Rohrverlegung ohne Graben für Wasser und Abwasser

von Andreas Bergmeier - 2024-02-13

Wasserleitungen, Abwasserrohre und andere Versorgungsleitungen gehören zu den unsichtbaren Grundlagen funktionierender Infrastruktur. Gerade in ländlichen Räumen, bei der Erschließung neuer Gebiete oder bei der Sanierung bestehender Netze stellt sich jedoch immer wieder dieselbe Frage: Wie lassen sich große Rohre schnell, wirtschaftlich und mit möglichst geringem Eingriff in den Boden verlegen?

Auf der bauma zeigt Foeck ein System, das genau an diesem Punkt ansetzt. Statt einen breiten Graben auszuheben, wird der Boden mit einem Verlegeschwert aufgeschnitten. Das Rohr wird in einem Arbeitsgang eingepflügt, der Boden anschließend wieder verschlossen. Die Technik richtet sich vor allem an Projekte zur Versorgung von Dörfern und Ortschaften mit Wasser sowie an die Entsorgung über Abwasserleitungen.

Foeck setzt auf Pflugtechnik statt klassischen Rohrgraben

Das Grundprinzip unterscheidet sich deutlich vom konventionellen Tiefbau. Bei der klassischen Verlegung wird zunächst ein Graben ausgehoben, häufig gesichert und anschließend wieder verfüllt. Besonders bei großen Rohrdurchmessern und tieferen Leitungen entstehen dabei erhebliche Erdbewegungen. Die Pflugtechnik arbeitet anders. Ein Seilwindenfahrzeug zieht die Verlegeeinheit mit hoher Kraft durch den Boden. Das Verlegeschwert schneidet und spaltet das Erdreich, formt einen Kanal und führt das Rohr direkt in die entstandene Öffnung ein. Damit entfällt das großflächige Aufbaggern des Bodens. Gerade bei längeren Strecken kann dieser Unterschied erheblich sein. Der Boden wird nicht komplett ausgehoben, sondern nur aufgeschnitten und zur Seite gedrückt. Dadurch bleibt die Bodenstruktur weitgehend erhalten, es kommt zu deutlich weniger Vermischung der Bodenschichten.

Messe.TV Beitrag Walter Föckersperger FOECK mit Moderator Felix Rother
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Verlegeschwert formt den Kanal für große Rohre

Das Herzstück des Systems ist das Verlegeschwert mit Schwertschuh. Es schafft den notwendigen Freiraum im Erdreich und formt den Kanal für das Rohr. Im gezeigten Beispiel besitzt das Rohr einen Außendurchmesser von rund 45 Zentimetern. Der Boden wird dafür auf etwa 50 Zentimeter geöffnet. Würde ein solches Rohr in rund zwei Metern Tiefe klassisch verlegt, müsste der Graben deutlich breiter ausfallen. Je nach Bodenverhältnissen wäre eine Sicherung notwendig, damit Arbeiter gefahrlos im Graben arbeiten könnten. Im Gespräch ist von Grabenbreiten von sechs bis sieben Metern die Rede. Der Unterschied zum schmalen Pflugkanal ist entsprechend groß.

Wichtige Merkmale der vorgestellten Verlegetechnik:

  • grabenarme Verlegung von Wasser- und Abwasserrohren
  • Einpflügen der Leitung in einem Arbeitsgang
  • Verlegeschwert zum Aufschneiden und Formen des Bodens
  • geringe Bodenvermischung im Vergleich zum offenen Graben
  • Verlegung großer Rohrdurchmesser bis bislang 63 Zentimeter
  • deutlich höherer Tagesfortschritt als bei klassischer Baggerarbeit
Nach Angaben des Herstellers wurden bereits Rohre mit bis zu 63 Zentimetern Durchmesser verlegt. Die Entwicklung zielt darauf, künftig noch größere Dimensionen wirtschaftlich einarbeiten zu können.

FOECK Rohr Einführung in den Boden grabenlose Kabel und Rohrverlegung
Kette FOECK grabenlose Rohr und Kabelverlegemaschine

Schnellere Leitungsverlegung mit weniger Kraftstoffverbrauch

Der zentrale Vorteil liegt in der Geschwindigkeit. Die Verlegung soll je nach Projekt 10- bis 20-mal schneller sein als klassische Baggerarbeit. Als möglicher Tagesfortschritt werden bis zu vier Kilometer genannt. Für Infrastrukturprojekte, bei denen lange Trassen in kurzer Zeit erstellt werden müssen, ist das ein erheblicher Faktor. Die höhere Geschwindigkeit wirkt sich auch auf den Kraftstoffverbrauch aus. Wenn weniger Boden bewegt, verladen und wieder eingebaut werden muss, sinkt der Maschineneinsatz deutlich. Foeck spricht von etwa einem Zehntel des Verbrauchs im Vergleich zu herkömmlicher Baggerarbeit. Diese Werte machen das Verfahren besonders dort interessant, wo lange Leitungen durch offene Flächen, landwirtschaftliche Gebiete oder weniger dicht bebaute Regionen geführt werden. Der Eingriff in die Umgebung bleibt geringer, die Baustelle wandert schneller weiter.

Infrastruktur für Wasser, Abwasser und neue Erschließungen

Die Technik eignet sich vor allem für Versorgungs- und Entsorgungsleitungen. In vielen Ländern besteht weiterhin großer Bedarf an schneller Infrastruktur: Wasserleitungen müssen neu verlegt, Abwassernetze erweitert oder bestehende Systeme erneuert werden. Bei solchen Projekten entscheidet nicht allein die technische Machbarkeit, sondern auch die Bauzeit. Jede Woche weniger Baustelle kann Kosten senken, Genehmigungsprozesse erleichtern und Belastungen für Anwohner, Landwirtschaft oder Verkehr reduzieren. Gerade für ländliche Regionen kann die Pflugtechnik deshalb ein wichtiges Werkzeug sein. Wasser und Abwasser müssen oft über längere Strecken geführt werden, während offene Baugräben hohe Kosten und starke Eingriffe verursachen würden.

FOECK Rohr und Kabel Verlegemaschine ohne aufbaggern

Grabenarme Verfahren gewinnen im Tiefbau an Bedeutung

Die vorgestellte Lösung zeigt, wie stark sich der Leitungsbau verändert. Klassischer Tiefbau bleibt unverzichtbar, doch nicht jede Leitung muss zwangsläufig im offenen Graben verlegt werden. Grabenarme Verfahren gewinnen dort an Bedeutung, wo Geschwindigkeit, Bodenschutz und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen. Für Auftraggeber ist besonders die Kombination aus hoher Tagesleistung und reduziertem Erdbewegungsaufwand interessant. Weniger Aushub bedeutet weniger Transport, weniger Wiederverfüllung und eine schnellere Wiederherstellung der Oberfläche. Foeck positioniert das System damit in einem Bereich, der durch den weltweiten Ausbau von Infrastruktur weiter wachsen dürfte. Wasser, Abwasser und Versorgungssicherheit bleiben zentrale Aufgaben. Verfahren, die Leitungen schneller und mit geringerem Eingriff verlegen können, werden deshalb zunehmend wichtiger – nicht als Ersatz für jede klassische Baustelle, aber als leistungsfähige Alternative für geeignete Trassen.

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