Viele Lüftungsanlagen in Industrie- und Gewerbegebäuden arbeiten noch mit Technik aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Konventionelle Elektromotoren treiben die Ventilatoren über Riemen an. Dabei entstehen Energieverluste, die sich bei mehreren Tausend Stunden Betriebszeit jährlich erheblich auf die Stromkosten auswirken.
Ein vollständiger Austausch der Anlage ist häufig gar nicht erforderlich. Bereits die Modernisierung der Ventilatoren und ihrer Antriebe kann den Energieverbrauch bereits spürbar reduzieren. Auf der Chillventa in Nürnberg präsentiert EBM-Papst ein Retrofit-Konzept, das den Austausch alter Ventilatortechnik mit digitaler Überwachung und einer Garantie auf die berechnete Energieeinsparung verbindet. Nach Herstellerangaben sind bei geeigneten Bestandsanlagen Einsparungen von 30-40% möglich. Bei günstigen Bedingungen soll sich die Investition bereits nach etwa zwei Jahren bezahlt machen.
Beim Retrofit bleiben wesentliche Bestandteile einer bestehenden Lüftungsanlage erhalten. Statt Gehäuse, Luftkanäle und weitere technische Einrichtungen vollständig auszutauschen, konzentriert sich die Modernisierung auf spezifische Komponenten die ineffizient sind. Besonders bei älteren Anlagen mit Normmotoren und Riemenantrieben besteht Einsparpotenzial. Die mechanische Kraftübertragung verursacht häufig Verluste, während moderne, elektronisch geregelte Ventilatoren ihre Leistung präziser an den benötigten Luftvolumenstrom anpassen. Mit dem Retrofit Cycle Circle zeigt EBM-Papst den Weg von der Bestandsaufnahme über den Austausch der Ventilatoren bis zur anschließenden Betriebsüberwachung. Die Modernisierung wird dabei um digitale Funktionen ergänzt, die den Zustand der Anlage sichtbar machen und auf diese Weise Wartungsarbeiten unterstützen.
Ob sich der Umbau lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem von der jährlichen Betriebsdauer, dem Luftvolumenstrom und dem bisherigen Stromverbrauch ab. Für eine erste Bewertung bietet EBM-Papst den Retrofit Saving Calculator an. Das Berechnungswerkzeug ermittelt anhand der Anlagendaten die voraussichtliche Energieeinsparung, die daraus resultierende Kostenreduzierung und die Amortisationszeit. Als besonders interessant gelten nach Herstellerangaben Anlagen mit jährlich etwa 4.000 bis 5.000 Betriebsstunden oder mehr. Beim Luftvolumenstrom nennt das Unternehmen eine Größenordnung ab 5.000 bis 10.000 Kubikmetern pro Stunde. Diese Angaben dienen als allgemeine Größe zur Orientierung. Entscheidend bleibt der tatsächliche Zustand der vorhandenen Technik. Ein alter Ventilator mit hohem Stromverbrauch bietet ein anderes Einsparpotenzial als eine bereits sehr effizient arbeitende Anlage. Für Betreiber ermöglicht die Vorabkalkulation eine wirtschaftliche Entscheidung, bevor größere Planungs- und Umbaukosten entstehen.
An einem Praxisbeispiel demonstrierte der EBM-Papst am Messestand den Austausch eines älteren Ventilators durch zwei moderne Einheiten. Die vorhandene Lüftungsanlage bleibt bestehen, während die bisherige Antriebstechnik entfernt wird. Durch die Aufteilung auf zwei Ventilatoren entsteht zugleich eine gewisse Redundanz. Im Fall einer Störung steht grundsätzlich noch eine weitere Einheit zur Verfügung. Welche Luftleistung damit aufrechterhalten werden kann, hängt von der jeweiligen Auslegung ab. Die Installation übernimmt bei Bedarf ein Partnernetzwerk. Für die anschließende Inbetriebnahme steht eine Service-App bereit, die Fachkräfte Schritt für Schritt durch die erforderlichen Arbeitsschritte führt. Die Anwendung erläutert die einzelnen Prüfschritte und erstellt einen Test-Report. Dabei wird unter anderem kontrolliert, ob die Ventilatoren ruhig laufen oder kritische Vibrationen auftreten. Die dokumentierten Ergebnisse dienen als Nachweis der durchgeführten Inbetriebnahme.
Nach dem Austausch werden die Ventilatoren über ein Gateway digital angebunden. Damit lassen sich Betriebsdaten in einem Dashboard darstellen und fortlaufend überwachen. Neben der Anzeige aktueller Werte können Betreiber Warnungen und Alarme konfigurieren. Erkennt das System einen auffälligen Betriebszustand, wird eine Benachrichtigung per E-Mail ausgelöst. Das ermöglicht eine schnelle und zielgerichtete Reaktion auf technische Probleme, ohne dass die Anlage ständig vor Ort kontrolliert werden muss. Gleichzeitig stehen Informationen zur Verfügung, die bei älteren Ventilatorsystemen häufig fehlen. Die Digitalisierung ist damit ein zusätzlicher Bestandteil der Modernisierung. Sie unterstützt die Betriebsüberwachung und schafft eine wichtige Grundlage für eine besser planbare Wartung.
Eine Besonderheit des Retrofit-Angebots ist die Möglichkeit, die prognostizierte Energieeinsparung vertraglich abzusichern. Erreicht die modernisierte Anlage nicht die vereinbarte Einsparung, dann sieht das Garantieangebot einen finanziellen Ausgleich vor. Damit soll die Differenz zwischen der zugesagten und der tatsächlich erreichten Einsparung kompensiert werden. Maßgeblich sind die jeweiligen Vertragsbedingungen und die zugrunde gelegten Betriebsdaten. Nach Herstellerangaben liegt die Amortisationszeit bei älteren Anlagen die sich eigenen häufig bei ungefähr zwei Jahren. Voraussetzung sind ausreichende Betriebsstunden und ein entsprechend großes Einsparpotenzial. Gerade für Unternehmen mit knapp bemessenem Investitionsbudget ist die Verbindung aus vorheriger Wirtschaftlichkeitsberechnung und garantierter Einsparung von großem Interesse. Sie erleichtert die Entscheidung über eine Modernisierung, deren finanzieller Nutzen andernfalls nur auf Prognosen beruhen würde. Der Ansatz zeigt, dass sich der Energieverbrauch bestehender Lüftungsanlagen auch ohne vollständigen Austausch erheblich reduzieren lässt. Entscheidend sind die richtige Auswahl der neuen Ventilatoren, eine belastbare Berechnung der Einsparung und die Kontrolle der Ergebnisse im laufenden Betrieb.