Bergschuhe zwischen Stabilität und geringem Gewicht

Wer mehrere Stunden in den Bergen unterwegs ist, verlangt einem Schuh deutlich mehr ab als bei einer gewöhnlichen Wanderung im Flachland. Steile Anstiege, Geröll, feuchte Passagen und lange Abstiege belasten Füße, Sprunggelenke und Knie.

Ein Bergschuh muss deshalb Halt geben, darf aber zugleich nicht so schwer und steif sein, dass jeder Schritt unnötig Kraft kostet. Genau zwischen diesen Anforderungen bewegt sich die Entwicklung moderner Modelle. Auf der Outdoor-Messe zeigte Lowa zwei unterschiedliche Ansätze. Der Mauria steht für den klassischen, robusten Bergschuh aus Nubukleder. Daneben präsentierte der Hersteller ein leichteres Textilmodell, das auf Leder und Metallösen verzichtet, aber weiterhin genügend Festigkeit für Touren im Gebirge bieten soll. Die Unterschiede machen deutlich, dass nicht jeder Schuh für jedes Gelände geeignet ist.

Lowa Bergschuh Laufsohle
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Lowa Mauria verbindet Nubukleder mit Vibram-Sohle

Der Mauria folgt dem traditionellen Aufbau eines stabilen Bergschuhs. Als Obermaterial kommt robustes Nubukleder zum Einsatz, das den Fuß schützt und dem Schuh eine feste Struktur gibt. Hinzu kommt eine Laufsohle von Vibram, deren Gummimischung und Profil für Halt auf felsigem oder unebenem Untergrund sorgen sollen. Eine solche Konstruktion richtet sich an Wanderer, die nicht nur auf ausgebauten Wegen bleiben. Der Schuh ist für längere Bergtouren und Höhen von bis zu etwa 3.000 Metern gedacht, nicht jedoch für extreme alpine Unternehmungen oder Hochtouren, bei denen spezielle steigeisenfeste Schuhe erforderlich sind. Entscheidend ist dabei nicht allein die Höhe. Auch Untergrund, Wetter, Gepäck und Dauer der Tour bestimmen, wie stabil ein Schuh sein muss. Ein breiter Waldweg stellt andere Anforderungen als ein steiler, von Geröll durchsetzter Bergpfad. Je anspruchsvoller das Gelände, desto wichtiger werden eine feste Sohle, seitlicher Halt und ein hoher Schaft.

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Mauria-Schnürung soll den Fuß präzise halten

Bei mehrstündigen Touren entstehen Beschwerden häufig nicht durch einen einzelnen Fehltritt, sondern durch wiederkehrende Belastungen. Rutscht die Ferse bei jedem Schritt leicht nach oben, können Blasen entstehen. Sitzt der Schuh zu eng, werden Zehen und Vorfuß belastet. Ist er zu weit, fehlt die Kontrolle beim Abstieg. Beim Mauria soll eine auf den Fuß abgestimmte Schnürung dafür sorgen, dass der Schuh gleichmäßig anliegt. Ergänzt wird sie durch einen weicheren Bereich am hinteren Schaft. Dieser sogenannte Spoiler soll den Übergang zur Wade entlasten und verhindern, dass der obere Rand bei längeren Bewegungen unangenehm drückt. Solche Details können den Komfort verbessern, ersetzen aber keine sorgfältige Anprobe. Ein hochwertiger Bergschuh kann technisch ausgereift sein und dennoch nicht zu jeder Fußform passen. Breite des Vorfußes, Höhe des Spanns und Form der Ferse unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Entscheidend ist deshalb, dass der Fuß sicher gehalten wird, ohne an einzelnen Stellen eingeengt zu sein.

Vibram-Profil unterstützt den Halt auf schwierigen Wegen

Die Sohle übernimmt bei einem Bergschuh mehrere Aufgaben. Sie schützt vor spitzen Steinen, stabilisiert den Fuß und soll verhindern, dass der Träger auf nassem oder losem Untergrund wegrutscht. Ein ausgeprägtes Stollenprofil kann sich in weichen Boden eingraben und verbessert häufig den Halt bei steilen Auf- und Abstiegen. Gleichzeitig darf eine Sohle nicht isoliert betrachtet werden. Auch die Konstruktion des Schuhs, das Gewicht des Trägers und die Art der Bewegung beeinflussen, wie sicher ein Modell wirkt. Auf nassem Fels kann selbst ein grobes Profil an seine Grenzen kommen. Auf festen Wegen wiederum kann eine sehr steife und stark profilierte Sohle unnötig schwerfällig wirken. Der Mauria ist deshalb vor allem dort sinnvoll, wo Stabilität und Schutz wichtiger sind als maximale Leichtigkeit. Für lange Touren im anspruchsvollen Gelände kann das zusätzliche Gewicht gerechtfertigt sein, wenn der Schuh dafür mehr Kontrolle bietet.

