Wanderrucksack mit besserer Lastverteilung und Belüftung

von Bastian Velonavy - 2024-02-14

Ein Wanderrucksack kann auf den ersten Kilometern angenehm wirken und sich später dennoch als Belastung erweisen. Mit zunehmender Strecke entscheidet weniger das reine Gewicht als die Frage, wie gleichmäßig die Last auf Schultern, Rücken und Hüfte verteilt wird. Vor allem bei längeren Touren muss das Tragesystem verhindern, dass der Rucksack nach hinten zieht oder punktuell auf den Körper drückt.

Auf der Outdoor-Messe stellte Deuter eine vollständig überarbeitete Futura-Serie vor. Der Hersteller hat nicht nur Farben, Form und Ausstattung verändert, sondern vor allem die Konstruktion am Rücken neu gedacht. Im Mittelpunkt steht das Aircomfort-Sensic-System, das eine bessere Lastübertragung mit der für Netzrücken typischen Belüftung verbinden soll.

Deuter überarbeitet die Futura-Serie grundlegend

Die Futura-Rucksäcke gehören seit Langem zum Sortiment des mehr als 100 Jahre alten Unternehmens. Bei der Neuentwicklung blieb deshalb kaum ein Bereich unangetastet. Neben der Designsprache wurden die Form des Rucksacks, die funktionale Ausstattung und der Aufbau des Tragesystems überarbeitet. Eine zentrale Rolle spielt weiterhin das Aircomfort-Prinzip. Dabei hält ein gespanntes Netz den eigentlichen Rucksackkörper auf Abstand zum Rücken. Zwischen beiden Flächen kann Luft zirkulieren, wodurch sich Wärme und Feuchtigkeit bei längeren Wanderungen weniger stark stauen sollen. Bei Netzrücken-Systemen besteht allerdings eine konstruktive Herausforderung: Die Last muss trotz des Abstands möglichst direkt auf den Körper übertragen werden. Genau an diesem Punkt setzt die neue Variante an. Der Schulterträgeransatz wurde stärker in die Rahmenkonstruktion eingebunden. Dadurch soll das Gewicht nicht ausschließlich an den Schultergurten hängen, sondern kontrollierter in das gesamte Tragesystem geleitet werden.

Outdoor Deuter Thomas Hilger
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Aircomfort Sensic verbessert die Kraftübertragung

Beim Aircomfort-Sensic-System gehen Netz, Rahmen und Hüftflossen enger ineinander über. Frühere Zwischenräume oder konstruktive Unterbrechungen konnten dazu führen, dass ein Teil der Kraftübertragung verloren ging. Bei der neuen Ausführung wurde der Übergang so gestaltet, dass die einzelnen Bauteile möglichst geschlossen zusammenarbeiten. Für den Träger bedeutet dies, dass sich ein schwer beladener Wanderrucksack weniger stark nach unten oder hinten ziehen soll. Das Gewicht verschwindet dadurch natürlich nicht. Es wird jedoch auf eine größere Fläche verteilt und stärker auf den Bereich der Hüfte übertragen. Eine gute Lastverteilung ist besonders auf längeren Strecken relevant. Liegt ein Großteil des Gewichts dauerhaft auf den Schultern, können Verspannungen und Druckstellen entstehen. Übernimmt dagegen der Hüftgurt einen größeren Anteil, werden Schultern und oberer Rücken entlastet. Voraussetzung dafür ist, dass die Hüftflossen korrekt sitzen und eng am Körper anliegen.

Rucksack Ergonomic Comfort Lock
Pull forward Schultertraeger Rucksack Deuter

Ergonomic Comfort Lock stabilisiert die Hüftflossen

Für die Positionierung der Hüftflossen nutzt Deuter das sogenannte Ergonomic Comfort Lock System, kurz ECL. Die Flossen sollen oberhalb des Hüftknochens sitzen, also in dem Bereich, in dem sich ein großer Teil der Last wirksam auf den Körper übertragen lässt. Dafür wurde der Ansatz der Hüftflossen weiter nach innen verlegt. Der Rucksack umschließt die Hüfte dadurch enger, ohne dass größere Abstände zwischen Polsterung und Körper entstehen. Ein differenzierter Schaumaufbau soll zugleich Halt und Bewegungsfreiheit ermöglichen. Entscheidend ist die Kombination mehrerer konstruktiver Merkmale:

  • direkte Einbindung der Schulterträger in die Rahmenkonstruktion
  • geschlossener Übergang vom Rückennetz zu den Hüftflossen
  • unterschiedlich aufgebaute Schaumbereiche an den Flossen
  • enger Sitz oberhalb der Hüftknochen
  • Belüftung durch den Abstand zwischen Netz und Rucksackkörper
Die Konstruktion richtet sich damit nicht allein an besonders schwere Trekkingtouren. Auch bei Tageswanderungen kann ein gut eingestelltes System spürbar dazu beitragen, dass sich das Gewicht über mehrere Stunden weniger belastend anfühlt.

