbare Datengrundlage, die Pflegeentscheidungen objektiv absichert.
Über die Inkontinenzerkennung hinaus erfasst Alea auch Bewegungen im Bett. Ein integrierter Sensor liefert Informationen über Lageveränderungen, Aktivität und längere Inaktivität. Daraus ergeben sich zwei zentrale Anwendungsfelder: Sturzerkennung und Dekubitusprophylaxe. Pflegekräfte sehen, ob sich Bewohner regelmäßig bewegen oder ob längere Druckbelastungen entstehen. Lagerungsmaßnahmen können dadurch nicht mehr pauschal, sondern individuell und granular geplant werden. Das senkt das Risiko von Druckgeschwüren erheblich. Ein einzelner Dekubitusfall verursacht in Pflegeeinrichtungen schnell Kosten im fünfstelligen Bereich – ganz abgesehen von der Belastung für die betroffenen Personen.
Die Wirksamkeit des Systems wurde in einer groß angelegten Studie gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband untersucht. Über einen Zeitraum von rund anderthalb Jahren konnte gezeigt werden, dass sich durch den Einsatz von Alea etwa 25 Prozent Zeit und Material einsparen lassen. Weniger unnötige Produktwechsel, weniger Leckagen und ein gezielterer Einsatz von Inkontinenzmaterial wirken sich direkt auf den Ressourceneinsatz aus. Zusätzlich haben einzelne Pflegeheime eigene Wirtschaftlichkeitsanalysen durchgeführt. Diese zeigen, dass sich die Kosten des Systems häufig bereits nach sechs bis neun Monaten amortisieren. Grundlage sind Einsparungen bei Material, Arbeitszeit und Folgekosten, die durch präventive Maßnahmen vermieden werden.
Ein wesentlicher Mehrwert digitaler Assistenz liegt in der Priorisierung. Pflegekräfte stehen täglich vor der Frage, wo ihr Einsatz gerade am dringendsten benötigt wird. Alea liefert dafür konkrete Hinweise. Statt Routinekontrollen durchzuführen, können sie gezielt dort tätig werden, wo tatsächlicher Pflegebedarf besteht. Das verbessert nicht nur die Effizienz, sondern auch die Arbeitszufriedenheit. Entscheidungen basieren auf Daten statt auf Annahmen. Gerade in stressintensiven Phasen schafft das Handlungssicherheit und reduziert Fehlbelastungen.
Digitale Systeme entfalten ihren Nutzen nur dann nachhaltig, wenn sie finanzierbar sind. Deshalb spielt die Frage der Erstattungsfähigkeit eine zentrale Rolle. Die vorliegenden Studien und Analysen dienen als Grundlage für Gespräche mit Pflegekassen und für die Entwicklung tragfähiger Erstattungsmodelle. Gleichzeitig zeigt sich, dass Investitionen in digitale Pflegeassistenz nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Zeitersparnis, Materialreduktion und Prävention wirken zusammen. In der Summe entsteht ein System, das nicht nur Kosten senkt, sondern Pflegequalität stabilisiert.
Das 2017 in Berlin gegründete Unternehmen AssistMe hat Alea nach mehreren Entwicklungsstufen zur Marktreife gebracht. Eine erste Produktgeneration wurde bereits vor der Pandemie getestet, Verzögerungen wurden genutzt, um das System wissenschaftlich fundiert weiterzuentwickeln. Die aktuelle Version basiert auf realen Pflegeprozessen und richtet sich gezielt an stationäre Einrichtungen. Alea steht exemplarisch für eine Entwicklung, bei der digitale Pflegeassistenz nicht als Ersatz menschlicher Arbeit verstanden wird, sondern als Werkzeug zur Entlastung. Technik übernimmt Messung und Information, Pflegekräfte gewinnen Zeit für Zuwendung und fachliche Entscheidungen.
Das Pflegeassistenzsystem Alea zeigt, wie digitale Lösungen konkret im Alltag wirken können. Es verbindet Inkontinenzmanagement, Bewegungserfassung und präventive Pflege zu einem integrierten Ansatz. Entscheidend ist dabei nicht die Technik selbst, sondern ihr Nutzen im täglichen Betrieb. In einer Branche, die unter strukturellem Druck steht, kann digitale Assistenz helfen, Qualität zu sichern und Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Alea liefert dafür ein Beispiel, das auf Daten, Studien und praktischer Anwendung basiert – und damit über reine Theorie deutlich hinausgeht.