Digitale Assistenzsysteme halten zunehmend Einzug in Bereiche, die lange als klassische Domäne von Stahl, Hydraulik und Mechanik galten. Das zeigt sich auch im Bau- und Transportwesen.
Moderne Kippauflieger transportieren längst nicht mehr nur Material von A nach B, sondern liefern dem Fahrer wichtige Informationen, unterstützen bei sicherheitsrelevanten Entscheidungen und werden zunehmend Teil vernetzter Arbeitsabläufe. Auf der bauma stellte Schmitz Cargobull neue Entwicklungen für den Bau- und Schüttguttransport vor. Im Mittelpunkt standen dabei sowohl konstruktive Verbesserungen an einer thermoisolierten Stahlrundmulde als auch digitale Assistenzsysteme, die per Smartphone bedient werden können.
Eine der wichtigsten Neuheiten betrifft die thermoisolierte Stahlrundmulde für den Asphalttransport. Der Hersteller setzt dabei auf eine segmentierte Bauweise, die mehrere praktische Vorteile mit sich bringt. Im Schadensfall können einzelne Segmente gezielt ausgetauscht werden, ohne dass größere Bereiche ersetzt werden müssen. Das vereinfacht Reparaturen und reduziert potenzielle Standzeiten. Gleichzeitig kommt ein neu entwickeltes Isoliermaterial zum Einsatz, das speziell für die hohen Belastungen im täglichen Baustelleneinsatz ausgelegt wurde. Das Material besitzt eine gummiartige Flexibilität und zeichnet sich durch hohe Verschleißfestigkeit aus. Besonders wichtig ist dies, weil zwischen Mulde und Seitenwandabdeckung während des Beladens und Entleerens erhebliche Kräfte wirken. Verwindungen und Bewegungen führen zu Reibung, die herkömmliche Isolierungen langfristig stark beanspruchen kann. Zusätzlich nimmt das neue Material nur sehr wenig Wasser auf. Dadurch bleiben die Isoliereigenschaften über lange Zeit erhalten und die Konstruktion bleibt widerstandsfähig gegenüber den anspruchsvollen Einsatzbedingungen im Transportalltag.
Neben der Haltbarkeit stand bei der Entwicklung auch die Wirtschaftlichkeit im Fokus. Durch die neue Konstruktion konnte das Eigengewicht reduziert werden, wodurch sich die Nutzlast erhöht. Nach Angaben des Herstellers gewinnen Betreiber rund 200 Kilogramm zusätzliche Nutzlast. Gerade im täglichen Transportgeschäft kann sich dieser Wert über viele Fahrten hinweg deutlich bemerkbar machen.
Die Stahlbauweise sorgt zudem für eine hohe Flexibilität bei den transportierten Materialien. Die Mulde eignet sich nicht ausschließlich für Asphaltmischgut, sondern auch für zahlreiche weitere Schüttgüter.
Noch deutlicher wird der Wandel im Bereich der digitalen Assistenzsysteme. Mit S.KI Control präsentiert Schmitz Cargobull eine Lösung, die Trailerdaten direkt auf Smartphone oder Tablet verfügbar macht. Der Ansatz ist vergleichsweise einfach: Die komplette Hardware befindet sich am Trailer. Zusätzliche Einbauten in der Zugmaschine sind nicht erforderlich. Dadurch können unterschiedliche Zugfahrzeuge verwendet werden, ohne dass Anpassungen vorgenommen werden müssen. Die App steht für gängige Betriebssysteme zur Verfügung und zeigt dem Fahrer wichtige Betriebsdaten in Echtzeit an. Dazu gehören unter anderem der aktuelle Kippwinkel der Mulde, die Neigung des Fahrzeugs, die Stellung zwischen Zugmaschine und Auflieger sowie die Gesamthöhe des Fahrzeugs. Dadurch erhält der Fahrer jederzeit einen Überblick über die aktuelle Situation – besonders bei anspruchsvollen Einsatzbedingungen auf Baustellen oder in unebenem Gelände.
Ein Schwerpunkt des Systems liegt auf der Unfallvermeidung beim Kippvorgang. Gerade beim Entladen von Schüttgut gehören Umstürze zu den schwerwiegendsten Risiken im Baustellenalltag. Das Assistenzsystem überwacht kontinuierlich verschiedene Parameter:
Die Entwicklung zeigt, dass digitale Technologien inzwischen auch bei Anhängern und Aufliegern eine immer größere Rolle spielen. Was vor wenigen Jahren noch ungewöhnlich erschien, wird zunehmend zum Standard. Der Fahrer erhält mehr Informationen direkt am Einsatzort, Unternehmen profitieren von zusätzlichen Daten und die Fahrzeuge werden sicherer sowie effizienter nutzbar. Die Digitalisierung beschränkt sich dabei nicht auf einzelne Anzeigen, sondern entwickelt sich schrittweise zu einem umfassenden Assistenzsystem. Nach Angaben des Herstellers entstehen aus den Gesprächen mit Kunden bereits neue Ideen für kommende Funktionen. Unter anderem wird an einem Wiegesystem gearbeitet, das Daten aus Luftfederung und Hydraulikzylinder nutzt, um das aktuelle Fahrzeuggewicht zu bestimmen. Die auf der bauma vorgestellten Lösungen verdeutlichen, dass die Zukunft des Trailerbaus nicht allein in robusten Konstruktionen liegt. Entscheidend wird zunehmend die Verbindung aus langlebiger Technik, intelligenter Sensorik und digitalen Assistenzfunktionen sein. Genau an dieser Schnittstelle entwickelt sich der moderne Baustellen- und Schüttguttransport derzeit besonders dynamisch.