Die Energiewende verändert nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch die Rolle von Unternehmen im Energiesystem. Wer Photovoltaik auf dem Dach betreibt, steht zunehmend vor der Frage, ob der erzeugte Strom möglichst vollständig selbst genutzt, gespeichert oder zu wechselnden Preisen ins Netz eingespeist werden soll. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Batteriespeichern, die Lastspitzen abfangen und Schwankungen im Stromnetz ausgleichen können.
Auf der Intersolar Europe in München präsentierte Longi mit dem Hi-MO One Pro erstmals eine neue Speichereinheit für diesen Markt. Der Hersteller erweitert damit sein bisher stark auf Photovoltaik ausgerichtetes Angebot um ein integriertes Batteriesystem. Neben der Energieversorgung für Gewerbe und Industrie standen auf dem Messestand auch spezialisierte Solarmodule für Einsatzorte mit erhöhten Anforderungen an Brandschutz und Reflexionsverhalten im Mittelpunkt.
Bei Batteriespeichern stammen Batteriemanagement, Energiemanagement, Kühlung, Leistungselektronik und Sicherheitstechnik häufig von unterschiedlichen Zulieferern. Das kann technisch funktionieren, verlangt aber eine Abstimmung zahlreicher Schnittstellen. Beim Hi-MO One Pro verfolgt der Hersteller deshalb einen stärker integrierten Ansatz. Wesentliche Komponenten wurden nach Unternehmensangaben im eigenen Haus entwickelt. Dazu zählen unter anderem das Energiemanagementsystem EMS, das Batteriemanagementsystem BMS, das thermische Management sowie die Sicherheitstechnik iCCS. Die einzelnen Systeme sollen dadurch enger miteinander kommunizieren und schneller auf Veränderungen im Betrieb reagieren können. Für den Anwender ist weniger entscheidend, wie viele Steuerungsebenen innerhalb des Speichers arbeiten. Relevant ist vielmehr, ob das Gesamtsystem Strom effizient verteilt, Lastspitzen erkennt und die Batterie innerhalb sicherer Betriebsbereiche hält. Gerade bei gewerblichen Anlagen, die über Jahre täglich be- und entladen werden, entscheidet dieses Zusammenspiel über Betriebskosten und Verfügbarkeit.
Ein typisches Einsatzfeld ist das sogenannte Peak Shaving. Viele Unternehmen zahlen nicht nur für die verbrauchte Strommenge, sondern zusätzlich für hohe Leistungsspitzen. Werden mehrere Maschinen gleichzeitig gestartet oder entstehen kurzfristig große Lasten, kann dies die Stromkosten erheblich erhöhen. Ein Batteriespeicher kann in solchen Momenten zusätzliche Energie bereitstellen und damit den Bezug aus dem öffentlichen Netz begrenzen. Wird anschließend wieder weniger Leistung benötigt, lässt sich die Batterie erneut laden. Besonders interessant wird das für Unternehmen mit eigener Photovoltaikanlage. Überschüssiger Solarstrom muss nicht unmittelbar eingespeist werden, sondern kann vor Ort gespeichert und später selbst verbraucht werden. Wer einen möglichst hohen Eigenverbrauch erreichen möchte, kann Erzeugung, Verbrauch und Speicherkapazität miteinander abstimmen. Der Hi-MO One Pro ist damit nicht ausschließlich als Speicher für Solarstrom gedacht. Je nach Betriebsstrategie kann er mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen: Eigenverbrauch erhöhen, Lastspitzen begrenzen, Energie zeitlich verschieben und bei entsprechender Einbindung zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.
Mit wachsender Zahl großer Batteriespeicher gewinnt die Sicherheit an Bedeutung. Kritische Veränderungen einer Zelle sollen möglichst erkannt werden, bevor daraus eine Störung oder im schlimmsten Fall ein Brand entsteht. Longi setzt dafür auf die iCCS-Technologie. Das System arbeitet mit zahlreichen Sensoren und überwacht Veränderungen innerhalb des Speichers. Nach Angaben des Unternehmens können auffällige Entwicklungen bereits lange vor einem möglichen Schadensereignis erkannt werden. Die Technik ist TÜV-geprüft. Der Ansatz unterscheidet sich damit von Sicherheitskonzepten, die erst reagieren, wenn Temperatur oder andere Messwerte bereits kritische Grenzen überschritten haben. Im Mittelpunkt steht eine präventive Überwachung. Für Gewerbe- und Industrieunternehmen kann dieser Aspekt entscheidend sein. Batteriespeicher stehen häufig nahe an Produktionsgebäuden, Lagerhallen oder anderer Infrastruktur. Neben der technischen Sicherheit beeinflussen solche Systeme deshalb auch Versicherungsfragen, Genehmigungen und die Wahl geeigneter Aufstellorte.
