Trailrunning-Schuhe zwischen Performance und Nachhaltigkeit

von Andreas Bergmeier - 2024-02-14

Trailrunning stellt hohe Anforderungen an Schuhwerk. Unterschiedliche Untergründe, wechselnde Wetterbedingungen und starke mechanische Belastungen verlangen nach griffigen Sohlen, robusten Materialien und geringem Gewicht. Gleichzeitig wächst in der Sportartikelbranche der Druck, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten.

Wie sich diese beiden Ziele miteinander verbinden lassen, zeigte ein Konzept auf der Outdoor-Messe. Im Mittelpunkt standen Trailrunning-Schuhe, deren auffälligstes Merkmal auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint: Sie sind nahezu vollständig weiß. Dahinter steckt jedoch kein modischer Trend, sondern der Verzicht auf einen Teil der sonst üblichen Färbeprozesse.

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Adidas präsentiert Zero Dye für ungefärbte Trailrunning-Schuhe

Mit der sogenannten Zero-Dye-Kollektion verfolgt Adidas einen Ansatz, bei dem zahlreiche Materialien ohne zusätzliche Einfärbung verarbeitet werden. Das charakteristische Weiß entsteht nicht durch eine spezielle Farbe, sondern dadurch, dass viele Bestandteile ihre natürliche Materialfarbe behalten. Der Verzicht auf Färbeprozesse soll den Einsatz von Ressourcen reduzieren. Gleichzeitig dient das sichtbare Erscheinungsbild als bewusstes Erkennungsmerkmal der Kollektion. Nachhaltigkeit wird dadurch nicht nur Teil der Produktion, sondern auch unmittelbar am fertigen Produkt sichtbar. Neben den ungefärbten Materialien kommen auch recycelte Rohstoffe zum Einsatz. So enthält die Zwischensohle einen Anteil wiederverwerteten EVA-Materials. Dabei handelt es sich um Produktionsreste, die erneut verarbeitet werden und in die Herstellung neuer Schuhe einfließen.

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Continental-Außensohle verbindet Grip und Performance

Trotz der stärkeren Ausrichtung auf nachhaltigere Materialien steht die Funktionalität weiterhin im Mittelpunkt. Gerade Trailrunning-Schuhe müssen auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässigen Halt bieten. Aus diesem Grund setzt Adidas bei der Außensohle auf Gummimischungen von Continental. Im Unterschied zu anderen Komponenten handelt es sich hierbei bewusst nicht um recyceltes Material. Nach Angaben des Unternehmens soll dadurch die maximale Leistungsfähigkeit auf anspruchsvollen Trails gewährleistet werden. Bemerkenswert ist auch die Gestaltung des Sohlenprofils. Die Struktur orientiert sich an Mountainbike-Reifen und wird jeweils auf unterschiedliche Einsatzbereiche abgestimmt. Je nach Modell entstehen Profile für technisch anspruchsvolle Enduro-Strecken oder schnellere Wettkampfeinsätze im Gelände. Für Trailrunner bedeutet das eine Kombination aus hoher Traktion, kontrollierter Kraftübertragung und sicherem Halt auf wechselnden Untergründen.

Materialien und Konstruktion verfolgen unterschiedliche Ziele

Nachhaltigkeit beschränkt sich bei modernen Laufschuhen nicht auf einen einzelnen Werkstoff. Vielmehr müssen sämtliche Komponenten unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem:

  • ungefärbte Materialien zur Verringerung von Färbeprozessen
  • Recycling EVA-Anteile in der Zwischensohle
  • griffige Continental-Außensohlen für anspruchsvolles Gelände
  • robuste Konstruktionen für den Trailrunning-Einsatz
  • geringer Wartungs- und Materialaufwand über den gesamten Lebenszyklus
Gerade im Performance-Segment zeigt sich, dass ökologische und funktionale Anforderungen häufig gegeneinander abgewogen werden müssen. Während einige Bauteile problemlos aus recycelten Materialien gefertigt werden können, bleiben andere Komponenten aufgrund ihrer sicherheitsrelevanten Eigenschaften auf speziell entwickelte Werkstoffe angewiesen.

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Weiße Schuhe erzählen die Geschichte ihrer Nutzung

Besonders ungewöhnlich ist der gestalterische Gedanke hinter der Kollektion. Anders als klassische Outdoor Schuhe sollen die weißen Oberflächen nicht dauerhaft sauber bleiben. Schmutz, Staub oder Matsch gelten vielmehr als sichtbarer Ausdruck der zurückgelegten Wege. Jeder Einsatz hinterlässt Spuren, die den individuellen Gebrauch dokumentieren. Ein Schuh, der auf alpinen Trails unterwegs war, entwickelt dadurch ein anderes Erscheinungsbild als ein Modell, das überwiegend auf trockenen Waldwegen genutzt wurde. Dieser Ansatz stellt einen bewussten Gegenpol zum üblichen Wunsch nach möglichst makellosen Produkten dar. Gebrauchsspuren werden nicht als Mangel verstanden, sondern als Teil des Konzepts.

Nachhaltigkeit verändert auch den Outdoor-Markt

Die Entwicklung zeigt, dass Nachhaltigkeit inzwischen viele Bereiche der Sportartikelindustrie erreicht hat. Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um einzelne recycelte Materialien. Hersteller beschäftigen sich zunehmend mit Produktionsverfahren, Wasserverbrauch, Materialkreisläufen und langlebigen Konstruktionen. Gleichzeitig bleibt der Anspruch an die Leistungsfähigkeit bestehen. Gerade im Trailrunning akzeptieren Nutzer kaum Kompromisse bei Grip, Stabilität oder Dämpfung. Neue Konzepte müssen daher ökologische Verbesserungen mit sportlicher Funktion verbinden. Die auf der Outdoor-Messe vorgestellte Kollektion verdeutlicht diesen Spagat. Ungefärbte Materialien, recycelte Bestandteile und leistungsorientierte Komponenten stehen nicht im Widerspruch, sondern werden gezielt miteinander kombiniert. Das Ergebnis zeigt, dass nachhaltigere Produktentwicklung nicht zwangsläufig das Erscheinungsbild oder die Funktion eines Trailrunning-Schuhs einschränken muss, sondern neue gestalterische und technische Wege eröffnen kann.