Große Parkplätze gehören bislang zu den Flächen, deren energetisches Potenzial häufig ungenutzt bleibt. Asphalt und Pflaster erfüllen ihren Zweck als Stellfläche, während darüber weder Strom erzeugt noch Schutz vor Sonne, Regen oder Schnee geboten wird.
Solarcarports verbinden beide Funktionen miteinander. Besonders bei Gewerbebetrieben, Schwimmbädern, Freizeitparks oder öffentlichen Einrichtungen können ohnehin versiegelte Parkplätze damit eine zusätzliche Aufgabe übernehmen. Auf der Intersolar Europe> in München zeigte Krinner Solar eine Konstruktion, die vor allem für größere Anlagen ab etwa 30 bis 40 Stellplätzen konzipiert ist. Im Mittelpunkt stehen Mitarbeiterparkplätze, öffentlich zugängliche Flächen und gewerblich genutzte Areale. Eine Besonderheit liegt in der Gründung: Statt großflächiger Betonfundamente sollen nach Möglichkeit Schraubfundamente eingesetzt werden.
Der Eingriff in bestehende Parkflächen kann bei nachträglich errichteten Überdachungen beträchtlich sein. Pflaster muss aufgenommen, Asphalt geöffnet und die Fläche anschließend wiederhergestellt werden. Die vorgestellte Konstruktion versucht, diesen Aufwand zu reduzieren. Das Tragwerk steht auf einzelnen Säulen, die über Schraubfundamente im Boden verankert werden. Dadurch lassen sich vorhandene Stellplätze weitgehend erhalten. Randsteine oder größere Pflasterflächen müssen nach Angaben des Unternehmens in geeigneten Fällen nicht entfernt werden. Ob diese Bauweise möglich ist, entscheidet allerdings der Untergrund. Vor der Planung wird deshalb zunächst die Bodenstruktur untersucht. Steine, Bodenart und Tragfähigkeit bestimmen, welche Fundamente eingesetzt werden können. Erst wenn diese Voraussetzungen geklärt sind, folgt die statische Auslegung auf die örtlichen Wind- und Schneelasten. Gerade bei großflächigen Überdachungen sind diese Faktoren erheblich. Ein Solarcarport ist nicht nur ein Dach über Fahrzeugen, sondern eine Tragkonstruktion, die zusätzlich Photovoltaikmodule aufnimmt und über viele Jahre wechselnden Wetterbedingungen standhalten muss.
Für Photovoltaik sind Parkplätze aus einem einfachen Grund interessant: Die Fläche ist bereits vorhanden und versiegelt. Anders als bei einer Freiflächenanlage muss kein zusätzlicher Boden für die Stromerzeugung beansprucht werden. Gleichzeitig entsteht ein unmittelbarer Zusatznutzen für die Menschen, die dort parken. An heißen Sommertagen bleibt ein Fahrzeug unter einer Überdachung deutlich besser vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Im Winter kann das Dach Schnee abhalten, bei Regen erleichtert es Ein- und Aussteigen. Die Photovoltaik erweitert diese Schutzfunktion um die Energieerzeugung. Besonders wirtschaftlich kann das Konzept dort werden, wo tagsüber viel Strom verbraucht wird. Maschinenbaubetriebe, Schwimmbäder, Freizeitparks oder größere Handelsstandorte verfügen nicht nur über ausgedehnte Parkflächen, sondern häufig auch über einen kontinuierlichen Energiebedarf. Je größer der Anteil des erzeugten Solarstroms ist, der direkt vor Ort genutzt werden kann, desto weniger hängt die Wirtschaftlichkeit allein von der Einspeisung ins öffentliche Netz ab. Der Parkplatz wird damit vom reinen Kostenfaktor zu einer betrieblich nutzbaren Energiefläche.
Bei der technischen Ausführung setzt Krinner bei einer Variante auf ein Dach aus Trapezblech. Das hat einen praktischen Grund: Für diese Dachform existieren etablierte Montagesysteme, mit denen Photovoltaikbetriebe regelmäßig arbeiten. Die eigentliche Modulmontage kann dadurch mit bekannten Komponenten erfolgen. Der Carport benötigt keine vollständig eigenständige PV-Unterkonstruktion, die nur von spezialisierten Montageteams verarbeitet werden könnte. Das erleichtert die Einbindung regionaler Installationsbetriebe. Daneben sind Konstruktionen mit Glas-Glas-Modulen möglich. Dafür werden spezielle Unterkonstruktionen benötigt, die über entsprechend spezialisierte Partner umgesetzt werden können. Die technische Planung der gesamten Carportanlage bleibt dabei Teil des Gesamtkonzepts. Für Betreiber ist diese Trennung durchaus relevant. Ein großer Parkplatz umfasst schließlich mehrere Gewerke: Fundamentierung, Stahlbau, Dach, Photovoltaik, Elektroinstallation und gegebenenfalls Ladeinfrastruktur müssen aufeinander abgestimmt werden. Je stärker diese Schritte bereits in der Planung zusammengeführt werden, desto geringer ist das Risiko späterer Anpassungen.
