Geisternetze werden zu neuen Alltagsprodukten

von Franziska Zuber - 2024-02-22

Verlorene oder absichtlich entsorgte Fischernetze gehören zu den größten Kunststoffproblemen in den Weltmeeren. Die sogenannten Geisternetze treiben oft jahrelang durch das Wasser oder bleiben an Wracks und Korallenriffen hängen.

Dabei gefährden sie Meerestiere, beschädigen empfindliche Lebensräume und tragen zur zunehmenden Verschmutzung der Ozeane bei. Gleichzeitig enthalten die Netze hochwertige Kunststoffe, die sich nach einer Bergung weiterverwenden lassen. Auf der boot Düsseldorf stellte das Hamburger Start-up Bracenet sein Konzept vor, mit dem geborgene Geisternetze in neue Alltagsprodukte verwandelt werden. Das Unternehmen verbindet Upcycling mit der Unterstützung internationaler Bergungsprojekte und finanziert einen Teil dieser Arbeit über den Verkauf seiner Produkte.

Produkte aus Geisternetzen Bracenet
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Bracenet arbeitet mit internationalen Meeresschutzprojekten

Für die Bergung der Netze arbeitet das Unternehmen mit den Organisationen Healthy Seas, Ghost Fishing und No Fear zusammen. Gemeinsam werden Geisternetze aus Meeren entfernt, bevor sie weitere Schäden verursachen können. Nach Angaben des Unternehmens gelangen jedes Jahr bis zu 640.000 Tonnen neuer Geisternetze in die Weltmeere. Viele davon reißen sich während der Fischerei los oder werden bewusst im Meer zurückgelassen. Häufig verfangen sie sich an Schiffswracks oder Korallenriffen und bleiben dort über viele Jahre erhalten. Die Folgen sind gravierend. Zahlreiche Fische, Meeressäuger, Schildkröten und andere Tiere geraten in die Netze und verenden. Gleichzeitig werden empfindliche Ökosysteme dauerhaft geschädigt.

MesseTV Interview Sefanie Wenke Bracenet boot
Armband Fischernetz Bracenet

Freiwillige Taucher bergen Netze weltweit

Eine entscheidende Rolle übernehmen speziell ausgebildete Taucherinnen und Taucher. Nach Angaben des Unternehmens beteiligen sich rund 150 Freiwillige von Ghost Fishing weltweit an den Bergungsaktionen. Die Einsätze gehören häufig zu den anspruchsvollsten Arbeiten im Sporttauchen. Geisternetze können sich über große Flächen erstrecken, tief unter Wasser liegen oder sich eng um Wracks und Riffe gewickelt haben. Entsprechend sorgfältig müssen sie entfernt werden, um zusätzliche Schäden an der Umwelt zu vermeiden. Erst nach der Bergung beginnt der eigentliche Recyclingprozess. Die Materialien werden sortiert, gereinigt und anschließend für die Herstellung neuer Produkte vorbereitet.

Aus Geisternetzen entstehen neue Produkte

Statt den Kunststoff zu entsorgen, setzt Bracenet auf Upcycling Schmuck. Aus den geborgenen Netzen entstehen unter anderem Armbänder, Schlüsselanhänger und Hundeleinen. Auf diese Weise bleibt das Material möglichst lange im Nutzungskreislauf. Der Ansatz verbindet Ressourcenschonung mit einem sichtbaren Symbol für Meeresschutz. Jedes Produkt steht gleichzeitig für die Entfernung eines Teils der Kunststoffnetze aus den Ozeanen. Zum Sortiment gehören unter anderem:

  • Armbänder aus Geisternetzen
  • Schlüsselanhänger
  • Hundeleinen
  • Teamware-Produkte
  • weitere Upcycling-Produkte aus geborgenen Netzen
Der Trend zum Upcycling gewinnt auch in anderen Bereichen an Bedeutung. Materialien werden dabei nicht lediglich recycelt, sondern möglichst hochwertig weiterverarbeitet und erhalten eine neue Funktion.

Accessoire aus Geisternetz Bracenet

Ein Teil der Erlöse fließt zurück in den Meeresschutz

Nach Angaben des Unternehmens finanziert sich Bracenet vollständig aus dem Verkauf der Produkte. Gleichzeitig werden zehn Prozent der Erlöse an Healthy Seas und Ghost Fishing gespendet. Mit diesen Mitteln sollen weitere Bergungsfahrten unterstützt werden. Das Geschäftsmodell verbindet damit wirtschaftliche Eigenständigkeit mit einer direkten Finanzierung konkreter Umweltschutzmaßnahmen. Solche Modelle gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie Umweltprojekte langfristig unabhängiger von klassischen Fördermitteln oder Spendenkampagnen machen können. Jeder Verkauf trägt damit unmittelbar zur Finanzierung weiterer Einsätze bei.

Kreislaufwirtschaft als Beitrag gegen Meeresverschmutzung

Die Bergung von Geisternetzen allein wird das weltweite Kunststoffproblem in den Meeren nicht lösen. Sie zeigt jedoch, wie sich Umweltschutz, Kreislaufwirtschaft und wirtschaftliches Handeln miteinander verbinden lassen. Bracenet verfolgt dabei einen Ansatz, der auf mehreren Ebenen ansetzt: Zunächst werden gefährliche Fischernetze aus dem Meer entfernt. Anschließend werden die Materialien weiterverarbeitet und als neue Alltagsprodukte genutzt. Gleichzeitig fließt ein Teil der Verkaufserlöse wieder in neue Bergungsaktionen zurück. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der sowohl die Wiederverwertung von Kunststoff als auch den Schutz mariner Lebensräume unterstützt und zeigt, dass nachhaltige Produktideen einen konkreten Beitrag zum Meeresschutz leisten können.