Konfigurierbares Auslegerhandling für industrielle Anwendungen

von Jürgen Groh - 2026-04-30

In der industriellen Automation verschiebt sich der Fokus zunehmend von starren Einzelkomponenten hin zu flexibel konfigurierbaren Systemlösungen. Ein konfigurierbares Auslegerhandling steht exemplarisch für diese Entwicklung.

Es verbindet mechanische Präzision mit digitaler Planung und zeigt, wie sich komplexe Anforderungen in standardisierte, aber anpassbare Lösungen übersetzen lassen. Gerade in Produktionsumgebungen mit variierenden Werkstücken, Gewichten und Taktzeiten ist die Fähigkeit zur schnellen Anpassung entscheidend. Ein Handling-System muss nicht nur stabil arbeiten, sondern auch unterschiedliche Bewegungsprofile abbilden können. Genau an diesem Punkt setzt das gezeigte Konzept an, das als Baukastensystem konzipiert ist und sowohl mechanische als auch elektrische Komponenten integriert.

Festo Auslegerhandling als modular konfigurierbares System
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Festo Auslegerhandling als modular konfigurierbares System

Das Auslegerhandling von Festo basiert auf einem klar strukturierten Baukastenprinzip. Es kombiniert elektrische Achsen, Antriebe, Motoren, Kabelsysteme, Schleppkettenlösungen sowie Motor Controller und Steuerung in einer integrierten Einheit. Ziel ist es, aus standardisierten Komponenten eine kundenspezifische Lösung zu erzeugen, ohne die Vorteile eines Serienprodukts aufzugeben. Festo zeigt damit einen Ansatz, der klassische Produktgrenzen auflöst. Statt einzelne Komponenten auszuwählen und manuell zu kombinieren, entsteht das System aus einer strukturierten Konfiguration. Anwender definieren ihre Anforderungen – etwa Größe, Gewicht oder gewünschte Geschwindigkeit – und erhalten darauf basierend konkrete Lösungsvorschläge. Das gezeigte System verdeutlicht diese Flexibilität anhand eines Auslegeraufbaus. Es ist so ausgelegt, dass sowohl hohe Steifigkeit als auch dynamische Bewegungen möglich sind. Die Kombination aus einer schweren und einer leichten Gewichtsplatte dient dabei als Demonstration für unterschiedliche Lastfälle innerhalb eines Systems.

Konfigurierbares Auslegerhandling als System fuer Anwendungen
Integration von Mechanik Antrieb und Steuerung Festo Auslegerhandling

Konfigurator als Schnittstelle zwischen Kunde und System

Ein zentrales Element ist das digitale Konfigurationstool. Es übernimmt die Aufgabe, aus den Anforderungen des Anwenders eine passende technische Lösung abzuleiten. Der Nutzer gibt lediglich die Rahmenbedingungen vor – beispielsweise Abmessungen, Lasten und Bewegungsprofile. Der Konfigurator berechnet daraus mehrere Varianten, die technisch umsetzbar sind. Diese werden anschließend gefertigt und als fertige Lösung geliefert. Für den Anwender entfällt damit die aufwendige Auswahl einzelner Komponenten aus Katalogen. Gleichzeitig reduziert sich das Risiko von Fehlkonfigurationen. Die Funktionsweise lässt sich in wenigen Schritten darstellen:

  • Eingabe von Größe, Gewicht und gewünschter Dynamik
  • Automatische Generierung geeigneter Systemvarianten
  • Bereitstellung von 3D-CAD-Modellen und technischen Daten
  • Lieferung als vormontiertes und verdrahtetes System
Diese Struktur zeigt, dass sich die Rolle des Anwenders verändert. Statt sich mit technischen Details einzelner Komponenten zu beschäftigen, steht die eigentliche Aufgabenstellung im Mittelpunkt.

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Konfigurierbares Auslegerhandling fuer industrielle Anwendungen

Variantenvielfalt bei Auslegerhandling und Portal-Systemen

Neben dem klassischen Auslegerhandling umfasst das System auch andere Kinematikformen. Dazu zählen Portal-Systeme in zwei- oder dreidimensionaler Ausführung sowie Varianten mit oder ohne zusätzliche Z-Achse. Diese Vielfalt ermöglicht es, unterschiedliche Anwendungsfälle abzudecken, ohne jedes Mal eine komplett neue Lösung entwickeln zu müssen. Die Konfigurierbarkeit reicht dabei bis in Details wie Motorwahl oder Hubdimensionierung. Anwender können entscheiden, ob Schrittmotoren oder Servomotoren eingesetzt werden und welche Motorfamilie am besten geeignet ist. Auch die Auswahl der Achsen erfolgt innerhalb eines definierten Spektrums. Trotz dieser Vielzahl an Optionen bleibt das System ein standardisiertes Produkt. Lieferzeiten und Kosten orientieren sich an Serienlösungen, während die Anpassung an den konkreten Einsatzfall erhalten bleibt. Dieser Spagat zwischen Standardisierung und Individualisierung ist ein zentrales Merkmal des Konzepts.

Flexible Systemloesungen in der industriellen Automation

Integration von Mechanik, Antrieb und Steuerung

Das Auslegerhandling beschränkt sich nicht auf die mechanische Struktur. Es integriert auch Antriebstechnik, Steuerung und Verkabelung in einer Einheit. Dadurch entsteht ein System, das unmittelbar einsatzbereit ist. Die Lieferung erfolgt vormontiert, fertig verdrahtet und mit den notwendigen Inbetriebnahmedaten. Für die Praxis bedeutet das eine deutliche Reduzierung des Integrationsaufwands. Statt einzelne Komponenten zu verbinden und zu programmieren, kann das System direkt in Betrieb genommen werden. Ergänzend stehen digitale Daten wie CAD-Modelle und Datenblätter zur Verfügung, die die Planung und Integration unterstützen. Dieser Ansatz spiegelt eine Entwicklung wider, die in vielen Bereichen der Industrie sichtbar wird. Systeme werden nicht mehr als lose Kombination von Einzelteilen verstanden, sondern als integrierte Lösungen, die mechanische und digitale Komponenten miteinander verbinden.

Weiterentwicklung des Baukastensystems für zukünftige Anwendungen

Das gezeigte System ist nicht als abgeschlossene Lösung konzipiert. Vielmehr wird der Baukasten kontinuierlich erweitert. Neue Motoren, Achsen und Komponenten werden integriert, um zusätzliche Anforderungen abzudecken. Gleichzeitig sollen weitere Funktionen hinzukommen, die über die reine Kinematik hinausgehen. Ein zukünftiger Schwerpunkt liegt in der stärkeren Integration von Steuerung und zusätzlichen Funktionseinheiten. Dazu zählen etwa Greifer, Drehantriebe oder weitergehende Motion-Komponenten. Ziel ist es, aus dem bestehenden System eine noch umfassendere Lösung zu entwickeln, die größere Teile eines Automatisierungsprozesses abdecken kann. Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Rolle von Handling-Systemen verändert. Sie werden zunehmend zu zentralen Elementen innerhalb komplexer Produktionsstrukturen. Ihre Aufgabe besteht nicht mehr nur im Bewegen von Bauteilen, sondern in der Integration in übergeordnete Prozesse, die Effizienz, Flexibilität und Skalierbarkeit miteinander verbinden. Das konfigurierbare Auslegerhandling steht damit exemplarisch für einen Wandel in der industriellen Automation. Systeme entstehen nicht mehr allein aus technischen Komponenten, sondern aus der Kombination von digitaler Planung, modularer Konstruktion und anwendungsorientierter Umsetzung.