Ein Multitool soll möglichst viele Aufgaben übernehmen, ohne selbst zum schweren Werkzeugkasten zu werden. Für Kameraleute, Handwerker, Techniker oder Outdoor-Nutzer gehört es deshalb häufig zur festen Ausrüstung. Zange, Messer, Säge und Schraubendreher sind auf engem Raum untergebracht und können kleinere Reparaturen erledigen, wenn kein vollständiger Werkzeugsatz verfügbar ist.
Auf der Outdoor-Messe zeigte Leatherman, wie sich das klassische Konzept weiterentwickeln lässt. Im Mittelpunkt standen austauschbare Bits, kompakte Messer, ein Modell ohne Klinge sowie ein Werkzeugarmband mit 29 Funktionen. Die Neuheiten richteten sich nicht allein an Menschen, die mehrere Tage in der Wildnis verbringen. Viele Funktionen waren ebenso für den beruflichen Alltag, Reisen oder kleinere Arbeiten unterwegs gedacht.
Die Grundform des Multitools hat sich über Jahrzehnte kaum verändert. Zwei Griffe umschließen eine Zange, während weitere Werkzeuge in den Griffschalen untergebracht sind. Die Weiterentwicklung findet deshalb vor allem bei Details, Materialien und austauschbaren Komponenten statt. Eine wichtige Rolle spielen Bit-Sets. Statt mehrere fest eingebaute Schraubendreher mitzuführen, lässt sich ein Einsatz gegen unterschiedliche Profile austauschen. Je nach Aufgabe können Kreuzschlitz-, Torx- oder Innensechskant-Bits verwendet werden. Dadurch wird das Werkzeug vielseitiger, ohne dass sein Gehäuse wesentlich größer werden muss. Für Nutzer aus der Film- und Veranstaltungstechnik ist diese Flexibilität besonders praktisch. An Kameras, Stativen, Halterungen und Leuchten kommen verschiedene Schraubenprofile zum Einsatz. Auch Fahrradfahrer, Monteure oder Camper profitieren davon, wenn sie die benötigten Bits gezielt zusammenstellen können. Das Multitool ersetzt damit zwar keinen vollständigen Werkzeugsatz, deckt aber viele typische Reparaturen unterwegs ab.
Trotz neuer Funktionen bilden Zange, Messer und Säge weiterhin den Kern vieler Modelle. Die Zange eignet sich zum Greifen, Biegen oder Halten kleiner Bauteile. Ein Messer übernimmt Schneidarbeiten, während die Säge bei Ästen, Kunststoff oder vergleichbaren Materialien eingesetzt werden kann. Wie intensiv diese Werkzeuge tatsächlich genutzt werden, zeigt sich nach Angaben des Herstellers vor allem an verschlissenen Sägen. Einzelne Komponenten lassen sich bei bestimmten Modellen abschrauben und im Rahmen des Services ersetzen. Nutzer konnten ihr Werkzeug einschicken, ohne zwingend eine Rechnung oder eine ausführliche Begründung vorlegen zu müssen. Ein solcher Service ist bei langlebigen Werkzeugen von Bedeutung. Ein beschädigtes Einzelteil muss nicht zwangsläufig dazu führen, dass das komplette Multitool ersetzt wird. Austauschbare Komponenten verlängern die Nutzungsdauer und sind damit auch unter dem Gesichtspunkt des Ressourcenverbrauchs sinnvoll. Entscheidend bleibt allerdings, welche Teile tatsächlich separat gewechselt werden können und ob die Reparatur wirtschaftlich bleibt.
Für Nutzer, die abseits befestigter Wege unterwegs sind, zeigte das Unternehmen ein Modell mit integriertem Feuerstein. Damit lässt sich unter geeigneten Bedingungen ein Funken erzeugen, um trockenes Zündmaterial zu entflammen. Eine solche Funktion richtet sich vor allem an Menschen, die campen, wandern oder längere Touren unternehmen. Der praktische Nutzen hängt jedoch stark vom Einsatzgebiet ab. Im beruflichen Alltag eines Kameramanns oder Technikers dürfte ein Feuerstein nur selten benötigt werden. Für Outdoor-Nutzer kann er dagegen eine zusätzliche Absicherung darstellen, wenn Streichhölzer feucht geworden sind oder ein Feuerzeug versagt. Das Beispiel zeigt zugleich, wie unterschiedlich die Anforderungen an Multitools inzwischen sind. Ein Modell für die Werkstatt benötigt andere Funktionen als ein Werkzeug für eine Trekkingtour. Statt möglichst viele Einzelteile einzubauen, kommt es darauf an, die Ausstattung auf den tatsächlichen Bedarf abzustimmen. Jedes zusätzliche Werkzeug erhöht Gewicht und Umfang, ohne automatisch einen praktischen Mehrwert zu bieten.
