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Spielwarenmesse und Spielkultur in Bayern

von Bastian Velonavy - 2024-02-14

Für viele Kinder ist die Spielwarenmesse ein Ort voller Geheimnisse. Tausende neue Produkte werden präsentiert, doch die Veranstaltung bleibt als Fachmesse einem breiten Publikum verschlossen.

Dieses Gefühl beschreibt Dr. Markus Söder im Gespräch auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Als Kind habe ihn die Veranstaltung fasziniert, gerade weil er sie nicht besuchen durfte. Die Vorstellung, durch Hallen voller Spielzeug zu gehen und Neuheiten auszuprobieren, sei damals unerreichbar gewesen. Heute eröffnet er die Veranstaltung selbst und betrachtet sie aus einer anderen Perspektive. Die Messe steht für ihn nicht nur für die Spielwarenbranche, sondern auch für einen wichtigen wirtschaftlichen und kulturellen Faktor in Bayern und insbesondere in Nürnberg.

Dr. Markus Söder über die Bedeutung der Spielwarenmesse

Die Verbindung zwischen Nürnberg und der Spielwarenmesse reicht weit zurück. Für Söder gehört die Veranstaltung zu den prägenden Messen des Landes. Als damaliger Finanzminister war er eng mit der Messegesellschaft verbunden und über Jahre hinweg auch im Umfeld der Aufsichtsgremien tätig. Aus seiner Sicht profitiert nicht nur die Branche von der Veranstaltung. Tausende Gäste besuchen die Stadt, zahlreiche Unternehmen präsentieren ihre Produkte und die wirtschaftlichen Effekte reichen weit über die Messe Nürnberg hinaus. Hotels, Gastronomie und viele weitere Dienstleister profitieren von den Besuchern. Gleichzeitig betont er die besondere Rolle der Messe Nürnberg. Während viele Veranstaltungen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, bezeichnet er die Spielwarenmesse als erfolgreiches Beispiel für eine international etablierte Fachmesse mit stabiler Bedeutung.

Markus Soeder Interview Messe.TV
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Nürnberg als historische Hochburg des Spielens

Die Wurzeln der Region reichen deutlich weiter zurück als die moderne Spielwarenindustrie. Nürnberg gilt seit Jahrhunderten als Zentrum von Handwerk und Spielzeugproduktion. Diese Tradition bildet nach Ansicht Söders eine wichtige Grundlage für die heutige Stellung der Stadt. Dabei habe sich die Branche grundlegend verändert. Wo früher vor allem handwerklich gefertigte Produkte im Mittelpunkt standen, spielen heute Technologie, Kreativität und digitale Komponenten eine immer größere Rolle. Dennoch sei die Verbindung zwischen Region und Spielwarenindustrie weiterhin eng. Gerade diese Mischung aus Tradition und technischer Entwicklung trage dazu bei, dass Nürnberg bis heute als bedeutender Standort der Branche wahrgenommen werde.

Hightech verändert die Spielwelt

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Entwicklung des Spielens selbst. Nach Beobachtung Söders sind digitale Technologien inzwischen fester Bestandteil vieler Spielkonzepte. Kinder wachsen selbstverständlich mit Apps, digitalen Plattformen und vernetzten Geräten auf. Gleichzeitig sieht er darin keinen vollständigen Ersatz klassischer Spielzeuge. Vielmehr entstehe eine Kombination unterschiedlicher Spielwelten. Digitale und analoge Angebote existieren nebeneinander und sprechen verschiedene Bedürfnisse an. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei bekannten Marken und Produktwelten, die zunehmend digitale Elemente integrieren. Die Grenzen zwischen klassischem Spielzeug, Software und digitalen Anwendungen werden dadurch immer fließender.

  • Traditioneller Spielwarenstandort Nürnberg
  • Internationale Bedeutung der Spielwarenmesse
  • Digitale und analoge Spielwelten im Wandel
  • Wirtschaftliche Effekte für Stadt und Region
  • Hohe Innovationskraft der Spielwarenbranche
  • Verbindung von Kreativität und Technologie

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Dr Markus Soeder Spielwarenmesse 2016

Lego, Monopoly und digitale Spielwelten

Trotz aller Veränderungen bleiben viele bekannte Spielkonzepte über Generationen hinweg relevant. Als Beispiele nennt Söder Klassiker wie Monopoly oder Lego. Beide Marken hätten ihren festen Platz behalten, auch wenn sich Produktwelten und Zielgruppen weiterentwickeln. Besonders anschaulich schildert er die Begeisterung seiner eigenen Kinder für umfangreiche Lego-Bausätze. Der gemeinsame Aufbau großer Modelle werde schnell zu einem Familienprojekt, das Zeit, Geduld und Konzentration erfordere. Gleichzeitig beobachtet er, dass auch Lego zunehmend digitale Komponenten integriert und neue Produktwelten mit Apps verknüpft. Für ihn zeigt sich darin kein Widerspruch. Kinder nutzen digitale Angebote ebenso selbstverständlich wie klassische Spielzeuge. Mal steht ein Bildschirm im Mittelpunkt, mal ein Ball, ein Baukasten oder ein Rollenspiel. Entscheidend sei die Vielfalt der Möglichkeiten.

Breitbandausbau als Grundlage neuer Spielformen

Im Gespräch wird auch die Bedeutung digitaler Infrastruktur angesprochen. Söder verweist auf den Ausbau schneller Internetverbindungen in Bayern. Dafür seien 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, während mehr als 90 Prozent der Gemeinden in entsprechende Programme eingebunden seien. Nach seiner Darstellung soll bis 2018 jede Gemeinde über schnelles Internet verfügen. Gleichzeitig warnt er davor, digitale Angebote als alleinige Freizeitbeschäftigung zu betrachten. Schnelle Netze seien wichtig, dürften aber nicht dazu führen, dass Kinder ausschließlich vor Bildschirmen verbringen. Gerade im Zusammenspiel von digitalen Möglichkeiten und klassischen Aktivitäten sieht er die nachhaltigere Entwicklung.

Warum die Spielwarenbranche eine Zukunftsbranche bleibt

Für Söder gehört die Spielwarenindustrie zu den Branchen mit langfristiger Perspektive. Solange Kinder spielen, werde es auch Hersteller, Entwickler und neue Produkte geben. Die Unternehmen müssten sich zwar ständig an veränderte Erwartungen anpassen, könnten dabei jedoch auf ein dauerhaft vorhandenes Grundbedürfnis aufbauen. Die enge Verbindung zwischen der Spielwarenmesse, den Herstellern und dem Standort Bayern bezeichnet er als wechselseitige Beziehung. Die Messe profitiert von starken Unternehmen in der Region, während die Hersteller von der internationalen Aufmerksamkeit der Veranstaltung profitieren. Dass sich diese Verbindung über Jahrzehnte gehalten hat, erklärt einen Teil der anhaltenden Bedeutung Nürnbergs innerhalb der weltweiten Spielwarenbranche.