Der weltweite Bedarf an Rohstoffen bleibt hoch. Gleichzeitig befindet sich die Bergbauindustrie seit Jahren in einer Phase zurückhaltender Investitionen. Für Hersteller von Bergbaumaschinen und Ausrüstung entsteht daraus ein schwieriges Marktumfeld.
Auf der bauma erläuterte Helmut Schgeiner vom Fachverband Mining im VDMA, welche Entwicklungen die Branche derzeit prägen und welche Rolle Digitalisierung, Servicekonzepte und Datennutzung künftig spielen werden. Dabei wird deutlich: Die Herausforderungen reichen weit über den deutschen Markt hinaus. Die Situation betrifft nahezu die gesamte internationale Rohstoffwirtschaft und wirkt sich unmittelbar auf Hersteller, Zulieferer und Betreiber von Bergbauanlagen aus.
Der VDMA ist einer der wichtigsten Branchenverbände des Maschinen- und Anlagenbaus. Innerhalb der Organisation bündelt der Fachverband Mining die Interessen von Unternehmen, die Maschinen, Anlagen und technische Lösungen für den Bergbau entwickeln und produzieren. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem deutsche Hersteller und Zulieferer, deren Produkte weltweit exportiert werden. Gleichzeitig öffnet sich der Verband zunehmend für europäische Unternehmen. Die internationale Ausrichtung spielt eine wichtige Rolle, denn die Märkte der Bergbauindustrie sind global vernetzt. Für die Mitgliedsunternehmen geht es längst nicht nur um einzelne Maschinen. Gefragt sind komplette Systemlösungen, digitale Dienstleistungen und langfristige Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus von Anlagen hinweg.
Die derzeitige Marktsituation wird nach Einschätzung des Fachverbands vor allem durch die anhaltend schwachen Rohstoffpreise geprägt. Sinkende Preise führen dazu, dass viele Betreiber ihre Investitionen zurückfahren oder verschieben. Besonders große Bergbaukonzerne stehen in einem intensiven internationalen Wettbewerb. Um Marktanteile zu sichern, werden Produktionskosten optimiert und Investitionen in neue Gewinnungsstätten häufig hinausgezögert. Das wirkt sich unmittelbar auf die Nachfrage nach neuen Maschinen und Anlagen aus. Die Situation erinnert in Teilen an Entwicklungen auf den Energiemärkten. Niedrige Rohölpreise werden von Verbrauchern häufig positiv wahrgenommen. Für Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette können sie jedoch erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Ähnliche Mechanismen zeigen sich derzeit bei zahlreichen mineralischen Rohstoffen. Zu den Herausforderungen der Branche zählen aktuell:
Wenn weniger neue Maschinen verkauft werden, gewinnen bestehende Anlagen an Bedeutung. Viele Unternehmen konzentrieren sich deshalb verstärkt auf Wartung, Instandhaltung und digitale Dienstleistungen. Der Betrieb einer Maschine wird zunehmend zu einem eigenständigen Geschäftsfeld. Betreiber erwarten hohe Verfügbarkeit, planbare Wartungsintervalle und eine möglichst lückenlose Überwachung ihrer Anlagen. Für Hersteller entsteht daraus die Möglichkeit, zusätzliche Dienstleistungen anzubieten und Kunden langfristig zu begleiten. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Marktphasen helfen solche Konzepte dabei, stabile Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig bereiten sich die Unternehmen damit auf den Zeitpunkt vor, an dem die Investitionstätigkeit wieder anzieht.
Trotz der aktuellen Flaute blickt die Industrie nicht grundsätzlich pessimistisch in die Zukunft. Der weltweite Rohstoffbedarf bleibt bestehen. Infrastrukturprojekte, Industrieproduktion, Digitalisierung und Energiewende benötigen weiterhin große Mengen an Metallen und mineralischen Rohstoffen. Aus Sicht vieler Marktbeobachter steht die aktuelle Investitionszurückhaltung deshalb nicht im Verhältnis zum langfristigen Bedarf. Wann genau eine Trendwende einsetzt, lässt sich allerdings schwer prognostizieren. Die Entwicklung hängt von zahlreichen wirtschaftlichen und geopolitischen Faktoren ab. Helmut Schgeiner verweist darauf, dass sich die Situation analytisch nur begrenzt erklären lasse. Die Nachfrage nach Rohstoffen sei grundsätzlich vorhanden. Die Unsicherheit betreffe vor allem den Zeitpunkt einer nachhaltigen Erholung.
Für den VDMA besitzt die bauma eine besondere Bedeutung. Der Verband ist nicht nur Aussteller oder Beobachter, sondern wirkt als Partner der Messe München aktiv an der inhaltlichen Gestaltung mit. Ein sichtbares Beispiel dafür ist das bauma Forum. Dort werden Fachthemen diskutiert, Vorträge organisiert und Zukunftstrends der Branche vorgestellt. Der Verband versteht sich dabei als Ideengeber und inhaltlicher Impulsgeber, während die Messegesellschaft die organisatorische Umsetzung übernimmt. Diese Zusammenarbeit besteht seit vielen Jahrzehnten und hat wesentlich dazu beigetragen, die Veranstaltung als internationalen Treffpunkt der Bau-, Baustoff- und Bergbaumaschinenbranche zu etablieren.
Als wichtigsten Trend der aktuellen bauma nennt der Fachverband die zunehmende Nutzung von Daten. Industrie 4.0 entwickelt sich auch im Bergbau zu einem zentralen Thema. Dabei geht es nicht nur um einzelne digitale Anwendungen, sondern um ein umfassendes Management von Maschinenleistungen, Betriebsdaten und Prozessen. Sensoren, Assistenzsysteme und vernetzte Plattformen liefern Informationen, die zur Optimierung von Produktivität und Verfügbarkeit genutzt werden können. Die Entwicklung ähnelt jener im Automobilbereich. Mechanische Komponenten bleiben unverzichtbar, werden jedoch zunehmend durch digitale Funktionen ergänzt. Im Bergbau entstehen dadurch neue Möglichkeiten für Wartung, Steuerung und Betriebsoptimierung. Die Diskussion auf der bauma zeigt, dass sich die Branche in einer Übergangsphase befindet. Während die Investitionen in neue Anlagen derzeit vielerorts zurückhaltend ausfallen, entstehen gleichzeitig die technologischen Grundlagen für die nächste Wachstumsphase. Datennutzung, digitale Services und intelligente Assistenzsysteme dürften dabei eine Schlüsselrolle spielen.