Hohe Temperaturen stellen Gebäude, Unternehmen und technische Anlagen vor wachsende Herausforderungen. Während sich Wohnungen im Sommer teilweise so stark aufheizen, dass Schlaf und Alltag beeinträchtigt werden, können hohe Temperaturen in Industrieunternehmen die Leistungsfähigkeit von Maschinen und Produktionsanlagen einschränken. Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich Räume, Prozesse und technische Systeme zuverlässig und möglichst energieeffizient kühlen lassen. Die Chillventa 2026 in Nürnberg greift diese Anforderungen auf und bringt Hersteller, Fachplaner, Anlagenbauer und Betreiber aus der Kälte-, Klima-, Lüftungs- und Wärmepumpentechnik zusammen.
Vom 13. bis 15. Oktober 2026 stehen auf der internationalen Fachmesse technische Entwicklungen im Mittelpunkt, die sowohl für private Gebäude als auch für gewerbliche und industrielle Anwendungen relevant sind. Neben leistungsfähigen Klimaanlagen und industriellen Kältesystemen geht es um den Einsatz natürlicher Kältemittel, intelligente Regelungstechnik und die Frage, wie sich der Energiebedarf für Kühlung dauerhaft reduzieren lässt.
Der zurückliegende Hitzesommer hat deutlich gemacht, wie problematisch hohe Innentemperaturen werden können. Besonders betroffen sind Dachgeschosswohnungen, schlecht gedämmte Gebäude und Wohnungen mit großen Fensterflächen, die über längere Zeit direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Wenn sich Wände und Decken über mehrere Tage aufheizen und die Temperaturen nachts kaum sinken, reicht einfaches Lüften häufig nicht mehr aus. Die Klimatisierung von Wohnraum entwickelt sich deshalb zunehmend von einer Komfortfrage zu einem wichtigen Bestandteil der Gebäudeplanung. Moderne Split-Klimaanlagen können einzelne Räume oder mehrere Wohnbereiche gezielt kühlen. Invertergeregelte Systeme passen ihre Leistung dem tatsächlichen Bedarf an und vermeiden damit einen dauerhaft energieintensiven Betrieb bei voller Leistung. Ein weiterer Aspekt ist die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen. Außenliegender Sonnenschutz, eine geeignete Wärmedämmung und die Nutzung kühler Nachtluft können den Kühlbedarf erheblich reduzieren. Wo diese Maßnahmen nicht ausreichen, bieten fest installierte Klimasysteme zusätzliche Möglichkeiten, die Raumtemperatur kontrolliert zu senken. Für Eigentümer und Bewohner spielen dabei mehrere Kriterien eine Rolle:
In der Industrie hat Kühlung eine andere wirtschaftliche Dimension. Produktionsmaschinen, elektrische Antriebe, Leistungselektronik und automatisierte Fertigungssysteme erzeugen während des Betriebs Wärme. Wird diese nicht ausreichend abgeführt, können Bauteile außerhalb ihrer vorgesehenen Temperaturbereiche arbeiten. Die Folgen reichen von einer reduzierten Leistungsfähigkeit über Qualitätsprobleme bis zu ungeplanten Produktionsunterbrechungen. Besonders relevant ist eine zuverlässige Temperaturführung bei Werkzeugmaschinen, Kunststoffverarbeitung, Lebensmittelproduktion, Rechenzentren und zahlreichen chemischen Prozessen. Dabei unterscheiden sich die technischen Anforderungen erheblich. Während manche Anwendungen eine sehr präzise Temperaturregelung benötigen, stehen bei anderen große Kühlleistungen und ein wirtschaftlicher Dauerbetrieb im Vordergrund. Industrielle Kälteanlagen müssen deshalb nicht nur leistungsfähig, sondern auch auf wechselnde Lasten ausgelegt sein. Moderne Systeme arbeiten mit drehzahlgeregelten Verdichtern, elektronischen Expansionsventilen und vernetzter Steuerungstechnik. Sensoren erfassen relevante Betriebsdaten und ermöglichen eine Anpassung der Kühlleistung an den tatsächlichen Bedarf. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Abwärmenutzung. Wärme, die bei industriellen Kühlprozessen entsteht, kann unter geeigneten Voraussetzungen für andere betriebliche Anwendungen verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise die Warmwasserbereitung, die Beheizung von Gebäuden oder die Unterstützung weiterer Produktionsprozesse. Mit steigenden Außentemperaturen gewinnt auch die Auslegung für extreme Betriebsbedingungen an Bedeutung. Anlagen müssen selbst bei hohen Umgebungstemperaturen ausreichend Leistung bereitstellen, ohne dass der Energieverbrauch unverhältnismäßig ansteigt.