Pull-Forward-System erleichtert die Anpassung

Wie gut ein Tragesystem funktioniert, hängt wesentlich von der richtigen Einstellung ab. Zuerst wird der Hüftgurt geschlossen und mit dem Pull-Forward-System nach vorn festgezogen. Diese Zugrichtung erleichtert es, die Hüftflossen eng an den Körper anzulegen. Erst danach werden die Schulterträger angepasst. Sie sollen den Rucksack stabilisieren, aber nicht das gesamte Gewicht tragen. Werden sie zu fest angezogen, kann der Rucksack zwar dicht am Rücken liegen, gleichzeitig steigt jedoch der Druck auf Schultern und Nacken. Sitzen sie zu locker, verlagert sich die Ladung nach hinten und beginnt bei Bewegungen stärker zu pendeln. Bei korrekter Einstellung schmiegen sich die Hüftflossen ohne sichtbare Lücken um die Hüfte. Das verändert zwar nicht die tatsächliche Masse des Gepäcks, wohl aber die subjektive Wahrnehmung. Im Messetest wirkte der beladene Rucksack nach dem Anpassen deutlich leichter, weil ein größerer Teil der Last über die Hüfte getragen wurde.

Aircomfort Tragesystem Rucksack Outdoor 2017
Rucksack Hueftflosse hoher Tragekomfort Deuter

Futura-Rucksack verbindet Netzrücken und festen Sitz

Netzrücken gelten im Outdoorbereich als besonders angenehm bei warmem Wetter, weil sie eine bessere Luftzirkulation ermöglichen. Lange Zeit war damit jedoch häufig ein Kompromiss verbunden: Je größer der Abstand zum Rücken, desto schwieriger kann eine körpernahe Lastführung werden. Mit der überarbeiteten Futura-Serie versucht Deuter, beide Eigenschaften enger zusammenzubringen. Der Rucksack soll ausreichend Abstand für die Belüftung bieten und zugleich fest um Hüfte und Schulterbereich sitzen. Rahmen, Netz und Gurtsystem dürfen dafür nicht als getrennte Bauteile arbeiten, sondern müssen die Belastung gemeinsam aufnehmen.

Für Wanderer ist diese Abstimmung häufig wichtiger als einzelne Zusatzfächer oder äußerliche Details. Ein schlecht sitzender Rucksack wird auch dann unangenehm, wenn er hochwertig verarbeitet und umfangreich ausgestattet ist. Umgekehrt kann eine gute Anpassung dazu führen, dass selbst größere Lasten über längere Zeit kontrolliert getragen werden können.

Deuter Backpack Outdoor Messe Friedrichshafen
Alpin Bergwandern Futura Deuter Rucksaecke

Weitere Rucksäcke für Trekking, Reisen und Winter

Die Neuentwicklung der Futura-Serie ist Teil einer umfassenderen Überarbeitung des Sortiments. Im Vergleich zu den neuen Modellen wirken Produktreihen, die noch nicht aktualisiert wurden, zwangsläufig älter. Der Hersteller sieht deshalb weiteren Entwicklungsbedarf in mehreren Bereichen. Dazu zählen insbesondere Trekkingrucksäcke, Reisegepäck und Modelle für den Wintereinsatz. Die Anforderungen unterscheiden sich erheblich. Trekkingrucksäcke müssen größere Lasten aufnehmen, Reiserucksäcke benötigen eine andere Innenaufteilung und Wintermodelle zusätzliche Befestigungsmöglichkeiten für Ausrüstung.

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Hiking new Futura Deuter Rucksaecke

Die Futura-Serie zeigt, welche Richtung diese Entwicklung nehmen kann. Tragesysteme werden stärker als zusammenhängende Konstruktion betrachtet, bei der Belüftung, Stabilität und ergonomische Lastverteilung voneinander abhängen. Entscheidend ist am Ende nicht allein, wie schwer ein Rucksack beladen ist, sondern wie sicher und körpernah sich dieses Gewicht auf einer Wanderung tragen lässt.