Der US Markt bleibt für Schleich ein strategisch bedeutendes Umfeld. Hier entscheidet sich, welche Produktlinien international skalierbar sind und welche Sortimentsanpassungen notwendig werden.
Mit neuen Christmas Ornaments und einer erweiterten Dino Linie reagiert Schleich auf konkrete Nachfrage, Marktdaten und Rückmeldungen aus dem Handel. Dabei geht es nicht um kurzfristige Impulse, sondern um eine strukturelle Erweiterung des Portfolios.
Für den US amerikanischen Markt bringt Schleich erstmals Christmas Ornaments auf den Markt. Lange Zeit war das Unternehmen gefragt worden, warum es keine entsprechenden Produkte anbiete. Intern standen bereits in Schwäbisch Gmünd sowie im US Headquarter in Charlotte geschmückte Weihnachtsbäume mit entsprechenden Figuren. Nun folgt der offizielle Launch. Zum Start werden drei Sets eingeführt: ein Rentier, ein Farm World Set und ein Wildlife Set. Der Verkaufsstart ist für September vorgesehen. Anders als klassische Toys sind diese Produkte als dekorative Ergänzung konzipiert. Sie schließen eine Lücke im Sortiment und erweitern die Marke in Richtung saisonaler Geschenkartikel. Preislich liegen die Sets bei 24,99, einzelne Figuren bei 16,99. Zielgruppe sind weniger Kinder selbst als sogenannte Giftgivers – also Erwachsene, die gezielt Geschenke erwerben. Die Gestaltung bleibt detailgetreu und kindlich, entspricht aber der typischen Figurenästhetik, für die Schleich bekannt ist.
Die Entscheidung für Christmas Ornaments basiert auf einer gezielten Marktanalyse. Betrachtet wurden wachsende Kategorien, unbesetzte Segmente und Zusatzbedarf im bestehenden Sortiment. Ausgangspunkt war die eigene Stärke: detailgetreue Figuren mit hoher Wiedererkennbarkeit. Schleich hat im Vorfeld mit Handelspartnern und Kunden gesprochen und Feedback systematisch ausgewertet. Die Einführung erfolgt zunächst in den USA. Im darauffolgenden Jahr ist geplant, die Produkte auch in Europa im Handel verfügbar zu machen. Dabei bewegt sich das Unternehmen bewusst zwischen klassischem Spielzeug und Sammlerobjekt. Es gibt zahlreiche Erwachsene, die Tiere wie Löwen oder Elefanten kaufen und diese dekorativ im Regal platzieren. In diesem Spannungsfeld positionieren sich auch die Christmas Ornaments – als Erweiterung einer etablierten Figurenwelt.
Parallel zur Ornament-Einführung wird die Dino Linie erweitert. Nach längerer Pause kehren prähistorische Tiere ins Sortiment zurück. Neu erscheinen ein Mammut sowie ein Säbelzahntiger. Das Mammut war zuletzt vor rund 20 Jahren erhältlich. Hier liegt der Fokus klar im Kinderbereich zwischen drei und acht Jahren. Die Tendenz geht leicht in Richtung Jungen, jedoch spielen auch Mädchen mit den Figuren. Preislich bewegen sich die Standardprodukte bei etwa 19 Dollar, das Mammut im Premiumsegment bei rund 30 Dollar. Die Erweiterung ist eine direkte Reaktion auf wiederholte Nachfrage. Kunden hatten explizit nach einem Mammut gefragt. Mit der Rückkehr prähistorischer Tiere erweitert Schleich das bestehende Spektrum und stärkt seine Position im Bereich klassischer Figuren.
Im amerikanischen Markt gewinnen verpackte Produkte weiter an Bedeutung. Neben Einzelfiguren rücken verstärkt Playsets in den Vordergrund. Produktgruppen wie Horse Club, die bereits in Deutschland erfolgreich sind, wachsen auch in den USA dynamisch. In den vergangenen zwei Jahren wurde das Sortiment hier deutlich ausgebaut. Die Entwicklung spiegelt einen Trend wider, der sowohl auf Messen in Nürnberg als auch in den Vereinigten Staaten sichtbar ist: Traditional Toys rücken wieder stärker in den Vordergrund. Mechanische, haptische Spielwaren ohne Elektronik gewinnen an Relevanz. Zur strategischen Ausrichtung zählen unter anderem:
Auffällig ist die klare Entscheidung gegen elektronische Funktionen. Die Produkte bleiben bewusst analog. Diese Haltung ist Teil einer übergeordneten Strategie. In einem Marktumfeld, das stark von digitalen Spielkonzepten geprägt ist, setzt Schleich auf Detailtreue, Materialität und physische Präsenz. Gerade im US Markt, in dem große Handelsketten hohe Sichtbarkeit erzeugen, kann diese klare Differenzierung entscheidend sein. Weihnachtsornamente ohne Elektronik, prähistorische Figuren ohne Sound- oder Lichteffekte – das wirkt reduziert, aber konsequent. Mit Christmas Ornaments und der erweiterten Dino Linie für den US Markt zeigt Schleich, dass Wachstum nicht zwingend durch technische Aufrüstung entsteht. Entscheidend sind Sortimentslogik, Kundenfeedback und die konsequente Weiterentwicklung bestehender Stärken.