Sektorenkopplung und Steuerungstechnik für eine elektrische Energiezukunft

Die Energiewende wird nicht allein durch den Ausbau erneuerbarer Erzeugung entschieden. Erst wenn Strom, Wärme, Mobilität und industrielle Prozesse intelligent miteinander verknüpft werden, entsteht ein tragfähiges Gesamtsystem.

Genau an dieser Schnittstelle setzt moderne Sektorenkopplung an – technisch anspruchsvoll, regulatorisch komplex und zunehmend entscheidend für die Dekarbonisierung von Industrie und Infrastruktur. Auf diesem Feld positioniert sich Phoenix Contact mit Lösungen, die weit über klassische Verbindungstechnik hinausgehen.

Industrielle Herkunft und strategische Ausrichtung

Das Unternehmen mit Sitz in Ostwestfalen-Lippe blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Gegründet Anfang des vergangenen Jahrhunderts, hat sich Phoenix Contact von einem klassischen Industrieausrüster zu einem Anbieter ganzheitlicher Automatisierungs- und Energielösungen entwickelt. Die strategische Leitidee lässt sich klar zusammenfassen: Elektrifizierung als Voraussetzung für Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Im Zentrum stehen dabei zwei eng miteinander verbundene Themenfelder – die Kopplung unterschiedlicher Energiesektoren und deren konsequente Dekarbonisierung. Elektrischer Strom wird nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als verbindendes Element, das Erzeugung, Speicherung, Verbrauch und Rückspeisung intelligent zusammenführt. Diese Perspektive prägt sowohl die Produktentwicklung als auch die Systemarchitektur.

Power Control Unit Einspeisregler Mittelspannung Phoenix Contact
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Netzanschluss und Regelung in der Mittelspannung

Ein zentrales Element moderner Photovoltaik- und Energieanlagen ist der sichere und normkonforme Netzanschluss. Gerade im Bereich der Mittelspannung steigen die Anforderungen deutlich. Netzbetreiber verlangen präzise Regelmechanismen, stabile Einspeisung und umfassende Zertifizierungen. Hier setzt ein zertifizierter Einspeiseregler an, der speziell für Netzanschlusslösungen in der Mittelspannung ausgelegt ist. Er erfüllt die relevanten technischen Anschlussregeln und ermöglicht eine kontrollierte Einspeisung erneuerbarer Energie in komplexe Netzinfrastrukturen. Solche Systeme sind Voraussetzung dafür, dass große PV-Anlagen, Speicherlösungen oder hybride Energiesysteme überhaupt genehmigungsfähig werden.

Überspannungsschutz und Generatoranschluss im PV-Bereich

Neben der Regelungstechnik spielt der Schutz der Anlagen eine zentrale Rolle. Photovoltaikanlagen sind exponiert, großflächig verteilt und sensibel gegenüber transienten Überspannungen. Generatoranschlusskästen bilden hier die erste Schutzlinie zwischen Modul und Wechselrichter. Das Portfolio umfasst Varianten mit integrierten Überspannungsableitern unterschiedlicher Typen, optional kombiniert mit DC-Lasttrennschaltern. Damit lassen sich unterschiedlichste Anlagenkonzepte abbilden – von kleinen Aufdachanlagen bis hin zu größeren Installationen. Die Systeme sind auf die in Deutschland gängigen Wechselrichter abgestimmt und erfüllen die einschlägigen Normen, weshalb sie vor allem im deutschsprachigen Raum eingesetzt werden.

Phoenix Contact Intersolar Europe 2024
Marc Mende Manager Produktmarketing Energy Phoenix Contact

Offene Steuerungsplattform als Bindeglied

Ein wesentlicher technologischer Baustein ist eine offene Steuerungsplattform auf Linux-Basis. Anders als proprietäre Systeme ist sie darauf ausgelegt, von Systemintegratoren flexibel erweitert zu werden. Der zertifizierte Kern erfüllt die aktuellen Anforderungen der technischen Anschlussregeln und berücksichtigt neue regulatorische Vorgaben, die sich aus jüngsten Anpassungen des Energierechts ergeben. Gerade im Kontext des Solarpakets und neuer Zertifizierungsanforderungen gewinnt diese Offenheit an Bedeutung. Energieanlagen müssen heute nicht nur einspeisen, sondern aktiv am Netzmanagement teilnehmen, Lasten verschieben und zusätzliche Verbraucher integrieren können. Typische Erweiterungen solcher Plattformen sind:

  • Anbindung von Energiemanagementsystemen
  • Integration von Ladeinfrastruktur für Elektromobilität
  • Kopplung von Strom-, Wärme- und Speicherlösungen
  • Anbindung weiterer industrieller Automatisierungskomponenten
Die Steuerung fungiert damit als Schaltzentrale einer elektrifizierten Infrastruktur, in der verschiedene Sektoren zusammenlaufen.

String Combiner Box Generatoranschlusskasten Intersolar Europe 2024

Normen, Zertifizierung und internationale Skalierung

Während Hardwarelösungen im PV-Bereich stark von nationalen Normen geprägt sind, lässt sich Steuerungstechnik international einsetzen. Genau hier liegt ein struktureller Vorteil: Einmal zertifizierte Kernfunktionen können weltweit angepasst und skaliert werden, ohne das Gesamtsystem neu zu entwickeln. Phoenix Contact nutzt diesen Ansatz, um Sektorenkopplung nicht als regionales Sonderthema, sondern als globales Infrastrukturkonzept zu adressieren. Unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen werden dabei softwareseitig abgebildet, während die zugrunde liegende Architektur stabil bleibt.

Bedeutung für Industrie und Energiewirtschaft

Die vorgestellten Technologien zeigen, dass Dekarbonisierung nicht allein eine Frage neuer Erzeugungsanlagen ist. Entscheidend ist die Fähigkeit, komplexe Energiesysteme zu steuern, abzusichern und regulatorisch sauber einzubinden. Gerade für Industrieunternehmen, Kommunen und Betreiber größerer Energieanlagen wird diese Systemkompetenz zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Phoenix Contact agiert dabei nicht als reiner Komponentenlieferant, sondern als Enabler einer elektrischen Infrastruktur, die verschiedene Sektoren miteinander verbindet. Sektorenkopplung wird so von einem abstrakten politischen Ziel zu einer konkret umsetzbaren technischen Aufgabe – mit klaren Anforderungen an Steuerung, Sicherheit und Offenheit der Systeme.