Die Energiewende verändert nicht nur die Stromerzeugung, sondern auch die Anforderungen an Unternehmen und Gewerbebetriebe. Während Photovoltaikanlagen inzwischen auf vielen Dächern zum Standard gehören, rückt eine andere Frage zunehmend in den Mittelpunkt: Wie lässt sich der erzeugte Strom möglichst effizient nutzen?
An dieser Stelle gewinnen moderne Batteriespeicher an Bedeutung. Sie sollen nicht nur Energie speichern, sondern aktiv zur Steuerung von Lasten, zur Senkung von Energiekosten und zur Integration weiterer Verbraucher beitragen. Auf der Intersolar Europe in München präsentiert JA Solar ein Speichersystem, das neben der klassischen Energiespeicherung vor allem auf Sicherheit, Überwachung und intelligente Steuerung ausgelegt ist. Dabei zeigt sich, dass moderne Batteriespeicher längst mehr sind als einfache Stromreservoirs.
Kaum ein Thema wird bei stationären Speichern so intensiv diskutiert wie die Sicherheit. Entsprechend groß ist der Aufwand, den Hersteller heute betreiben, um Risiken frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Bei dem vorgestellten System wird nicht nur das Batteriepaket überwacht. Vielmehr erfolgt eine kontinuierliche Kontrolle bis auf die Ebene einzelner Zellen. Spannung und Temperatur werden permanent gemessen. Sobald Auffälligkeiten auftreten, löst das System automatisch Alarmmeldungen aus und kann die Batterie vorsorglich abschalten. Ziel ist es, kritische Zustände bereits zu erkennen, bevor sie überhaupt entstehen. Das sogenannte thermische Durchgehen einer Batterie, also eine unkontrollierte Erwärmung bis hin zum Brand, soll dadurch verhindert werden.
Zusätzlich verfügt das System über Sicherheitsmechanismen auf Gehäuseebene. Der komplette Batterieschrank wurde nach entsprechenden Standards zertifiziert. Sollte dennoch ein Störfall auftreten, sorgen automatische Lüftungssysteme dafür, dass Luft gezielt durch das Gehäuse geführt wird und das Speichersystem sicher abgeschaltet bleibt. Für Betreiber, Planer und Versicherungen gewinnt diese Form der Systemzertifizierung zunehmend an Bedeutung. In mehreren europäischen Ländern existieren bereits spezielle Anforderungen für stationäre Batteriespeicher auf Betriebsgeländen.
Neben der Sicherheit steht die Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt. Ein Batteriespeicher erfüllt seinen Zweck nur dann, wenn er Strom intelligent aufnimmt und wieder abgibt. Dafür wird am Netzanschlusspunkt ein bidirektionales Messsystem installiert. Dieses erkennt kontinuierlich, ob überschüssige Energie aus einer Photovoltaikanlage zur Verfügung steht oder zusätzlicher Strombedarf entsteht. Wird mehr Solarstrom erzeugt als aktuell benötigt, lädt sich der Speicher automatisch auf. Steigt dagegen der Verbrauch im Gebäude oder Betrieb, stellt die Batterie die benötigte Energie wieder bereit. Die wichtigsten Anwendungsbereiche umfassen:
Ein besonders wichtiger Anwendungsfall ist das sogenannte Peak Shaving. Viele Unternehmen zahlen nicht nur für ihren Stromverbrauch, sondern auch für die maximale Leistung, die sie vom Energieversorger abrufen. Kurze Lastspitzen können deshalb erhebliche Kosten verursachen. Moderne Batteriespeicher gleichen solche Spitzen aus, indem sie kurzfristig Energie bereitstellen und den Netzbezug reduzieren. Das vorgestellte System verfügt über eine Leistung von 125 Kilowatt. Dadurch können Lastspitzen gezielt abgefangen werden. Bereits eine Reduzierung um wenige Dutzend Kilowatt kann im Jahresverlauf spürbare wirtschaftliche Vorteile bringen. Insbesondere produzierende Betriebe, Logistikzentren oder Unternehmen mit energieintensiven Anlagen beschäftigen sich deshalb zunehmend mit Speichersystemen als Instrument zur Kostensenkung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Im Speicher arbeitet ein eigener Controller, der sämtliche technischen Daten überwacht und auswertet. Dadurch entsteht ein umfassendes Energiemonitoring. Betreiber erhalten Einblick in Ladezustände, Leistungsflüsse und Verbrauchsprofile. Die Plattform entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Steuerungseinheit für das gesamte Energiesystem eines Gebäudes. Künftig sollen nicht nur Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen eingebunden werden. Auch weitere Verbraucher wie Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge oder bestehende Energiesysteme können integriert werden. Dadurch entsteht ein digitales Energiemanagement, das sämtliche Komponenten miteinander verknüpft und deren Zusammenspiel optimiert.
Die Entwicklung zeigt deutlich, wohin sich der Markt bewegt. Einzelne Komponenten verlieren an Bedeutung, während integrierte Gesamtsysteme immer wichtiger werden. Photovoltaik, Batteriespeicher, Elektromobilität und Gebäudetechnik wachsen zunehmend zusammen. JA Solar sieht in dieser Vernetzung einen zentralen Entwicklungsschritt für die kommenden Jahre. Ziel ist es, Energieflüsse nicht mehr isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines intelligenten Gesamtsystems. Bis zum Ende des Jahrzehnts dürfte diese Form der Digitalisierung in vielen Gewerbe- und Industrieanwendungen zum Standard werden. Batteriespeicher übernehmen dabei eine Schlüsselrolle. Sie speichern nicht nur Energie, sondern werden zunehmend zum zentralen Knotenpunkt moderner Energiesysteme.