Steigende Sommertemperaturen verändern die Anforderungen an moderne Gebäudetechnik spürbar. Während lange Zeit vor allem energieeffizientes Heizen im Mittelpunkt stand, gewinnt inzwischen die Kühlung von Wohngebäuden deutlich an Bedeutung.
Besonders bei modernen Neubauten mit hoher Dämmung und geringem Heizenergiebedarf verschiebt sich der Fokus zunehmend auf sommerlichen Wärmeschutz und kontrollierte Temperierung. Auf der IFH/Intherm zeigt Zehnder deshalb ein System, das zentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und integrierter Wärmepumpentechnik kombiniert. Das Konzept basiert auf dem Lüftungsgerät ComfoAir Q, das um einen Wärmepumpenaufsatz erweitert wurde. Dadurch kann das System nicht nur lüften, sondern zusätzlich heizen und aktiv kühlen.
Die Besonderheit der Anlage liegt in der Zusammenführung mehrerer Funktionen innerhalb eines zentralen Geräts. Die Wohnraumlüftung übernimmt zunächst die klassische kontrollierte Be- und Entlüftung des Gebäudes. Gleichzeitig sorgt die integrierte Wärmerückgewinnung dafür, dass ein Großteil der Energie aus der Abluft erhalten bleibt. Ergänzt wird das System durch einen Wärmepumpenaufsatz. Dieser erweitert das Gerät um aktive Heiz- und Kühlfunktionen. Technisch basiert die Wärmepumpe auf einem umkehrbaren Kältekreislauf – vergleichbar mit dem Prinzip eines Kühlschranks. Je nach Betriebsmodus kann das System Wärme aus der Luft entziehen oder gezielt zuführen. Gerade im Neubau wird diese Kombination zunehmend interessant. Viele moderne Häuser benötigen nur noch geringe Heizleistungen, reagieren im Sommer jedoch empfindlich auf hohe Außentemperaturen. Die Möglichkeit, Lüftung und Kühlung in einem zentralen System zu bündeln, reduziert den technischen Aufwand innerhalb des Gebäudes. Zehnder sieht darin einen wichtigen Trend der kommenden Jahre – insbesondere bei energieeffizienten Neubauten mit sehr niedrigem Wärmebedarf.
Das Kernstück der Anlage bleibt der Wärmetauscher der Lüftungseinheit. Laut Hersteller erreicht das System eine Wärmerückgewinnung von über 90 Prozent. Dadurch werden klassische Lüftungswärmeverluste stark reduziert. Bei herkömmlicher Fensterlüftung geht ein erheblicher Teil der bereits erwärmten Raumluft nach außen verloren. Die kontrollierte Wohnraumlüftung führt dagegen frische Außenluft zu und überträgt gleichzeitig die Wärmeenergie der Abluft auf den Zuluftstrom. Die wichtigsten Eigenschaften des Systems:
Interessant ist vor allem der Ansatz, vollständig auf wasserbasierte Heizsysteme verzichten zu können. Nach Angaben von Zehnder reicht die Kombination aus Lüftung und Wärmepumpe bei vielen modernen Neubauten bereits aus, um den gesamten Heiz- und Kühlbedarf abzudecken. Vor allem Fertighäuser in Holzständerbauweise oder hochgedämmte Neubauten benötigen häufig nur noch geringe Heizleistungen. Dort entstehen Vorteile, weil keine klassische wasserführende Fußbodenheizung mehr installiert werden muss. Stattdessen übernimmt die konditionierte Luft die Temperierung des Gebäudes. Die Außenluft wird angesaugt, durch den Wärmetauscher geführt und anschließend durch die Wärmepumpe zusätzlich erwärmt oder gekühlt. Danach verteilt ein Rohrsystem die Luft in die einzelnen Wohnräume. Die Abluft wird wiederum typischerweise über Küchen oder Bäder abgesaugt und zurück zum Gerät geführt. Dort erfolgt erneut die Wärmerückgewinnung. Gerade im Sommer entsteht dadurch ein zusätzlicher Nutzen. Während frühere Lüftungsanlagen primär auf Heizenergieeinsparung ausgelegt waren, rückt inzwischen die aktive Kühlung stärker in den Mittelpunkt.
Wie viele moderne Gebäudesysteme lässt sich auch diese Anlage per App steuern. Nutzer können Temperaturen, Betriebsarten und weitere Parameter digital einstellen. Zehnder integriert dabei Funktionen, die inzwischen zum Standard moderner Haustechnik gehören. Die Anlage arbeitet weitgehend automatisiert und soll nach der Einrichtung möglichst selbstständig laufen. Der Einbau erfolgt zentral im Gebäude – etwa im Keller oder Technikraum. Von dort aus verteilt das Luftleitungssystem die konditionierte Luft im gesamten Haus. Für Bestandsgebäude ist das System ebenfalls relevant, sofern bereits eine ausreichend gute energetische Qualität vorhanden ist. Besonders Häuser aus den 1990er- oder frühen 2000er-Jahren könnten laut Hersteller grundsätzlich nachgerüstet werden.
Die Entwicklung zeigt, wie stark sich moderne Gebäudetechnik verändert. Während früher einzelne Systeme für Heizung, Lüftung und Kühlung getrennt geplant wurden, entstehen heute zunehmend kompakte Gesamtlösungen. Zehnder verbindet dabei mehrere Trends gleichzeitig: kontrollierte Wohnraumlüftung, Wärmerückgewinnung, Wärmepumpentechnik und aktive Kühlung. Gerade der steigende Bedarf an sommerlicher Temperierung verändert die Anforderungen an neue Wohngebäude erheblich. Hinzu kommt der sinkende Energiebedarf moderner Häuser. Wenn Gebäude nur noch geringe Heizleistungen benötigen, werden klassische wasserbasierte Heizsysteme teilweise überdimensioniert. Luftbasierte Systeme gewinnen dadurch an Bedeutung. Mit der Kombination aus ComfoAir Q und Wärmepumpenaufsatz entsteht ein Konzept, das genau auf diese Entwicklung reagiert – mit zentraler Lüftung, Wärmerückgewinnung sowie Heiz- und Kühlfunktion innerhalb eines einzigen Systems.