Der Auftritt von Schmidt Spiele auf der Spielwarenmesse steht in diesem Jahr bewusst unter einem anderen Vorzeichen als zuvor. Wo im vergangenen Jahr noch Kakerlaken für Aufmerksamkeit sorgten, übernehmen nun Agenten die Hauptrolle.
Die Wahl dieses Themas ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer gezielten Strategie, Neuheiten medienwirksam zu inszenieren und zugleich spielmechanisch neue Wege zu gehen. Im Zentrum steht ein Brettspiel, das erstmals konsequent über eine App gesteuert wird und damit klassische Spielstrukturen erweitert, ohne den gemeinsamen Spieltisch zu verlassen. Schon beim Standdesign wird klar, dass das Agentenmotiv mehr ist als reine Dekoration. Ferngläser, Großstadtmotive, Hubschrauber und urbane Szenarien schaffen eine Atmosphäre, die das Spielthema unmittelbar transportiert. Die Inszenierung greift bewusst Elemente moderner Spionagegeschichten auf und verbindet sie mit einem Familienspiel, das sich an mehrere Altersgruppen richtet.
Das vorgestellte Spiel markiert für Schmidt Spiele einen wichtigen Schritt. Erstmals übernimmt eine App zentrale Aufgaben innerhalb der Spielmechanik. Sie steuert Wegeführungen, verteilt Informationen und sorgt dafür, dass zentrale Rollen wie Spion oder Agent im Spielverlauf verborgen bleiben. Genau dieser Aspekt unterscheidet das Spiel von klassischen Karten- oder Brettmechaniken, bei denen sich Informationen häufig schneller erschließen lassen. Die App ist dabei nicht als Zusatz gedacht, sondern als integraler Bestandteil des Spiels. Ohne sie wäre der Ablauf nicht reproduzierbar. Gleichzeitig bleibt der Bildschirm bewusst im Hintergrund. Die Spieler sitzen weiterhin gemeinsam am Tisch, bewegen Spielfiguren, treffen Entscheidungen und kommunizieren miteinander. Die digitale Komponente gibt lediglich Richtungen vor und steuert verdeckte Informationen.
Inhaltlich dreht sich das Spiel um die Frage, wer im Team welche Rolle einnimmt. Wer ist Agent, wer ist Spion? Die Spieler bewegen sich durch verschiedene Städte und Regionen, nutzen unterschiedliche Verkehrsmittel wie Flugzeug oder Auto und versuchen, Hinweise richtig zu deuten. Die Wegeführung erfolgt dabei dynamisch über die App, sodass sich jede Partie anders entwickelt. Ein zentraler Reiz liegt darin, dass niemand im Voraus weiß, welche Informationen als Nächstes ausgespielt werden. Diese Unvorhersehbarkeit erzeugt Spannung und sorgt dafür, dass sich das Spiel nicht in bekannten Mustern erschöpft. Gleichzeitig bleibt der Einstieg niedrigschwellig, da die App viele komplexe Abläufe im Hintergrund organisiert.
Trotz der digitalen Komponente richtet sich das Spiel nicht primär an Kinder, sondern an Familien. Der empfohlene Einstieg liegt bei etwa sieben bis acht Jahren, wobei jüngere Spieler anfangs durch Erwachsene unterstützt werden. Ab acht oder neun Jahren können Kinder die App zunehmend selbstständig bedienen. Der Umgang mit digitalen Endgeräten ist für diese Altersgruppe längst selbstverständlich. Tablets, Smartphones und Apps gehören zum Alltag. Schmidt Spiele nutzt diese Vertrautheit gezielt, ohne den Spieltisch durch Bildschirme zu ersetzen. Gespielt wird nicht vor dem Computer, sondern gemeinsam, analog und kommunikativ. Technisch ist die App sowohl für iOS als auch für Android verfügbar. Gespielt werden kann auf Tablet oder Smartphone, je nachdem, was in der Familie vorhanden ist. Die Hardware ist damit flexibel, die Spielidee bleibt unverändert.
Im Gespräch wird deutlich, dass die Entscheidung für eine App nicht aus modischen Gründen getroffen wurde. Ziel war es, eine Spielidee umzusetzen, die ohne digitale Unterstützung nicht realisierbar wäre. Klassische Mechaniken hätten die verdeckte Rollenverteilung und die dynamische Wegeführung nicht in dieser Form abbilden können. Die App übernimmt dabei Aufgaben, die sonst ein Spielleiter oder komplexe Regelwerke leisten müssten. Dadurch bleibt das Regelwerk übersichtlich, während die Spieltiefe erhalten bleibt. Für Schmidt Spiele ist genau diese Balance entscheidend, um digitale Elemente sinnvoll in analoge Spiele zu integrieren.
Der Weg von der Idee zum fertigen Spiel ist lang und strukturiert. Jährlich erreichen den Verlag zwischen 1500 und 1800 Spielvorschläge. Diese stammen sowohl von Hobbyentwicklern als auch von professionellen Spieleautoren. Zusätzlich entstehen auf internationalen Messen Kontakte, aus denen konkrete Projekte hervorgehen. Das Agenten Spiel hat seinen Ursprung in den USA. Dort stellte ein Spieleerfinder dem Produktmanagement einen Prototypen vor, der sofort als vielversprechend erkannt wurde. In enger Zusammenarbeit wurde die Idee weiterentwickelt, getestet und immer wieder angepasst. Mehrere Testphasen sind üblich, bevor ein Spiel die Marktreife erreicht. Typische Schritte in der Entwicklung sind:
Die Entscheidung, das Spiel mit einem bekannten Gesicht zu präsentieren, ist Teil der Kommunikationsstrategie. Die hohe Ähnlichkeit der Spielfigur mit der realen Person verstärkt den Wiedererkennungswert und sorgt für Aufmerksamkeit auf der Messe. Spiel, Thema und Präsentation greifen ineinander und bilden eine stimmige Einheit. Für Schmidt Spiele ist das Agenten Brettspiel nicht nur eine einzelne Neuheit, sondern ein Signal für zukünftige Entwicklungen. Digitale Elemente werden dort eingesetzt, wo sie spielerisch sinnvoll sind. Gleichzeitig bleibt der Fokus klar auf dem gemeinsamen Erlebnis am Tisch. Welche Idee im nächsten Jahr im Mittelpunkt steht, bleibt offen. Fest steht nur, dass auch künftig mit überraschenden Themen zu rechnen ist. Ob wieder Tiere, Agenten oder etwas völlig anderes – entscheidend ist, dass Spielidee, Mechanik und Präsentation zusammenpassen und den Nerv der Zeit treffen.