Auf einer Outdoor-Messe wirken Regenschirme zunächst wie Fremdkörper. Zwischen Funktionsjacken, Zelten und Rucksäcken gelten sie eher als Zubehör für den Alltag denn als Ausrüstung für längere Wanderungen. Spezielle Wander- und Trekkingschirme verfolgen jedoch einen anderen Ansatz: Sie sollen wenig wiegen, hohen Windbelastungen standhalten und den Körper vor Regen schützen, ohne die Bewegungsfreiheit stark einzuschränken.
Euroschirm zeigte auf der Messe mehrere Modelle, die für diesen Einsatz entwickelt wurden. Im Mittelpunkt standen ein besonders leichter und flexibler Wanderschirm sowie eine handfreie Variante, die direkt am Rucksack befestigt werden kann. Beide Konzepte reagieren auf ein typisches Problem bei Touren: Wer bei Regen unterwegs ist, möchte geschützt bleiben, ohne ständig einen Schirm in der Hand halten oder unter einer geschlossenen Kapuze schwitzen zu müssen.
Der Birdiepal Outdoor wiegt nach Herstellerangaben rund 208 Gramm und gehört damit zu den leichten Modellen im Sortiment. Entscheidend ist jedoch nicht nur das geringe Gewicht, sondern die Konstruktion. Das Gestell besteht aus hochflexibler Glasfaser und soll dadurch erheblich belastbarer sein als klassische Schirme mit starren Metallkomponenten. Bei starkem Wind kann sich die Kuppel eines Regenschirms umstülpen. Bei einfachen Modellen führt das schnell zu verbogenen Streben oder gebrochenen Gelenken. Die Glasfaserkonstruktion des Birdiepal Outdoor ist darauf ausgelegt, solche Bewegungen mitzumachen. Nach dem Umklappen lässt sich der Schirm wieder in seine ursprüngliche Form bringen, ohne dass die tragenden Teile brechen. Auf der Messe wurde die Belastbarkeit demonstriert, indem der geschlossene Schirm stark gebogen und sogar als kurzfristige Sitzfläche verwendet wurde. Solche Vorführungen ersetzen zwar keinen normierten Belastungstest, zeigen aber, worauf die Konstruktion ausgerichtet ist: hohe Elastizität statt maximaler Steifigkeit.
Ein Regenschirm konkurriert im Outdoor-Bereich vor allem mit wasserdichten Jacken. Moderne Hardshells schützen zuverlässig vor Niederschlag, können bei körperlicher Anstrengung jedoch trotz atmungsaktiver Materialien zu einem spürbaren Wärmestau führen. Besonders beim Aufstieg entsteht unter Jacke und Kapuze schnell Feuchtigkeit, die nicht allein vom Regen stammt. Ein Wanderschirm hält den Oberkörper von oben trocken, ohne Kopf und Hals vollständig abzuschließen. Die Luft kann weiterhin zirkulieren, und die Sicht zur Seite bleibt weitgehend frei. Gerade auf übersichtlichen Wegen oder bei warmem Regen kann das angenehmer sein als eine dauerhaft geschlossene Kapuze. Zu den funktionalen Vorteilen gehören:
Das Halten eines Schirms kann auf längeren Strecken störend sein. Wanderstöcke, Karten, GPS-Geräte oder schwierige Wegpassagen erfordern häufig beide Hände. Für diesen Einsatz bietet Euroschirm mit dem Swing Handsfree ein Modell an, das an den Schulterträgern eines Rucksacks befestigt wird. Zum Lieferumfang gehören Clips, mit denen der Schaft an zwei Punkten fixiert werden kann. Durch die Befestigung links oder rechts lässt sich der Schirm gegen die jeweilige Wind- und Regenrichtung ausrichten. Der verlängerte Schaft schafft dabei ausreichend Abstand zwischen Kuppel und Kopf. Die Konstruktion ist nicht mit jedem beliebigen Modell kombinierbar. Der handfreie Einsatz erfordert einen dafür vorgesehenen Schirm mit ausziehbarem und arretierbarem Schaft. Dieser wird durch Drehen gelöst, auf die benötigte Länge ausgezogen und anschließend wieder fixiert. Für Wanderer mit eigenem Rucksack genügt in der Regel die Befestigung an den vorhandenen Schultergurten. Wer ohne Rucksack unterwegs ist, kann ein separates Tragesystem nutzen. Nach den auf der Messe genannten Angaben lag der Verkaufspreis des Swing Handsfree damals bei 69,90 Euro. Der Birdiepal Outdoor wurde mit 59,90 Euro angegeben.
Bei einem gewöhnlichen Alltagsschirm spielen wenige hundert Gramm Unterschied kaum eine Rolle. Auf einer längeren Wanderung wird jedoch jedes zusätzliche Gewicht über viele Kilometer getragen. Hersteller müssen deshalb Material einsparen, ohne die Stabilität zu stark zu reduzieren. Glasfaser eignet sich für diesen Zweck, weil sie leicht, korrosionsbeständig und elastisch ist. Gleichzeitig muss die gesamte Konstruktion so abgestimmt sein, dass Schaft, Streben, Gelenke und Bespannung gemeinsam auf Wind reagieren. Ein extrem steifer Schirm kann zwar bei ruhigen Bedingungen stabil wirken, bei plötzlichen Böen jedoch schneller beschädigt werden. Auch die Größe bleibt ein Kompromiss. Eine breite Kuppel bietet mehr Regenschutz, vergrößert aber die Angriffsfläche für Wind. Ein kompakter Schirm ist leichter zu kontrollieren, schützt dafür einen kleineren Bereich. Bei Trekkingschirmen kommt es deshalb weniger auf eine einzelne Eigenschaft als auf das Verhältnis aus Gewicht, Fläche und Flexibilität an.
Die weitere Entwicklung geht nach Angaben des Herstellers vor allem in drei Richtungen: geringeres Gewicht, höhere Stabilität und mehr handfreie Modelle. Besonders die Rucksackbefestigung erweitert den Einsatzbereich, weil sie den Schirm von einem Gegenstand in der Hand zu einem Bestandteil des Tragesystems macht. Für breite Wanderwege, Pilgerstrecken oder längere Touren in warmen Regionen kann dieses Prinzip überzeugend sein. In engem Gelände, bei starkem Seitenwind oder unter niedrigen Ästen stößt es naturgemäß an Grenzen. Die Wahl hängt deshalb stark vom geplanten Einsatz ab. Euroschirm positioniert seine Modelle nicht als modisches Zubehör, sondern als funktionale Ausrüstung. Form und Materialien folgen vor allem den Anforderungen unterwegs. Damit wird der Regenschirm zu einer ernsthaften Alternative für Situationen, in denen klassische Regenbekleidung zwar schützt, zugleich aber Sicht, Belüftung oder Bewegungsfreiheit einschränkt.