Holzbrillen, 3D-Druck und Design zwischen Handwerk und Technologie

von Franziska Zuber - 2026-01-21

Seit vielen Jahren prägen Holzbrillen das Bild einer kleinen, spezialisierten Brillenmanufaktur, die sich bewusst außerhalb kurzlebiger Modetrends positioniert. Rolf. arbeitet seit rund anderthalb Jahrzehnten mit dem Werkstoff Holz und hat sich damit eine klare gestalterische Handschrift erarbeitet.

Gleichzeitig zeigt sich im aktuellen Sortiment, dass Stillstand keine Option ist. Formen, Materialien und Fertigungsprozesse werden kontinuierlich hinterfragt und weiterentwickelt – nicht aus modischem Aktionismus, sondern aus einem gestalterischen und technologischen Anspruch heraus. Holz bleibt dabei ein zentrales Element. Es ist Werkstoff, Identität und Ausgangspunkt. Doch gerade weil Holzbrillen längst etabliert sind, entsteht immer wieder der Wunsch, neue Wege zu gehen, ohne die eigenen Wurzeln zu verlassen. Genau an diesem Punkt setzt die aktuelle Entwicklung an.

Brillendesign technisch funktional und farblich zurueckhaltend

Neue Formen als bewusste Weiterentwicklung

Im Design zeigt sich eine vorsichtige, aber erkennbare Öffnung. Die aktuellen Modelle greifen progressivere Formen auf, die sich klar von früheren Kollektionen unterscheiden, ohne deren Charakter zu verleugnen. Es geht nicht um radikale Brüche, sondern um Nuancen: weichere Übergänge, mutigere Linien, neue Proportionen. Diese Weiterentwicklung entsteht nicht am Reißbrett unter Trenddruck, sondern aus dem eigenen Anspruch heraus, Gestaltung weiterzudenken. Die Kollektion soll Frische ausstrahlen, ohne laut zu wirken. Gerade diese Zurückhaltung ist Teil der gestalterischen Haltung.

Brillen mit neuen Formen als bewusste Weiterentwicklung
3D Druck als konstruktiver Vorteil beim Design von Brillen

3D-Druck als konstruktiver Vorteil

Parallel zur Arbeit mit Holz hat sich der 3D-Druck als zweite tragende Säule etabliert. Die sogenannten Bohnenbrillen werden bereits seit mehreren Jahren gefertigt und konsequent weiterentwickelt. Der additive Fertigungsprozess ermöglicht Konstruktionen, die mit klassischen Verfahren kaum realisierbar wären. Ein zentrales Element ist das integrierte Gelenk. Statt Metallteile einzusetzen oder separate Komponenten zu montieren, wird das Gelenk direkt mitgedruckt. Das reduziert Bauteile, minimiert Verschleiß und vereinfacht die Montage erheblich. Gleichzeitig steigt die konstruktive Freiheit. Der 3D-Druck bringt mehrere Effekte zusammen, die für die Produktion entscheidend sind:

  • Weniger Einzelteile durch integrierte Funktionen
  • Reduzierter Montageaufwand und geringerer Verschleiß
  • Hohe Flexibilität bei Formen und Geometrien
  • Produktion ohne klassische Lagerhaltung
Diese Aspekte machen die Fertigung nicht nur effizient, sondern auch wirtschaftlich tragfähig – selbst bei vergleichsweise kleinen Stückzahlen.

Rolf Holzbrillen 3D Druck und Design Handwerk und Technologie

Farbe als technologischer Entwicklungsschritt

Lange galt der 3D-Druck bei Brillen als technisch, funktional, farblich zurückhaltend. Genau hier setzte eine mehrjährige Entwicklungsarbeit an. Im eigenen Haus wurde erforscht, wie sich Farben dauerhaft und hochwertig auf 3D-gedruckte Oberflächen applizieren lassen. Das Ergebnis eröffnet neue gestalterische Möglichkeiten und erschließt zugleich Märkte, in denen Farbe eine größere Rolle spielt, etwa in Frankreich. Farbe wird dabei nicht als modischer Effekt verstanden, sondern als Erweiterung des gestalterischen Vokabulars. Die zugrunde liegende Haltung bleibt gleich: Technologie wird nicht eingesetzt, weil sie verfügbar ist, sondern weil sie verstanden wird. Erst das Verständnis der „Wurzeln“ eines Verfahrens erlaubt es, dessen Potenzial sinnvoll auszuschöpfen.

Produktion auf Bestellung statt Lagerlogik

Ein weiterer zentraler Aspekt ist das Produktionsmodell. Gefertigt wird ausschließlich auf Bestellung. Klassische Lagerhaltung mit hohen Stückzahlen existiert nicht. Auch hier spielt der 3D-Druck seine Stärken aus: Produktionszeiten von wenigen Wochen sind realisierbar, ohne Vorfinanzierung großer Serien. Diese Logik folgt einer klaren Philosophie. Niemand möchte tausende Brillen auf Vorrat produzieren, nur um Marktbewegungen zu antizipieren. Stattdessen wird bedarfsgerecht gefertigt – effizient, ressourcenschonend und zeitgemäß. In dieser Konsequenz unterscheidet sich Rolf. deutlich von industriell geprägten Herstellern.

Brillenmodelle Brillenmanufaktur Rolf

Fusion aus Holz und additiver Fertigung

Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der Fusion-Kollektion. Hier treffen 3D-Druck und Holzfurnier direkt aufeinander. Echtholzfurniere mit unterschiedlichen Gravuren werden mit additiv gefertigten Strukturen kombiniert. Das Ergebnis ist keine technische Spielerei, sondern eine konsequente Verbindung zweier Kompetenzen. Holzverarbeitung und digitale Fertigung ergänzen sich. Die Erfahrung im Umgang mit natürlichen Materialien trifft auf die Präzision moderner Technologien. Gerade diese Kombination macht den Reiz der Kollektion aus, ohne sie erklärungsbedürftig wirken zu lassen.

Holzbrillen auf der opti Muenchen
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Ruhe als gestalterisches Prinzip

Abseits technischer Details spielt auch der Standort eine Rolle. Die Nähe zur Natur prägt die Haltung. Trends werden wahrgenommen, aber nicht zum Maßstab erhoben. Großstädtische Reizüberflutung, wie sie etwa auf internationalen Metropolenreisen entsteht, soll nicht jede Entscheidung bestimmen. Die Kollektionen bleiben bewusst ruhig, teilweise konservativ, und folgen nicht zwangsläufig dem jährlichen Rhythmus wechselnder Moden. Technologie und Handwerk stehen im Mittelpunkt, nicht das schnelle Signal. Genau darin liegt die Kontinuität des Ansatzes. Am Ende entsteht ein Bild, das weniger von Schlagworten lebt als von Konsequenz. Rolf. verbindet Holzbrillen, 3D-Druck und Design zu einer eigenständigen Haltung – zwischen technischer Neugier und handwerklicher Bodenhaftung.