Ein ferngesteuertes Auto verschwindet hinter einer Mauer – trotzdem kann sein Fahrer sehen, wohin es fährt. Statt dem Modell von außen zu folgen, blickt er durch eine VR-Brille aus der Perspektive des Fahrzeugs auf die Strecke. Was zunächst wie eine Computersimulation wirkt, findet tatsächlich auf dem Boden vor ihm statt.
Dieses Zusammenspiel aus klassischem RC-Rennwagen und Virtual Reality überzeugte die Jury bei der Verleihung des ToyAward auf der Spielwarenmesse. In der Kategorie Teenager & Adults erhielt der Revell Control VR Racer den ersten Preis. Die Jury würdigte damit eine Spielidee, die zwei technische Welten miteinander verbindet und sich ausdrücklich nicht nur an Jugendliche richtet.
Ferngesteuerte Autos gehören seit Jahrzehnten zum Spielwarenmarkt. Das Grundprinzip hat sich kaum verändert: Ein Fahrzeug wird über eine Fernbedienung gelenkt, beschleunigt und abgebremst. Beim Control VR Racer erweitert Revell dieses vertraute Konzept um einen Perspektivwechsel. Der Nutzer kann den Rennwagen weiterhin per Remote Control steuern. Wird zusätzlich die VR-Brille eingesetzt, betrachtet er die Umgebung jedoch aus Sicht des Autos. Dadurch verändert sich das Fahrgefühl erheblich. Kurven, Hindernisse und andere Objekte erscheinen nicht mehr aus der üblichen Position des Fahrers neben der Strecke. Besonders anschaulich wird das, wenn das Fahrzeug aus dem direkten Blickfeld verschwindet. Fährt der Racer beispielsweise um eine Ecke, bleibt seine Umgebung über die virtuelle Ansicht weiterhin sichtbar. Auch die Fahrt auf den eigenen Standort zu erzeugt eine ungewöhnliche Perspektive, weil der Nutzer sich selbst aus Sicht des fahrenden Modells sehen kann.
Für die Virtual-Reality-Funktion ist keine aufwendige separate Rechentechnik erforderlich. Eine kostenlose App wird auf das Smartphone geladen, das anschließend in die dafür vorgesehene VR-Brille eingesetzt wird. Nach dem Aufsetzen erhält der Fahrer das vom System bereitgestellte Bild direkt vor den Augen. Das Smartphone übernimmt damit eine zentrale Funktion des Spielkonzepts. Die Fernbedienung bleibt für die eigentliche Steuerung zuständig, während die Brille den visuellen Zugang zum Geschehen verändert. Physisches Fahren und digitale Darstellung werden auf diese Weise miteinander gekoppelt. Die Jury hob genau diese Kombination als wesentlichen Grund für die Auszeichnung hervor. Statt Virtual Reality als eigenständige digitale Spielwelt einzusetzen, wird sie auf ein reales, bewegliches Spielzeug übertragen.
Die technische Entwicklung stellte die Konstrukteure vor die Aufgabe, zwei sehr unterschiedliche Produktwelten zusammenzuführen. Entwickler Florian Knapp beschrieb die Herausforderung als Verbindung eines klassischen RC-Spielzeugs mit der damals neuen Virtual-Reality-Technologie. Dabei musste das bekannte Prinzip eines ferngesteuerten Fahrzeugs erhalten bleiben. Die digitale Technik sollte das eigentliche Fahren nicht verdrängen, sondern um eine zusätzliche Wahrnehmungsebene erweitern. Das Konzept umfasst damit mehrere Elemente:
Dass der Racer in der Kategorie Teenager & Adults ausgezeichnet wurde, verweist auf eine weitere Besonderheit des Produkts. Technisches Spielzeug endet längst nicht mehr automatisch mit dem Kindesalter. Modellbau, RC-Fahrzeuge und elektronische Systeme besitzen traditionell eine erwachsene Fangemeinde. Virtual Reality erweitert diese Überschneidung zusätzlich. Im Gespräch nach der Preisverleihung fiel dafür der Begriff „Vater-Sohn-Spielzeug“. Gemeint ist ein Produkt, dessen Reiz nicht klar an einer Altersgrenze endet. Jugendliche können sich für die Geschwindigkeit und die ungewöhnliche Fahrerperspektive interessieren, während Erwachsene möglicherweise bereits aus früheren Jahren einen Bezug zu ferngesteuerten Autos mitbringen. Für Hersteller ist dieser generationsübergreifende Ansatz interessant. Spielwaren konkurrieren bei Teenagern stark mit Smartphones, Konsolen und Computerspielen. Ein rein analoges Produkt muss sich deshalb gegen zahlreiche digitale Freizeitangebote behaupten. Die Verknüpfung beider Welten kann eine Möglichkeit sein, physisches Spielen für ältere Zielgruppen neu zu interpretieren.
Der Control VR Racer steht für einen Ansatz, bei dem Digitalisierung nicht zwangsläufig bedeutet, das Spiel vollständig auf einen Bildschirm zu verlagern. Das Auto fährt weiterhin real durch den Raum, muss gelenkt werden und reagiert auf tatsächliche Hindernisse. Erst die zusätzliche Perspektive macht daraus ein hybrides Spielerlebnis. Für die Jury war diese Idee überzeugend genug, um den ToyAward Teenager & Adults zu vergeben. Dabei spielte offenbar auch der unmittelbare Spaßfaktor eine Rolle: Die Juroren hatten das Modell nach eigener Aussage ausführlich ausprobiert. Der ausgezeichnete Rennwagen zeigt damit, wie sich eine etablierte Spielzeugkategorie technisch weiterentwickeln lässt. Fernsteuerung und Modellfahrzeug bleiben erhalten, doch Virtual Reality versetzt den Fahrer mitten in das Geschehen. Aus dem Blick auf einen fahrenden Rennwagen wird für einige Minuten der Blick aus dem Rennwagen selbst.