Automatische Faserdosierung für Trockenbaustoffe und Beton

von Bastian Velonavy - 2024-02-13

Fasern spielen in zahlreichen Baustoffen eine wichtige Rolle. Sie erhöhen die Festigkeit, verbessern bestimmte Materialeigenschaften und kommen unter anderem in Beton, Estrichen oder Spezialmischungen zum Einsatz.

In der Praxis stellt jedoch nicht die Verwendung der Fasern die größte Herausforderung dar, sondern deren präzise Dosierung. Gerade kurze organische oder synthetische Fasern neigen dazu, sich zu verhaken, Brücken zu bilden oder ungleichmäßig zu fließen. Auf der bauma präsentiert sich deshalb eine Lösung, die genau dieses Problem automatisieren soll. Die vorgestellte Anlage wurde nach Angaben des Herstellers auf Basis konkreter Kundenanforderungen entwickelt. Ziel war es, Fasermaterial zuverlässig, reproduzierbar und mit möglichst geringem Personalaufwand in industrielle Produktionsprozesse einzubinden.

Inocon entwickelt automatische Faserdosiereinrichtung

Im Mittelpunkt des Messeauftritts steht eine automatische Faserdosiereinrichtung für organische und synthetische Fasern. Die eingesetzten Fasern besitzen je nach Anwendung Längen von etwa drei bis acht Millimetern und gelten aufgrund ihrer Struktur als anspruchsvolles Schüttgut. Während Pulver oder Granulate vergleichsweise einfach dosiert werden können, verhalten sich Fasern deutlich komplexer. Sie verhaken sich untereinander, bilden Verdichtungen und lassen sich oft nur schwer kontrolliert austragen. Genau hier setzt die Entwicklung von Inocon an. Die Anlage soll die Fasern vollautomatisch in definierter Menge bereitstellen und damit insbesondere für Chargenprozesse interessant sein, bei denen jede Rezeptur exakt eingehalten werden muss.

Messe.TV Interview Harald Bartel Inocon bauma 2016 München
Inocon Faser Dosierung 1 kg Baumaschinenmesse bauma München

Faserdosierung mit spezieller Behältergeometrie

Ein zentrales Element der Anlage ist der Vorratsbehälter. Dieser wurde so konstruiert, dass das Material kontinuierlich nachrutschen kann. Die Behältergeometrie erweitert sich nach unten und unterstützt damit den Materialfluss. Auf dem Messestand befinden sich rund 71 Kilogramm Fasermaterial im Behälter. Über die Steuerung kann der Bediener anschließend die gewünschte Dosiermenge eingeben. Im Demonstrationsbeispiel wird eine Zielmenge von einem Kilogramm ausgewählt. Zusätzlich lassen sich mehrere Dosierzyklen hinterlegen. Dadurch kann dieselbe Menge nicht nur einmal, sondern mehrfach hintereinander automatisch ausgegeben werden. Diese Funktion ist besonders interessant für wiederkehrende Produktionsabläufe mit identischen Rezepturen.

Rührarm sorgt für gleichmäßigen Materialaustrag

Damit die Dosierung zuverlässig funktioniert, arbeitet die Anlage mit einem rotierenden Rührarm im unteren Bereich des Systems. Dieser bewegt das Fasermaterial kontinuierlich und führt es einer definierten Auswurföffnung zu. Das Prinzip verhindert Materialansammlungen und sorgt dafür, dass die Fasern gleichmäßig ausgetragen werden. Gerade bei leichten und voluminösen Materialien ist dieser Schritt entscheidend, um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen. Nach Herstellerangaben erreicht das System eine Genauigkeit von etwa plus/minus 30 Gramm bei einer Dosiermenge von einem Kilogramm. Für viele Anwendungen in der Industrie stellt dies eine ausreichend präzise Dosierung dar. Zu den wichtigsten Eigenschaften der Anlage zählen:

  • automatische Dosierung organischer und synthetischer Fasern
  • Verarbeitung von Fasern mit drei bis acht Millimetern Länge
  • Dosiergenauigkeit von etwa ±30 Gramm pro Kilogramm
  • mehrfach programmierbare Dosierzyklen
  • geeignet für Chargenprozesse
  • automatischer Austrag über Rührarm und Auswurföffnung

Inocon Maschine dosiert Fasern

Einsatzmöglichkeiten in Baustoffwerken und Produktionsanlagen

Automatische Faserdosiersysteme gewinnen insbesondere dort an Bedeutung, wo große Mengen von Baustoffen produziert werden. In Trockenmörtelwerken, Betonwerken oder bei Spezialbaustoffen müssen Zuschlagstoffe exakt dosiert werden, um gleichbleibende Produkteigenschaften sicherzustellen. Manuelle Prozesse sind dabei nicht nur zeitaufwendig, sondern bergen auch das Risiko von Dosierfehlern. Automatisierte Systeme ermöglichen eine höhere Wiederholgenauigkeit und reduzieren gleichzeitig den Personalaufwand. Gerade bei modernen Produktionsanlagen, in denen zahlreiche Rohstoffe automatisch verwogen und zugeführt werden, schließen solche Faserdosiersysteme eine bisher oft schwer automatisierbare Lücke.

Inhouse-Fertigung als Teil der Entwicklungsstrategie

Das österreichische Unternehmen Inocon sieht einen wichtigen Vorteil in der eigenen Fertigungstiefe. Nach Unternehmensangaben werden die wesentlichen Komponenten selbst hergestellt. Dadurch arbeiten Konstruktion und Produktion eng zusammen. Neben Dosier- und Wiegetechnik umfasst das Portfolio auch Förderkomponenten, Förderanlagen sowie komplette Anlagenlösungen für Trockenbaustoffwerke. Die unmittelbare Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Fertigung soll dazu beitragen, Kundenanforderungen schneller in technische Lösungen umzusetzen. Bereits heute arbeitet das Unternehmen an weiteren Projekten. Konkret genannt wird die Entwicklung eines groß dimensionierten Schneckenaustragbodens. Details dazu bleiben zwar noch unter Verschluss, doch die Richtung ist klar erkennbar: Die Automatisierung von Materialhandling, Dosierung und Fördertechnik bleibt ein zentrales Entwicklungsfeld. Die auf der bauma gezeigte Faserdosiereinrichtung verdeutlicht, wie stark sich selbst scheinbar kleine Prozessschritte auf die Effizienz industrieller Produktion auswirken können. Gerade bei anspruchsvollen Schüttgütern wie Fasern entscheidet die präzise Dosierung oft über Produktqualität, Prozesssicherheit und Wirtschaftlichkeit einer gesamten Anlage.

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