Wer den Namen Käthe Kruse hört, denkt meist zuerst an Puppen. Vielleicht auch an Plüschtiere, Schmusetücher und jene vertrauten Figuren, die Kinder oft über Jahre begleiten.
Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg zeigte sich jedoch, dass die Marke 2016 breiter aufgestellt ist, als der erste Gedanke vermuten lässt. Neben klassischen Spielpuppen und weichen Begleitern für kleine Kinder spielte auch eine ungewöhnliche Kinoverbindung eine Rolle: eine Waldorfpuppe, die in einer deutschen Komödie mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz auftaucht. Im Gespräch mit Geschäftsführer Tobias Vorbach wurde deutlich, dass der Kern des Sortiments weiterhin die Puppe bleibt. Gleichzeitig haben Kuscheltiere, Schmusetücher und größere Plüschfiguren eine wirtschaftlich wichtige Bedeutung bekommen. Käthe Kruse wird zwar nach wie vor stark über Puppen wahrgenommen, doch der Bereich der weichen Spielwaren ist längst ein eigenständiges Standbein.
Im Mittelpunkt steht zunächst ein Produkt, das eng mit der Geschichte des Unternehmens verbunden ist: die Spielpuppe. Gezeigt wird unter anderem das Planscherle, ein Badebaby, das Kinder mit in die Wanne nehmen können. Kleine Öffnungen in den Füßen sorgen dafür, dass Wasser wieder abläuft und die Puppe anschließend trocknen kann.
Daneben gibt es Softpuppen für sehr kleine Kinder. Sie sind weich gestaltet, besitzen teilweise einen Vinylkörper und richten sich je nach Ausführung an Kinder ab 18 Monaten oder 36 Monaten. Später folgen größere Spielpuppen, die mehr Rollenspiel erlauben. Bei ihnen lassen sich Kleidung wechseln und Alltagssituationen nachspielen. Gerade für ältere Kinder wird die Puppe damit weniger zum reinen Kuschelobjekt, sondern zu einer Figur, mit der Fantasie und soziale Situationen gestaltet werden können.
Die Bandbreite zeigt, wie früh Spielzeug auf unterschiedliche Entwicklungsphasen abgestimmt wird. Für Babys und Kleinkinder zählt vor allem Haptik, Sicherheit und Nähe. Je älter Kinder werden, desto stärker rückt das Rollenspiel in den Vordergrund. Dann geht es um Nachahmung, Verkleiden, Fürsorge und kleine Geschichten, die Kinder selbst entwickeln.
Gerade Puppen erfüllen dabei eine besondere Funktion. Sie sind nicht nur Spielgegenstände, sondern Projektionsfläche. Kinder können mit ihnen Alltagssituationen nachspielen, Gefühle ausdrücken oder eigene kleine Welten aufbauen. Dass Kleidung gewechselt werden kann und die Figuren beweglich einsetzbar sind, erweitert diesen Spielraum.
Ein zweites großes Thema sind Stofftiere und Schmusetücher. Vorbach verweist auf die lange Tradition dieser Produkte. Schon Käthe Kruse selbst habe für ihr Kind ein einfaches Schmusetuch gefertigt – damals mit einem Baumwolltuch, einer Kartoffel und Kohle, um eine erste kindgerechte Spielfigur zu gestalten.
Heute sind die Materialien weicher und die Ausführung professioneller, die Grundidee aber bleibt: Solche Figuren sollen Kinder im Alltag begleiten. Sie sind nicht zum Anschauen gedacht, sondern zum Anfassen, Mitnehmen, Festhalten und Trösten. Dass Kunden auch nach vielen Jahren noch nach bestimmten Modellen fragen, zeigt, welchen emotionalen Wert solche Begleiter entwickeln können.
Zu den Neuheiten gehören XXL Schlenkertiere. Vorgestellt wird unter anderem der Affe Carlo, eine große Plüschfigur mit langen Armen, die sich herumtragen, bespielen und auch zum Kuscheln verwenden lässt. Die Größe macht den besonderen Eindruck aus: Für ein kleines Kind kann eine solche Figur fast wie ein Spielkamerad wirken.
Neben Carlo gehört auch ein Hund zu den neuen Serien. Die Figuren sind bewusst nicht nur klein und dekorativ angelegt, sondern groß genug, um körperlich bespielt zu werden. Kinder können sie mitnehmen, sich an sie lehnen oder sie in Rollenspiele einbauen. Der Softspielwarenbereich wird dadurch nicht als Randthema verstanden, sondern als wichtiger Teil des Sortiments.
Eine besondere Rolle nimmt die Waldorfpuppe Leni ein. Sie steht für eine andere Art von Puppengestaltung: reduzierter, natürlicher und weniger stark emotional festgelegt. Der neutrale Gesichtsausdruck soll Kindern ermöglichen, eigene Gefühle und Geschichten in die Figur hineinzulegen. Vorbach verweist dabei auf die Verbindung zur Waldorfpädagogik und auf Rudolf Steiner. Die Idee hinter solchen Puppen liegt nicht in einer möglichst realistischen Mimik, sondern in einer offenen Form, die Fantasie zulässt. Freude, Traurigkeit, Sorge oder Trost entstehen im Spiel des Kindes, nicht durch einen vorgegebenen Ausdruck der Puppe. 2016 erhält Leni zusätzliche Aufmerksamkeit durch ihren Auftritt in einer deutschen Komödie mit Matthias Schweighöfer und Florian David Fitz. In der Handlung geht die Puppe als besonderes Geschenk mit auf Reisen. Für Käthe Kruse ist das eine ungewöhnliche Verbindung zwischen traditionellem Spielzeug und populärer Filmkultur.
Der Rundgang auf der Spielwarenmesse zeigt ein Unternehmen, das seine Herkunft nicht verlässt, aber sein Sortiment weiterentwickelt. Puppen, Schmusetücher und große Plüschfiguren sprechen unterschiedliche Altersgruppen an, folgen aber einem gemeinsamen Prinzip: Sie sollen Kinder nicht nur beschäftigen, sondern begleiten. Gerade darin liegt die Stärke solcher Produkte. Ein Spielzeug kann verloren gehen, ersetzt werden oder über Jahre zum vertrauten Gegenstand werden. Bei Puppen und Stofftieren entscheidet selten allein die Funktion. Entscheidend ist die Beziehung, die ein Kind dazu aufbaut. Deshalb bleibt ein lächelndes Kindergesicht für Hersteller und Eltern mehr als ein Verkaufsargument – es ist der eigentliche Grund, warum diese Art von Spielzeug über Generationen Bestand hat.