Schleifmaschinen gelten in der Fertigung als hochspezialisierte Werkzeuge. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Flexibilität, Präzision und Prozessintegration kontinuierlich.
Immer häufiger sollen mehrere Bearbeitungsschritte in einer einzigen Aufspannung durchgeführt werden, um Rüstzeiten zu reduzieren und die Prozesssicherheit zu erhöhen. Auf der Grindtec zeigte sich, wie Maschinenhersteller auf diese Entwicklung reagieren. Im Mittelpunkt des Messeauftritts von Wema Glauchau stand eine Schleifmaschine, die durch einen integrierten Werkzeugwechsler deutlich mehr Bearbeitungsmöglichkeiten eröffnet. Der Ansatz des Unternehmens lässt sich mit einem Begriff zusammenfassen: individuelle Maschinen statt standardisierter Lösungen. Die Verantwortlichen sprechen von „Maßanzügen“ für Schleifprozesse – also von Maschinen, die gezielt an die Anforderungen eines Kunden angepasst werden.
Die Geschichte von Wema Glauchau reicht mehr als 130 Jahre zurück. Das Unternehmen verfügt über ein breit gefächertes Produktionsprogramm, das von Universalbearbeitungsmaschinen über Außenschleifmaschinen bis hin zu Wälzlagerschleifmaschinen reicht. Zu den Kunden zählen unter anderem Unternehmen aus der Wälzlagerindustrie. Seit 2013 gehört der Hersteller zur international tätigen Niles-Simmons-Hegenscheidt-Gruppe. Durch die weltweiten Niederlassungen des Konzerns können individuell entwickelte Maschinen in zahlreichen Märkten vertrieben und betreut werden.
Die eigentliche Besonderheit sieht das Unternehmen jedoch nicht in seiner Größe, sondern in der Anpassungsfähigkeit seiner Maschinen. Kunden kommen häufig mit sehr spezifischen Anforderungen. Mal werden mehrere Innenschleifspindeln benötigt, mal besondere Werkzeugkonfigurationen oder zusätzliche Bearbeitungsschritte. Die Maschinen werden deshalb auf Grundlage der jeweiligen Aufgabenstellung ausgelegt und nicht nach einem festen Standardprinzip konfiguriert.
Als Messehighlight präsentierte Wema Glauchau die Wotan S3U. Der Name Wotan besitzt im Unternehmen eine lange Tradition und steht für eine Maschinenreihe, die kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die entscheidende Neuerung liegt im integrierten Werkzeugwechsler. Dadurch erhöht sich die Zahl der verfügbaren Werkzeuge deutlich. Komplexe Bearbeitungsprozesse können in einer einzigen Aufspannung durchgeführt werden, was die Produktivität erhöht und zusätzliche Umspannvorgänge vermeidet.
Während bisher lediglich drei Werkzeuge für die Innenbearbeitung zur Verfügung standen, können nun bis zu sieben Werkzeuge implementiert werden. Hinzu kommen weitere Werkzeuge auf der Außenschleifeinheit. Zu den möglichen Anwendungen gehören:
In der Schleiftechnik gilt jede zusätzliche Aufspannung als potenzielle Fehlerquelle. Jede Neupositionierung eines Werkstücks kann Toleranzen beeinflussen und die Bearbeitungszeit verlängern. Die Erweiterung des Werkzeugwechslers verfolgt deshalb einen klaren Ansatz: möglichst viele Bearbeitungsschritte in einem durchgängigen Prozess abzubilden. Der Bediener kann verschiedene Werkzeuge automatisch wechseln lassen, ohne das Werkstück neu einspannen zu müssen. Für die Anwender eröffnet dies zusätzliche Möglichkeiten. Nicht nur Schleifwerkzeuge, sondern auch Messwerkzeuge oder Werkzeuge für ergänzende Bearbeitungsschritte können in den Prozess integriert werden. Selbst kleinere Bohrbearbeitungen lassen sich innerhalb der Maschine ausführen. Dadurch entwickelt sich die Schleifmaschine zunehmend zu einem multifunktionalen Bearbeitungszentrum.
Die Wotan-Baureihe deckt ein breites Anwendungsspektrum ab. In der kleineren Zweier-Baureihe können Werkstücke mit Umlaufdurchmessern bis 200 Millimeter bearbeitet werden. Größere Maschinen erreichen Durchmesser von bis zu 600 oder 700 Millimetern. Diese Bandbreite ermöglicht den Einsatz in unterschiedlichen Industriebereichen – von kleineren Präzisionsbauteilen bis hin zu großen Komponenten der Wälzlagertechnik oder des allgemeinen Maschinenbaus. Gerade in der Wälzlagerindustrie steigen die Anforderungen an Genauigkeit und Wirtschaftlichkeit kontinuierlich. Maschinen müssen nicht nur präzise arbeiten, sondern gleichzeitig flexibel genug sein, um unterschiedliche Werkstückvarianten effizient bearbeiten zu können.
Trotz der aktuellen Neuerungen sieht Wema Glauchau die Entwicklung keineswegs als abgeschlossen an. Künftige Fortschritte werden nach Einschätzung des Unternehmens insbesondere durch Industrie-4.0-Konzepte geprägt. Bereits heute werden Gespräche mit namhaften Anwendern aus der Wälzlagertechnik geführt. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Vernetzung, der Datenauswertung und der intelligenten Prozesssteuerung.
Die Schleifmaschine entwickelt sich damit zunehmend von einer einzelnen Werkzeugmaschine zu einem Bestandteil digital vernetzter Produktionssysteme. Werkzeugwechsel, Messprozesse und Bearbeitungsparameter lassen sich künftig noch enger miteinander verknüpfen. Auf der Messe Grindtec zeigt sich, dass moderne Schleiftechnik weit über klassische Bearbeitungsaufgaben hinausgeht. Flexible Maschinenkonzepte, automatische Werkzeugwechsel und die Integration zusätzlicher Prozesse eröffnen neue Möglichkeiten, komplexe Fertigungsaufgaben in einer einzigen Aufspannung zu bewältigen. Gerade in Branchen mit hohen Präzisionsanforderungen dürfte dieser Ansatz in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.