Die Diskussion um zukunftsfähige Heizsysteme wird zunehmend von der Frage geprägt, wie sich Effizienz, Kostenstabilität und Versorgungssicherheit sinnvoll miteinander verbinden lassen. Gerade im Ein- und Zweifamilienhaus stoßen rein elektrische Systeme ebenso an Grenzen wie klassische Biomasseanlagen.
Hybride Konzepte, die mehrere Energiequellen intelligent kombinieren, gewinnen deshalb deutlich an Bedeutung. Auf der Messe wird gezeigt, wie sich Wärmepumpe und Biomasse technisch und wirtschaftlich sinnvoll zusammenführen lassen.
Hargassner ist ein familiengeführter Betrieb aus Weng im Innkreis in Österreich und seit rund vier Jahrzehnten im Bereich Biomasse Heizungen aktiv. Das Unternehmen hat sich als Biomasse Spezialist etabliert und erweitert sein Portfolio nun gezielt um hybride Systeme. Der Ansatz ist klar: Bewährte Pellet-, Stückgut- und Hackgutkessel werden mit einer neu entwickelten Wärmepumpe kombiniert, um unterschiedliche Betriebszustände optimal abzudecken. Dabei geht es weniger um einen vollständigen Systemwechsel, sondern um Ergänzung. Bestehende Biomasseanlagen sollen durch eine Wärmepumpe erweitert werden können, ohne dass der Charakter des Systems verloren geht. Genau hier setzt das vorgestellte Konzept an.
Im Mittelpunkt steht die Kombination zweier Heizsysteme, die unterschiedliche Stärken besitzen. Die Wärmepumpe arbeitet besonders effizient bei moderaten Außentemperaturen und niedrigen Vorlauftemperaturen, etwa bei Fußbodenheizungen. Der Pelletkessel spielt seine Vorteile aus, wenn die Temperaturen sinken oder hohe Heizlasten anstehen. Das Zusammenspiel erfolgt nicht manuell, sondern über eine zentrale Regelung. Diese entscheidet automatisch, welches System zu welchem Zeitpunkt betrieben wird. Grundlage sind unter anderem Außentemperatur, Heizlast und individuell hinterlegte Energiepreise. Pelletspreis und Strompreis lassen sich im System hinterlegen, sodass die Regelung nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich optimiert arbeitet.
Die Regelung ist das eigentliche Herz des Systems. Sie analysiert kontinuierlich die aktuellen Rahmenbedingungen und schaltet zwischen Wärmepumpe und Pelletkessel um. In einem typischen Szenario mit Einfamilienhaus und Fußbodenheizung übernimmt bei milderen Temperaturen zunächst die Wärmepumpe den Betrieb. Sinkt die Außentemperatur in den Nachtstunden, erkennt die Regelung den Effizienzvorteil des Pelletkessels und wechselt gleitend auf Biomasse. Dieser Übergang erfolgt ohne Komforteinbußen für den Nutzer. Die Wärmepumpe wird abgeschaltet, der Pelletkessel startet und übernimmt die Wärmeerzeugung. Ziel ist es, jederzeit das kostengünstigste und effizienteste System einzusetzen, ohne dass der Endkunde eingreifen muss.
Aktuell liegt die Steuerungslogik überwiegend auf Seiten der Wärmepumpe, die als übergeordnete Einheit fungiert. Der Pelletkessel wird bei Bedarf angefordert und arbeitet eigenständig. Perspektivisch ist jedoch ein zentraler Regler geplant, über den beide Systeme gemeinsam bedient werden können. Das soll sowohl für Endkunden als auch für Installateure Vorteile bringen. Service, Wartung und Parametrierung werden übersichtlicher, da alle relevanten Einstellungen an einer Stelle zusammenlaufen. Gerade im laufenden Betrieb reduziert das die Komplexität deutlich.
Auch der technische Aufbau der Wärmepumpe ist auf die Integration in bestehende Heizsysteme ausgelegt. Von außen zeigt sich ein klassischer Aufbau mit Ventilator, der die Umgebungsluft durch das Gerät führt. Der eigentliche Prozess findet im Inneren statt, wo der Kältekreislauf mit dem Kompressor als zentralem Bauteil arbeitet. Der Kompressor verdichtet das Kältemittel und bringt es auf ein höheres Temperaturniveau. Über den Wärmetauscher wird die Energie anschließend an das Heizungswasser übergeben. Dieses gelangt entweder in Heizkörper oder in eine Fußbodenheizung und sorgt dort für die gewünschte Raumwärme.
Ein zentrales Argument für hybride Systeme ist ihre Anpassungsfähigkeit an variable Energiepreise. Gerade bei Stromtarifen, die zeitabhängig schwanken, kann die Wärmepumpe gezielt dann betrieben werden, wenn Strom günstig verfügbar ist. Steigen die Preise oder sinkt die Effizienz aufgrund niedriger Temperaturen, übernimmt der Biomassekessel. Diese Konnektivität zu anderen Heizsystemen und Tarifmodellen wird als klarer Vorteil gesehen. Der Nutzer gewinnt Flexibilität und reduziert das Risiko, dauerhaft von einer einzelnen Energiequelle abhängig zu sein.
Ein hybrides Heizsystem ist in der Anschaffung kein günstiges Produkt. Für die Kombination aus Wärmepumpe und Pelletkessel muss inklusive Installation, Verrohrung und Zubehör mit einer hohen Investition gerechnet werden. Die Amortisation erfolgt entsprechend über einen langen Zeitraum. Dennoch entscheiden sich viele Kunden bewusst für diese Lösung. Ausschlaggebend ist weniger die kurzfristige Wirtschaftlichkeit als vielmehr der Wunsch nach Unabhängigkeit. Die Möglichkeit, flexibel zwischen Strom und Biomasse zu wechseln, wird als Absicherung gegen volatile Energiepreise verstanden.
Das vorgestellte System beschränkt sich nicht auf Pelletkessel. Auch Stückholzkessel und Hackgutkessel lassen sich in das hybride Konzept integrieren. Damit bleibt der Kunde variabel in seiner Installation und kann das Heizsystem an individuelle Rahmenbedingungen anpassen. Gerade diese Offenheit macht hybride Anlagen für viele Bauherren und Sanierer interessant. Sie verbinden bewährte Biomassetechnik mit moderner Wärmepumpentechnologie und schaffen so ein Heizsystem, das sowohl heute als auch perspektivisch flexibel bleibt.