Wer am Stand von Folkmanis Puppets auf der Toy Fair im Javits Convention Center vorbeigeht, merkt schnell: Hier geht es nicht um Effekte, nicht um Elektronik, nicht um kurzlebige Trends. Seit 50 Jahren existiert das Unternehmen, seit 35 Jahren ist es auf der Messe vertreten.
Im Mittelpunkt stehen Tierfiguren – als Handpuppen konzipiert sind. Stofftiere in unterschiedlichen Größen, mit einem klaren Anspruch: klassisches Spiel in seiner konzentriertesten Form.
Das Sortiment reicht von winzigen Fingerpuppen bis hin zu großformatigen Modellen wie einem Buckelwal. Dazwischen finden sich detailgetreue Darstellungen von Insekten, Vögeln, Waldtieren oder exotischen Arten. Eine Orchideenmantis etwa wirkt auf den ersten Blick wie ein Stofftier. Doch sobald eine Hand im Inneren verschwindet, verändert sich die Wahrnehmung. Die Figur hebt den Kopf, späht nach Beute, scheint zu „atmen“. Bewegung entsteht nicht durch Motorik, sondern durch die Hand des Spielers. Genau hier liegt der Unterschied. Eine Puppe bleibt offen für Interpretation. Sie bekommt ihre Persönlichkeit erst durch denjenigen, der sie führt. Mundbewegungen, ein geneigter Kopf, ein angedeutetes Zögern – all das entsteht im Zusammenspiel zwischen Material und Hand. Manche Partien sind bewusst steif gearbeitet, damit etwa Beine oder Flossen beim „Laufen“ oder „Schwimmen“ glaubwürdig wirken. Die Konstruktion berücksichtigt dabei sowohl Kinderhände als auch die Finger Erwachsener.
Ein rotes Eichhörnchen demonstriert diese Mechanik besonders anschaulich. Der Puppenspieler kann nicht nur das Maul öffnen und schließen, sondern über einen separaten Finger auch den buschigen Schwanz bewegen. Das Tier winkt, schlägt mit dem Schweif, scheint zu reagieren. Eine kleine Geste genügt, um eine Szene entstehen zu lassen. Diese Form des Spiels beginnt früh. Offiziell werden die Handpuppen ab drei Jahren empfohlen. Mit Aufsicht lassen sie sich jedoch auch bei Kleinkindern einsetzen – etwa, um beim Wickeln abzulenken oder erste Dialoge anzustoßen. Später werden sie zu Werkzeugen für Geschichten. Kinder erfinden Stimmen, Konflikte, Abenteuer. Erwachsene nutzen sie im pädagogischen Kontext oder schlicht als kreativen Ausgleich.
Neben Klassikern wie Waschbär oder Eule zeigt das Unternehmen regelmäßig neue Modelle. Eine Schneeeule mit drehbarem Kopf erweitert das Repertoire ebenso wie ein Chinese Crested Dog – der haarlose Hund mit charakteristischer Zunge. Auch hier bleibt die Mechanik dezent. Der Reiz entsteht aus der Kombination von realistischer Gestaltung und präziser Bewegung. Die Bandbreite des Programms ist groß. Sie reicht preislich von etwa fünf Dollar für kleine Fingerpuppen bis zu rund neunzig Dollar für größere Ausführungen. Unterschiedliche Größen eröffnen unterschiedliche Spielweisen:
Ein zentrales Motiv ist die Nähe zur Natur. Jedes Tier trägt ein Etikett, das Herkunft, Lebensraum und Ernährungsweise beschreibt. Wo lebt die Mantide? Was frisst das Eichhörnchen? In welchen Regionen ist der Buckelwal anzutreffen? Diese Informationen sind knapp gehalten, eröffnen aber einen Zugang, der über das reine Spiel hinausgeht. Der pädagogische Aspekt entsteht dabei beiläufig. Ein Kind, das einer Schneeeule eine Stimme gibt, beschäftigt sich automatisch mit deren Eigenheiten. Warum dreht sie den Kopf? Wann jagt sie? Spiel wird zum Anlass für Wissen – ohne erhobenen Zeigefinger. In einer Zeit digitaler Dauerreize wirkt dieses Konzept fast altmodisch. Doch gerade darin liegt seine Stärke. Ein Plüschtier braucht keinen Bildschirm. Es verlangt Präsenz. Hände bewegen sich, Augen folgen der Figur, eine Geschichte entsteht im Raum. „Screen free“ ist hier kein Marketingbegriff, sondern Voraussetzung. Folkmanis Puppets hält damit an einer Spielform fest, die seit Generationen existiert. Der Kern bleibt unverändert: eine Figur, eine Hand, eine Idee. Alles Weitere entsteht im Kopf. Die Tiere mögen aus Stoff gefertigt sein, doch im Spiel werden sie lebendig – nicht durch Technik, sondern durch Fantasie.