Ladelösungen für E-Trucks entstehen aus dem Praxiseinsatz

von Andreas Bergmeier - 2026-06-29

Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs gewinnt an Dynamik. Mit neuen batterieelektrischen Lastwagen wächst gleichzeitig der Bedarf an passender Ladeinfrastruktur.

Für viele Speditionen und Logistikunternehmen stellt sich dabei nicht mehr die Frage, ob Elektromobilität grundsätzlich funktioniert, sondern wie sich Fahrzeuge, Ladepunkte und Betriebsabläufe wirtschaftlich aufeinander abstimmen lassen. Diese Planungsphase erweist sich häufig als entscheidender Erfolgsfaktor. Auf der Power2Drive Europe in München zeigte Daimler Truck deshalb nicht nur Fahrzeuge, sondern vor allem Beratungs- und Planungskonzepte für den Aufbau individueller Ladelösungen.

Daimler Truck plant Ladeinfrastruktur gemeinsam mit Logistikunternehmen
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Daimler Truck plant Ladeinfrastruktur gemeinsam mit Logistikunternehmen

Die Umstellung auf batterieelektrische Lastwagen beginnt nach Einschätzung des Unternehmens nicht mit der Auswahl eines Fahrzeugs, sondern mit einer detaillierten Analyse des jeweiligen Fuhrparks. Gemeinsam mit den Kunden werden bestehende Touren, Fahrleistungen und Einsatzprofile ausgewertet. Anschließend wird geprüft, welche Strecken sich bereits heute wirtschaftlich elektrifizieren lassen und welche Ladeinfrastruktur dafür erforderlich ist. Dabei zeigt sich, dass pauschale Lösungen kaum funktionieren. Während für manche Anwendungen leistungsstarke Schnelllader notwendig sind, genügt in anderen Fällen bereits eine deutlich kleinere Ladeleistung. Fahrzeuge, die über Nacht auf dem Betriebshof stehen, können häufig mit einem 50-Kilowatt-Ladepunkt vollständig für den nächsten Einsatztag geladen werden. Die vielfach erwarteten 400-Kilowatt-Ladesäulen sind daher längst nicht in jedem Anwendungsfall erforderlich. Diese individuelle Betrachtung soll Unternehmen dabei helfen, Investitionen gezielt auf den tatsächlichen Bedarf auszurichten und unnötige Kosten beim Aufbau der Ladeinfrastruktur zu vermeiden.

Daimler Truck Truckcharge

Routenplanung entscheidet über den erfolgreichen Einsatz

Ein wichtiger Bestandteil der Beratung ist die Analyse konkreter Transportaufgaben. Dabei werden nicht nur Entfernungen betrachtet. Ebenso fließen Informationen über Fahrzeugtypen, Zuladung, Kühltransporte oder Trockenfracht in die Planung ein. Selbst internationale Relationen lassen sich auf diese Weise bewerten. Für eine Strecke von München nach Porto würden beispielsweise geeignete öffentliche Ladepunkte entlang der Route identifiziert und mit den betrieblichen Anforderungen abgeglichen. Gemeinsam mit dem Kunden entsteht daraus ein Ladekonzept, das Standzeiten und Energieversorgung berücksichtigt. Für solche Anwendungen greift Daimler Truck auch auf öffentliche Schnellladenetze zurück, darunter Ladepunkte des Gemeinschaftsunternehmens Milence. Durch die Kombination aus Depotladen und öffentlicher Infrastruktur sollen auch längere Transportstrecken wirtschaftlich elektrifiziert werden können. Die wichtigsten Bestandteile der Planung sind:

  • Analyse bestehender Fahrprofile und Touren
  • Bewertung geeigneter Ladeleistungen auf dem Betriebshof
  • Einbindung öffentlicher Ladeinfrastruktur auf Langstrecken
  • Berücksichtigung von Fahrzeugtyp und Transportaufgabe
  • wirtschaftliche Auslegung der gesamten Ladeinfrastruktur

Digitale Werkzeuge berechnen Wirtschaftlichkeit

Neben der persönlichen Beratung stellt Daimler Truck verschiedene digitale Werkzeuge zur Verfügung, mit denen Unternehmen erste Berechnungen selbst durchführen können. Dazu gehören Energiekostenrechner, CO₂-Rechner sowie Routenplaner für batterieelektrische Lastwagen. Anhand weniger Eingaben wie Jahresfahrleistung, Dieselpreis und Stromkosten lassen sich die Betriebskosten verschiedener Antriebskonzepte vergleichen. Nach Angaben des Unternehmens ergeben sich dabei unter bestimmten Voraussetzungen Einsparpotenziale von bis zu 120.000 Euro pro Fahrzeug über den Nutzungszeitraum. Solche Berechnungen sollen Unternehmen dabei unterstützen, Investitionsentscheidungen auf Grundlage ihrer eigenen Betriebsdaten zu treffen. Gleichzeitig helfen sie, bestehende Vorbehalte gegenüber der Elektromobilität anhand konkreter Zahlen einzuordnen.

Truck Laden fluessigkeitsgekuehltes CCS Kabel
Digitale Werkzeuge berechnen Wirtschaftlichkeit bei Logistik

Beratung soll Unsicherheiten beim Umstieg abbauen

Nach Einschätzung des Unternehmens bestehen viele Unsicherheiten weniger aufgrund technischer Grenzen als wegen fehlender Erfahrungen. Häufig kursieren noch vereinfachte Vorstellungen über Reichweite, Ladezeiten oder notwendige Ladeleistungen, die den heutigen Stand der Technik nicht mehr vollständig widerspiegeln. Deshalb versteht sich die Beratung auch als Begleitung des Transformationsprozesses. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und anhand konkreter Einsatzprofile zu zeigen, welche Anwendungen bereits heute wirtschaftlich elektrifiziert werden können. Gerade Unternehmen, die bereits erste batterieelektrische Lastwagen einsetzen, berichten nach Angaben des Herstellers von sinkenden Energiekosten und positiven Erfahrungen im täglichen Betrieb. Gleichzeitig steigt jedoch der Bedarf an sorgfältiger Einsatzplanung, insbesondere bei komplexeren Transportaufgaben.

Daimler Truck Loesungen Ladeinfrastruktur auf der Power2Drive Europe
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Batterie und Wasserstoff ergänzen sich im Schwerlastverkehr

Neben batterieelektrischen Lkw entwickelt Daimler Truck weiterhin wasserstoffbasierte Antriebskonzepte. Die Nutzfahrzeuge der Marke Mercedes-Benz stehen dabei für einen technologieoffenen Ansatz, bei dem je nach Einsatzprofil unterschiedliche Antriebslösungen zum Einsatz kommen. Während batterieelektrische Fahrzeuge insbesondere bei regionalen Verkehren und planbaren Ladezeiten ihre Stärken ausspielen, könnten Wasserstoff-Lkw künftig dort Vorteile bieten, wo sehr große Reichweiten oder kurze Betankungszeiten erforderlich sind. Bereits heute laufen Kundenerprobungen mit entsprechenden Fahrzeugen. Damit zeichnet sich für den Schwerlastverkehr kein einheitlicher Antrieb ab. Vielmehr dürfte künftig der jeweilige Einsatzbereich darüber entscheiden, welche Technologie die wirtschaftlichste Lösung darstellt. Entscheidend bleibt dabei eine präzise Planung der Lade- beziehungsweise Betankungsinfrastruktur – denn sie bildet die Grundlage für einen wirtschaftlichen Betrieb elektrifizierter Logistikflotten.