Die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge verändert nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch die Anforderungen an Betriebshöfe und Depots. Wo früher eine Dieseltankstelle genügte, müssen heute Ladepunkte, Energieversorgung, Lastmanagement und Stellflächen gemeinsam geplant werden.
Besonders bei Bus- und Lkw-Flotten entscheidet die Infrastruktur darüber, ob Fahrzeuge zuverlässig in den täglichen Betrieb zurückkehren können. Auf der Power2Drive Europe zeigt Schneider Electric mit dem DC 720 ein Ladesystem, das speziell auf solche komplexen Depotanwendungen ausgerichtet ist. Im Mittelpunkt steht eine modulare Lösung, die verschiedene Ladepunkte mit einer zentralen Energieversorgung verbindet. Dabei geht es vor allem darum, vorhandene Flächen besser zu nutzen und Ladeinfrastruktur so aufzubauen, dass sie später erweitert werden kann.
In vielen Bus- und Lkw-Depots ist Platz knapp. Zusätzliche Ladesäulen zwischen den Stellplätzen können Rangierflächen einschränken oder den Betriebsablauf erschweren. Das DC 720 setzt deshalb unter anderem auf sogenannte Overhead-Charger. Dabei wird der Ladeanschluss von der Decke herabgeführt und erst bei Bedarf zum Fahrzeug gezogen. Eine zentrale Energieversorgung kann bis zu zwölf solcher Ladepunkte versorgen. Fahrzeuge lassen sich dadurch auf bestehenden Stellflächen laden, ohne dass an jedem Parkplatz eine bodenstehende Ladesäule installiert werden muss. Alternativ kann das System mit klassischen Dispensern am Boden kombiniert werden. Bis zu sechs dieser Einheiten mit jeweils zwei Ladepunkten lassen sich nach Angaben des Herstellers an eine Energieversorgung anbinden. Die bodenstehenden Dispenser sind eichrechtskonform und eignen sich damit auch für Anwendungen außerhalb geschlossener Depots.
Ein weiterer Bestandteil des Systems ist die Verteilung der elektrischen Energie. Schneider Electric setzt dafür auf ein Stromschienensystem, das anstelle einer klassischen Verkabelung eingesetzt werden kann. Für Betreiber bietet dieser Aufbau mehrere Vorteile. Neue Ladepunkte können einfacher ergänzt werden, ohne bestehende Kabelinstallationen vollständig zurückbauen oder neu verlegen zu müssen. Gleichzeitig verbessert die offene Konstruktion nach Angaben des Unternehmens die Wärmeableitung. Die wichtigsten Bestandteile des Systems umfassen:
Eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur muss nicht zwangsläufig dauerhaft hohe Leistung aus dem öffentlichen Netz beziehen. Das DC 720 kann mit Batteriespeichern und erneuerbaren Energien kombiniert werden. Flottenbetreiber können beispielsweise Solarstrom zwischenspeichern und später zum Laden ihrer Fahrzeuge nutzen. Ebenso lässt sich Energie in Zeiten günstiger Strompreise aus dem Netz beziehen und in einem stationären Speicher vorhalten. Das Energiemanagement übernimmt dabei eine wichtige Rolle. Es kann Ladezeiten verschieben und Fahrzeuge zu den wirtschaftlich günstigsten Zeitpunkten mit Strom versorgen. Besonders bei Flotten mit festen Fahrplänen lässt sich der Energiebedarf vergleichsweise genau berechnen. Eine zusätzliche Wake-up-Funktion ermöglicht es, Fahrzeuge vor der Abfahrt automatisch vorzubereiten. Im Winter kann beispielsweise die Vorkonditionierung gestartet werden, während der Bus oder Lkw noch mit der Ladestation verbunden ist. Dadurch muss die Energie für das Aufwärmen nicht unmittelbar aus der Fahrzeugbatterie stammen.
Busunternehmen, kommunale Betriebe und Entsorgungsunternehmen gehören zu den naheliegenden Einsatzbereichen. Ihre Fahrzeuge fahren häufig wiederkehrende Routen und kehren regelmäßig an denselben Standort zurück. Dadurch lässt sich relativ genau bestimmen, wann ein Fahrzeug im Depot steht, wie viel Energie es benötigt und wann es wieder einsatzbereit sein muss. Genau diese Planbarkeit erleichtert den Betrieb elektrischer Flotten. Neben solchen geschlossenen Anwendungen können die bodenstehenden Ladepunkte auch an öffentlichen Standorten eingesetzt werden, etwa an Autobahnen oder Rastanlagen. Das System deckt damit sowohl klassische Depotanwendungen als auch öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur ab.
Mit dem Umstieg auf elektrische Busse und Lkw wird der Betriebshof zunehmend zu einem eigenen Energiesystem. Ladepunkte, Netzanschluss, Batteriespeicher, Photovoltaik und Software müssen aufeinander abgestimmt werden. Schneider Electric verfolgt mit dem DC 720 einen Ansatz, der diese Komponenten modular miteinander verbindet. Besonders für große Flotten wird künftig entscheidend sein, nicht nur möglichst hohe Ladeleistungen bereitzustellen, sondern die verfügbare Energie intelligent über viele Fahrzeuge zu verteilen. Dabei dürfte der Batteriebetrieb vor allem dort an Bedeutung gewinnen, wo Touren planbar sind und Fahrzeuge regelmäßig an feste Standorte zurückkehren. Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb immer weniger im einzelnen Ladegerät. Entscheidend wird die Frage, wie sich ein kompletter Betriebshof so auslegen lässt, dass elektrische Busse und Lkw zuverlässig, platzsparend und wirtschaftlich geladen werden können.