Kälte- und Klimatechnik benötigt elektrische Energie. Angesichts hoher Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz rückt deshalb die Effizienz des gesamten Systems stärker in den Mittelpunkt. Entscheidend ist nicht allein der Wirkungsgrad einzelner Komponenten, sondern das Zusammenspiel von Verdichtern, Wärmeübertragern, Pumpen, Ventilatoren und Regelungstechnik. Digitale Steuerungssysteme können Betriebszustände erfassen, Verbrauchsdaten auswerten und ineffiziente Betriebsweisen erkennen. Besonders bei größeren Anlagen eröffnet dies Möglichkeiten, Energieeinsparungen zu erzielen, ohne die erforderliche Kühlleistung zu beeinträchtigen. Auch die Verbindung mit erneuerbaren Energien ist ein relevantes Thema. Photovoltaikanlagen erzeugen gerade an sonnigen Tagen viel Strom, an denen häufig ein hoher Kühlbedarf besteht. Durch geeignete Steuerung und die Nutzung thermischer Speicher lässt sich ein Teil der Kälteerzeugung zeitlich an die verfügbare Stromproduktion anpassen.
Die Wahl des Kältemittels beeinflusst die Umweltbilanz, die technische Auslegung und die langfristige Betriebssicherheit einer Kälteanlage. Vor dem Hintergrund der europäischen F-Gase-Verordnung gewinnt die Umstellung auf Kältemittel mit geringem Treibhauspotenzial an Bedeutung. Zu den natürlichen Kältemitteln gehören Kohlendioxid (CO₂), Ammoniak und Kohlenwasserstoffe wie Propan. Sie verfügen über unterschiedliche thermodynamische Eigenschaften und stellen jeweils spezifische Anforderungen an Konstruktion, Sicherheit und Wartung. Die Entwicklung betrifft nicht nur neue Anlagen. Auch Betreiber bestehender Systeme müssen prüfen, welche Auswirkungen regulatorische Veränderungen auf Wartung, Reparatur und künftige Investitionen haben. Hersteller reagieren darauf mit angepassten Komponenten, neuen Anlagenkonzepten und Lösungen für unterschiedliche Leistungsbereiche.
Neben der klassischen Kälteerzeugung gehören Wärmepumpen und Lüftungssysteme zu den zentralen Themen der Veranstaltung. Technisch bestehen zwischen Kälteanlagen und Wärmepumpen enge Verbindungen, da beide auf thermodynamischen Kreisprozessen beruhen. In modernen Gebäudekonzepten werden Heizung, Kühlung und Lüftung deshalb zunehmend gemeinsam betrachtet. Wärmepumpensysteme können je nach Bauart und Auslegung neben der Wärmeversorgung auch zur Kühlung beitragen. Lüftungsanlagen wiederum sorgen für den notwendigen Luftaustausch und können mit Wärmerückgewinnung sowie geeigneten Konzepten zur sommerlichen Temperierung kombiniert werden. Für die Praxis ergeben sich daraus neue Anforderungen an Planung und Installation. Eine energieeffiziente Lösung entsteht nicht automatisch durch den Einsatz einzelner hochwertiger Geräte. Entscheidend sind eine aufeinander abgestimmte Systemtechnik, passende Regelungsstrategien und die Berücksichtigung des tatsächlichen Nutzungsverhaltens.
Die zunehmende Bedeutung der Kühlung verbindet private, gewerbliche und industrielle Anwendungen. Während in Wohngebäuden die gesundheitlich verträgliche und wirtschaftliche Klimatisierung im Vordergrund steht, geht es in der Industrie um Prozesssicherheit, Produktivität und die Begrenzung laufender Energiekosten. Auf der Fachmesse werden technische Ansätze sichtbar, mit denen Hersteller diesen unterschiedlichen Anforderungen begegnen. Dazu zählen effizientere Komponenten, alternative Kältemittel, digitale Steuerungen und integrierte Lösungen für Wärme- und Kältesysteme. Für unsere Berichterstattung stehen insbesondere die konkreten Anwendungen im Mittelpunkt: Welche Technik hilft gegen überhitzte Wohnräume? Wie lassen sich Maschinen und industrielle Prozesse auch bei hohen Außentemperaturen zuverlässig kühlen? Und welche Entwicklungen können den Energiebedarf senken, ohne die Leistungsfähigkeit der Anlagen einzuschränken? Die Antworten darauf sind nicht nur für Fachbetriebe und Anlagenbetreiber relevant. Sie betreffen zunehmend auch Hauseigentümer, Unternehmen und Kommunen, die ihre Gebäude und Infrastruktur an höhere sommerliche Temperaturen anpassen müssen.