Mit der Skeletool-Familie wollte Leatherman eine Zielgruppe ansprechen, der klassische Multitools zu schwer oder zu technisch erscheinen. Die gezeigten Messer waren minimalistisch gestaltet, in mehreren Farben erhältlich und sollten sich unkompliziert am Gürtel oder Rucksack befestigen lassen. Neben einer scharfen Klinge war ein Flaschenöffner integriert. Der Clip diente zugleich zur Befestigung an Kleidung oder Ausrüstung. Die damaligen Preise lagen je nach Variante bei 35 beziehungsweise 39 Euro. Damit waren die Modelle deutlich günstiger als umfangreiche Multitools mit Zange und zahlreichen ausklappbaren Werkzeugen. Die farbliche Gestaltung sollte ausdrücklich nicht nur Männer ansprechen. Nach Angaben des Unternehmens bestand die bisherige Käuferschicht zu mehr als 90 Prozent aus Männern. Mit leichteren, kompakteren und gestalterisch vielfältigeren Modellen sollte das Sortiment breiter aufgestellt werden. Dabei wäre es zu kurz gegriffen, kleinere Werkzeuge lediglich als Produkte für Frauen zu betrachten. Geringes Gewicht und eine reduzierte Ausstattung sind für alle Nutzer interessant, die nur wenige Funktionen benötigen. Ein leichtes Messer mit Clip kann im Alltag sinnvoller sein als ein großes Multitool, das wegen seines Gewichts schließlich zu Hause bleibt.
Neben dem kompakten Messer wurde eine Variante ohne Klinge vorgestellt. Sie besaß stattdessen unter anderem eine Schere, einen Flaschenöffner und einen Korkenzieher. Ein solches Modell kann auf Reisen interessant sein, weil es auf Schneidwerkzeuge mit langer Messerklinge verzichtete. Ob ein Werkzeug im Handgepäck mitgeführt werden darf, richtet sich allerdings nach den jeweils geltenden Sicherheitsbestimmungen und der Entscheidung der Kontrolle vor Ort. Scheren, Spitzen und andere Werkzeuge können abhängig von Größe, Bauart und Reiseziel unterschiedlich bewertet werden. Vor einem Flug sollten deshalb stets die aktuellen Vorgaben der Fluggesellschaft und der zuständigen Behörden geprüft werden. Das Modell B2 verfolgte den entgegengesetzten Ansatz. Es konzentrierte sich auf zwei Messer: eine Klinge mit Wellenschliff und eine mit glatter Schneide. Der Wellenschliff eignet sich besonders für faserige Materialien wie Seile oder Gurte, während eine glatte Klinge saubere Schnitte bei vielen alltäglichen Arbeiten ermöglicht.
Das ungewöhnlichste Produkt der Präsentation war das Tread. Das massive Metallarmband bestand aus einzelnen Gliedern, die zugleich als Werkzeuge dienten. Insgesamt waren 29 Funktionen integriert, darunter Torx-, Innensechskant- und Ringschlüssel sowie ein Paketöffner und ein Dorn für SIM-Karten. In der Schließe befand sich außerdem ein Flaschenöffner. Anders als ein klassisches Multitool wurde das Tread sichtbar am Handgelenk getragen. Damit verband es Werkzeug und Schmuckstück und rückte stärker in den Bereich des Lifestyle-Zubehörs. Der Ansatz ist praktisch, hat aber Grenzen. Ein Armband kann aufgrund seiner flachen Glieder keine vollwertige Zange oder lange Klinge ersetzen. Auch bei stark angezogenen Schrauben ist die Kraftübertragung begrenzt. Für kleinere Arbeiten, das Öffnen von Paketen oder den Wechsel einer SIM-Karte können die integrierten Funktionen dennoch ausreichen. Diskutiert wurde damals auch die Möglichkeit, künftig einen herausziehbaren USB-Stick in das Armband zu integrieren. Damit hätte sich das mechanische Werkzeug erstmals stärker mit digitaler Technik verbunden. Der Gedanke verdeutlicht, wie sich das Multitool weiterentwickeln könnte: nicht durch eine immer größere Zahl ähnlicher Klingen und Schraubendreher, sondern durch Funktionen, die auf den modernen Alltag zugeschnitten sind. Ob Feuerstein, Bit-Set, kompaktes Messer oder Werkzeugarmband – die vorgestellten Modelle folgten keinem einheitlichen Einsatzgebiet. Gemeinsam war ihnen der Versuch, möglichst nützliche Funktionen auf engem Raum unterzubringen. Entscheidend bleibt dabei nicht die höchste Zahl an Werkzeugen, sondern die Frage, welche davon unterwegs tatsächlich gebraucht werden.