In der modernen Fertigung entscheiden oft wenige Mikrometer über die Funktion eines Bauteils. Ob in der Automobilindustrie, in der Hydrauliktechnik oder in der Luftfahrt – höchste Anforderungen an Ebenheit, Parallelität und Oberflächenqualität gehören heute zum Standard.
Auf der Grindtec präsentierte das Traditionsunternehmen Lapmaster Wolters Maschinenkonzepte, die genau auf diese Präzisionsanforderungen ausgelegt sind. Im Mittelpunkt standen Feinschleif- und Profilschleifmaschinen, die Werkstücke im Bereich von Zehntel-, Hundertstel- und sogar Mikrometertoleranzen bearbeiten. Die Oberflächenbearbeitung entwickelt sich dabei zunehmend zu einer Schlüsseltechnologie. Denn viele Präzisionsbauteile erhalten ihre endgültigen Eigenschaften erst durch den letzten Bearbeitungsschritt. Selbst minimale Abweichungen können die Funktion komplexer Baugruppen beeinflussen.
Lapmaster Wolters entwickelt Maschinen für das Schleifen, Läppen und Polieren von Präzisionswerkstücken. Der Schwerpunkt liegt auf Anwendungen, bei denen höchste Genauigkeiten erforderlich sind. Das Unternehmen bietet nicht nur die Maschinen selbst an, sondern auch abgestimmte Bearbeitungsprozesse, die auf die jeweilige Anwendung zugeschnitten werden. Die Anforderungen der Kunden sind dabei sehr unterschiedlich. Während in einigen Branchen höchste Ebenheiten gefordert werden, stehen in anderen Bereichen definierte Dicken oder exakte Parallelitäten im Vordergrund. Gemeinsam ist allen Anwendungen, dass selbst kleinste Abweichungen erhebliche Auswirkungen auf die spätere Funktion der Bauteile haben können.
Zu den Messehighlights gehörte die Feinschleifmaschine AC 700 F. Die Bezeichnung verweist auf den Durchmesser der Feinschleifscheiben von 700 Millimetern. Die Maschine dient der hochpräzisen Bearbeitung von Werkstücken, bei denen Parallelitäten und Ebenheiten im Bereich weniger Mikrometer gefordert werden. Im Gegensatz zu konventionellen Schleifprozessen sind die Bearbeitungsergebnisse mit bloßem Auge kaum erkennbar. Materialabträge bewegen sich im Bereich von Zehntel- und Hundertstelmillimetern. Die entscheidenden Qualitätsmerkmale zeigen sich ausschließlich in der Oberflächenbeschaffenheit und den erreichten Toleranzen.
Viele Werkstücke besitzen zwei funktionale Flächen, die nahezu perfekt parallel zueinander liegen müssen. Gleichzeitig dürfen die Dickenschwankungen nur minimale Werte erreichen, da sich Toleranzen später in Baugruppen addieren können. Die wichtigsten Eigenschaften der AC 700 F:
Neben der Feinschleiftechnik präsentierte Lapmaster Wolters eine neue Micron-Profilschleifmaschine. Diese Maschinen dienen dazu, definierte Konturen mit sehr hohen Genauigkeiten in Werkstücke einzubringen. Die unterschiedlichen Baugrößen unterscheiden sich dabei hauptsächlich in ihrer Bearbeitungsbreite. Der Hersteller beschreibt die Maschine mit drei Begriffen: zuverlässig, flexibel und kompakt. Die Zuverlässigkeit wird durch moderne CNC-Steuerungen sowie ein Maschinenbett erreicht, das mit Spezialbeton ausgegossen ist. Diese Konstruktion verbessert die Schwingungsdämpfung und erhöht die thermische Stabilität. Zusätzlich sind die Spindeln wassergekühlt. Dadurch werden temperaturbedingte Ausdehnungen reduziert, die bei hochpräzisen Schleifprozessen bereits zu messbaren Abweichungen führen könnten.
Ein wesentliches Merkmal der Micron-Baureihe ist ihre Anpassungsfähigkeit. Unterschiedliche Spindelausführungen ermöglichen die Konfiguration der Maschinen für verschiedene Leistungsbereiche, Drehzahlen und Werkzeugdurchmesser.
Darüber hinaus können die Anlagen mit Automatisierungslösungen kombiniert werden. Eine Variante arbeitet beispielsweise mit einem Index-Tisch. Während im hinteren Bereich der Maschine geschliffen wird, können Werkstücke im vorderen Bereich bereits be- und entladen werden. Dieser parallele Ablauf erhöht den Durchsatz erheblich und reduziert Stillstandszeiten. Die Automatisierung gewinnt insbesondere in Branchen mit hohen Stückzahlen zunehmend an Bedeutung. Unternehmen suchen nach Möglichkeiten, Produktivität zu steigern, ohne gleichzeitig die Präzisionsanforderungen zu gefährden.
Ein besonderes Konstruktionsmerkmal der Micron-Maschinen ist die sogenannte Moving-Rail-Head-Technologie. Dabei übernimmt die Schleifspindel sämtliche Bewegungen in allen Achsen, während das Werkstück selbst unbewegt bleibt. Durch dieses Konzept lassen sich außergewöhnlich kompakte Maschinen realisieren. Die kleinste Ausführung besitzt eine Breite von lediglich 1,5 Metern und ermöglicht dennoch hochproduktive Schleifprozesse auf begrenztem Raum.
Die Kombination aus Präzision, Kompaktheit und Flexibilität eröffnet neue Möglichkeiten für Unternehmen mit eingeschränkten Platzverhältnissen oder komplexen Bearbeitungsanforderungen. Lapmaster Wolters sieht insbesondere in den Bereichen Automotive, Hydraulik und Luftfahrt weiteres Wachstumspotenzial. Gerade diese Industrien verlangen immer präzisere Bauteile, kürzere Taktzeiten und eine höhere Prozesssicherheit. Die auf der Grindtec präsentierten Maschinen zeigen, dass moderne Oberflächenbearbeitung längst über das klassische Schleifen hinausgeht. Sie entwickelt sich zu einer hochspezialisierten Schlüsseltechnologie, bei der Mikrometer über Qualität, Lebensdauer und Funktion ganzer Systeme entscheiden können.