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Bergschuhe aus Europa mit Fokus auf Passform

Als besonderes Merkmal verwies Lowa auf die Herstellung des Mauria in Deutschland. Auch die übrigen Produkte des Unternehmens stammten nach damaliger Darstellung aus europäischen Produktionsstätten. Eine Fertigung in Europa sagt für sich genommen noch nichts über die tatsächliche Qualität eines Schuhs aus. Sie ermöglicht jedoch kürzere Wege zwischen Entwicklung, Produktion und Qualitätskontrolle. Hinzu kommt die Erfahrung im Schuhbau. Über Jahrzehnte gewachsene Kenntnisse können vor allem bei Leisten, Materialverarbeitung und Sohlenkonstruktion eine Rolle spielen. Gerade die Passform ist bei Bergschuhen schwer zu standardisieren, weil sie nicht nur vom Modell, sondern auch von Größe, Geschlecht, Fußform und geplanter Nutzung abhängt. Ein Schuh sollte deshalb möglichst am Nachmittag anprobiert werden, wenn die Füße durch die Belastung des Tages etwas größer sind. Auch die Wandersocken, die später auf Tour getragen werden, gehören zur Anprobe. Vor den Zehen sollte genügend Platz bleiben, damit sie beim Abstieg nicht an die Schuhspitze stoßen.

Leichtes Textilmodell verzichtet auf Leder und Metallösen

Neben dem klassischen Lederbergschuh zeigte der Hersteller einen deutlich leichteren Ansatz. Das Obermaterial bestand vollständig aus Textil. Auf Leder und schwere Metallösen wurde verzichtet, um das Gewicht zu reduzieren. Die Konstruktion wirkte minimalistischer, sollte aber weiterhin ausreichend Halt für Bergtouren bieten. Dieser Trend zu leichteren Schuhen ist in vielen Bereichen des Wanderns zu beobachten. Weniger Gewicht am Fuß kann vor allem auf langen Strecken Kraft sparen. Jeder Schritt erfordert etwas weniger Energie, und der Bewegungsablauf fühlt sich häufig natürlicher an. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein leichter Schuh grundsätzlich die bessere Wahl ist. Wer einen schweren Rucksack trägt, zu instabilen Sprunggelenken neigt oder regelmäßig in grobem Gelände unterwegs ist, kann von einem festeren Modell profitieren. Ein leichter Textilschuh eignet sich eher für Nutzer, die ihre Route kennen und bewusst auf Gewicht verzichten möchten.

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Weniger Stollen begrenzen den Einsatz im groben Gelände

Der Gewichtsvorteil des Textilmodells entsteht nicht nur durch das Obermaterial. Auch die Sohle ist leichter aufgebaut und besitzt ein weniger ausgeprägtes Stollenprofil. Dadurch rollt der Schuh auf moderaten Wegen angenehmer ab, bietet aber auf sehr losem, steilem oder schlammigem Untergrund weniger Reserven. Die Wahl zwischen beiden Konzepten hängt daher vom geplanten Einsatz ab. Für befestigte Bergwege, leichtere Touren und Wanderungen mit überschaubarem Gepäck kann das reduzierte Modell ausreichen. Für Geröllfelder, schwierige Abstiege und unwegsames Gelände ist ein klassischer Bergschuh mit kräftigerer Sohle häufig die sicherere Lösung. Nicht der leichteste oder festeste Schuh ist automatisch der beste. Ein geeigneter Bergschuh muss zur Strecke, zur körperlichen Verfassung und zum Gepäck passen. Der Mauria setzt auf Schutz, Grip und Stabilität, während das leichtere Modell Beweglichkeit und ein geringeres Gewicht in den Vordergrund stellt. Wer vor dem Kauf realistisch einschätzt, wo und wie lange er unterwegs sein wird, trifft meist die bessere Entscheidung.