Nicht nur beim Speicher richtet sich der Blick auf Sicherheitsanforderungen. Der Hersteller zeigte auf der Messe außerdem ein speziell entwickeltes Photovoltaikmodul für Gebäude, bei denen Brandschutz eine besonders große Rolle spielt. Das Modul erreicht nach Unternehmensangaben die Feuerklasse A und wurde unter Laborbedingungen einer Flammenbelastung von mehr als 1.000 Grad Celsius über einen Zeitraum von 90 Minuten ausgesetzt, ohne durchzubrennen. Solche Eigenschaften können beispielsweise für Lagerhallen interessant sein, in denen hochwertige, leicht entzündliche oder besonders empfindliche Waren aufbewahrt werden. Auch bei Gebäuden mit erhöhten Brandschutzanforderungen kann die Auswahl der Solarmodule einen zusätzlichen Faktor innerhalb des Sicherheitskonzepts darstellen. Damit zeigt sich eine zunehmende Differenzierung des Photovoltaikmarkts. Nicht mehr jedes Modul soll möglichst universell einsetzbar sein. Stattdessen entstehen Varianten, deren Konstruktion gezielt auf bestimmte Gebäudetypen und Risiken abgestimmt wird.
Ein zweites Beispiel dafür ist ein weiterentwickeltes Anti-Glare-Modul. Seine Oberfläche soll störende Reflexionen besonders stark reduzieren. Angegeben wird eine gesamte Reflektivität von 0,9 Prozent. Die Prüfung durch den TÜV führte nach Herstellerangaben zur Einstufung in die höchste Anti-Glare-Klasse. Bedeutend ist das insbesondere rund um Flughäfen. Photovoltaikanlagen dürfen Piloten, Towerpersonal oder andere sicherheitsrelevante Bereiche nicht durch starke Lichtreflexionen beeinträchtigen. Das betrifft nicht nur Anlagen unmittelbar auf Flughafengeländen. Auch Unternehmen in der Umgebung können bei größeren Dachanlagen mit entsprechenden Anforderungen konfrontiert werden. Reflexionsarme Module erweitern damit die Flächen, auf denen Photovoltaik eingesetzt werden kann. Für Logistikzentren, Industriehallen oder andere große Gebäude in Flughafennähe kann das ein wichtiger Punkt sein, weil gerade dort häufig erhebliche Dachflächen zur Verfügung stehen.
Die beiden Spezialmodule zeigen, wohin sich ein Teil des Markts bewegt. Neben Leistung und Wirkungsgrad treten Anforderungen hinzu, die stark vom jeweiligen Standort abhängen. Feuerresistenz kann für ein Lagergebäude entscheidend sein, geringe Reflexion für einen Flughafen und hohe mechanische Belastbarkeit für Regionen mit extremen Wetterbedingungen. Parallel bleibt die Effizienz der Solarzellen ein zentrales Entwicklungsthema. Bei Rückkontakttechnologien sind weitere Fortschritte zu erwarten, bevor sich diese Zellarchitektur ihren technischen Grenzen nähert. Einen größeren Sprung könnten anschließend Tandemzellen ermöglichen. Durch mehrere aktive Zellschichten lassen sich unterschiedliche Bereiche des Sonnenlichts nutzen und damit höhere Wirkungsgrade erzielen. Interessant ist dabei die Verbindung beider Entwicklungsrichtungen. Photovoltaik wird leistungsfähiger, zugleich aber stärker auf konkrete Einsatzbedingungen zugeschnitten. Mit dem Einstieg in den Speichermarkt kommt eine weitere Ebene hinzu. Erzeugung und Speicherung werden zunehmend gemeinsam gedacht. Das verändert auch die Rolle einer Photovoltaikanlage auf einem Gewerbedach. Sie liefert nicht mehr lediglich Strom, wenn die Sonne scheint. In Verbindung mit einem Batteriespeicher kann Energie gezielt vorgehalten, zur Begrenzung von Lastspitzen eingesetzt und stärker für den eigenen Betrieb genutzt werden. Der Hi-MO One Pro steht damit für einen Markt, in dem Solarmodule, Speichertechnik, Energiemanagement und Sicherheit immer enger zusammenwachsen.