Ob ein Solarcarport wirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich nicht allein über die installierte PV-Leistung beantworten. Entscheidend sind Größe und Lage der Fläche, Baukosten, Stromverbrauch, Netzanschluss und der zeitliche Verlauf des Energiebedarfs. Ein Unternehmen, das tagsüber kontinuierlich Strom benötigt, kann einen erheblichen Teil der erzeugten Energie unmittelbar verbrauchen. Das gilt beispielsweise für Produktionsbetriebe oder Schwimmbäder mit Pumpen, Lüftungs- und Aufbereitungstechnik. Auch Supermärkte haben durch Kühlung und Gebäudetechnik einen hohen Tagesverbrauch. Zusätzliche Möglichkeiten entstehen, wenn Ladepunkte für Elektrofahrzeuge integriert werden. Mitarbeiterfahrzeuge stehen häufig genau während jener Stunden auf dem Parkplatz, in denen die Photovoltaikanlage den meisten Strom erzeugt. Öffentliche Stellplätze können wiederum mit Ladeangeboten kombiniert werden, wenn Netzanschluss und Nutzungskonzept dies erlauben. Damit wird aus der Überdachung zunehmend ein kleines Energiesystem: Solarstrom wird erzeugt, direkt im Gebäude verbraucht, gegebenenfalls gespeichert oder zum Laden von Fahrzeugen eingesetzt.
Trotz des verfügbaren Flächenpotenzials sind größere Solarcarports in Deutschland bislang vergleichsweise selten. Krinner beschreibt zwar eine hohe Zahl von Anfragen, zugleich aber eine spürbare Zurückhaltung bei Investitionsentscheidungen. Unternehmen prüfen größere Projekte derzeit genauer und verschieben Vorhaben teilweise, wenn wirtschaftliche oder regulatorische Rahmenbedingungen unklar erscheinen. Dazu zählen die allgemeine Konjunktur ebenso wie die zukünftige Ausgestaltung des Energierechts. Im Messegespräch wurde in diesem Zusammenhang auch auf erwartete Änderungen rund um das EEG in den kommenden Jahren verwiesen. Das zeigt ein grundsätzliches Problem solcher Projekte: Ein Solarcarport ist eine langfristige Infrastrukturinvestition. Neben der Photovoltaikanlage muss auch das Tragwerk finanziert werden. Entsprechend stärker wirken sich Unsicherheiten über Strompreise, Finanzierungskosten und zukünftige Vergütungsmodelle auf Entscheidungen aus als bei einer einfachen PV-Anlage auf einem ohnehin vorhandenen Dach.
Unabhängig von kurzfristigen Investitionszyklen sprechen zwei Entwicklungen für eine stärkere Nutzung großer Parkflächen. Zum einen wächst der Bedarf an erneuerbarer Stromerzeugung, ohne dafür zusätzliche Freiflächen zu beanspruchen. Zum anderen werden lange Hitzeperioden für Betreiber großer, unbeschatteter Parkplätze zunehmend zu einem praktischen Thema. Eine Überdachung löst beide Aufgaben nicht vollständig, verbindet sie aber auf derselben Fläche. Fahrzeuge stehen im Schatten, während darüber Strom produziert wird. Wo zusätzlich ein hoher Eigenverbrauch vorhanden ist, entsteht ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil. Damit verschiebt sich auch die Bewertung eines Parkplatzes. Er ist nicht länger nur eine versiegelte Fläche, die für Fahrzeuge vorgehalten werden muss. Solarcarports können aus ihm eine technische Infrastruktur für Stromerzeugung, Verschattung und perspektivisch auch Elektromobilität machen. Voraussetzung bleibt eine sorgfältige Planung von Boden, Statik und Energiebedarf. Gerade dort entscheidet sich, ob aus einer naheliegenden Idee auch ein dauerhaft tragfähiges Projekt wird.