ToyAward Auszeichnung für die besten Spielzeuge für Schulkinder

von Jürgen Groh - 2024-02-12

Kinder lernen besonders dann nachhaltig, wenn sie Zusammenhänge selbst ausprobieren können. Genau deshalb gewinnen Spielzeuge an Bedeutung, die klassische Konstruktion mit digitaler Technik verbinden. Ein Roboter, der nicht nur gebaut, sondern anschließend auch programmiert wird, eröffnet einen anderen Zugang zu Logik, Bewegung und Ursache-Wirkungs-Prinzipien als ein rein digitales Lernangebot.

Bei der Verleihung des ToyAward auf der Spielwarenmesse wurde Lego Boost in der Kategorie Schoolkids ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt die besten Spielzeuge verschiedener Altersgruppen und richtet sich in dieser Kategorie speziell an Schulkinder. Jurymitglied Axel Dammler begründete die Entscheidung mit der Verbindung aus vertrautem Bauerlebnis und einem niedrigschwelligen Einstieg ins Programmieren. Kinder können verschiedene Modelle bauen, sie über eine App steuern und eigene Bewegungs- oder Soundabläufe festlegen.

Toy Award Schoolkids Spielwarenmesse 2017
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Lego Boost gewinnt den ToyAward für Schoolkids

Die Auswahl der Jury fiel in einer Kategorie, die sich gezielt an Schulkinder richtet, auf ein Produkt, das zwei Spielwelten miteinander verknüpft. Einerseits basiert Boost auf dem bekannten Prinzip, aus einzelnen Steinen und Bauteilen eigene Konstruktionen entstehen zu lassen. Andererseits kommt nach dem Bauen eine digitale Ebene hinzu. Über ein Tablet oder Smartphone lassen sich die fertigen Modelle programmieren und steuern. Kinder erleben dadurch unmittelbar, welche Folgen einzelne Befehle haben. Aus einer zunächst statischen Konstruktion wird ein bewegliches System, das auf die Eingaben des Nutzers reagiert. Für die Jury war gerade diese Verbindung ausschlaggebend. Programmieren erscheint nicht als abstrakte Aufgabe am Bildschirm, sondern wird direkt mit einem selbst gebauten Objekt verknüpft. Das erleichtert den Einstieg, weil jeder digitale Befehl eine sichtbare Wirkung erzeugt.

Roboter Vernie und Katze Frankie reagieren auf Befehle

Zum Set gehören Bauanleitungen für mehrere unterschiedliche Modelle. Genannt wurden unter anderem der Roboter Vernie, die Katze Frankie und eine Gitarre. Insgesamt lassen sich fünf vorgegebene Modelle umsetzen. Nach dem Aufbau übernimmt die App einen wesentlichen Teil der Interaktion. Vernie kann beispielsweise Bewegungen ausführen, tanzen oder bestimmte Aktionen starten. Soundfunktionen lassen sich ebenso programmieren wie Bewegungsabläufe. Der Reiz liegt weniger darin, eine fertige Figur fernzusteuern. Kinder legen selbst fest, was passieren soll. Dadurch entsteht eine erste Form des algorithmischen Denkens: Eine Aktion wird geplant, in einzelne Schritte zerlegt und anschließend getestet. Funktioniert der Ablauf nicht wie erwartet, muss verändert und erneut ausprobiert werden.

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Toy Award Schoolkids Spielwarenmesse 2017 Nuernberg

Spielerisches Programmieren senkt die Einstiegshürde

Programmieren wird häufig mit komplizierten Programmiersprachen und langen Codezeilen verbunden. Für jüngere Nutzer sind solche Systeme kaum geeignet. Visuelle Programmieroberflächen verfolgen deshalb einen anderen Ansatz. Befehle werden über Symbole, grafische Elemente oder einfache Abfolgen zusammengestellt. Bei Boost erfolgt dieser Einstieg über die App. Kinder müssen keine Programmiersprache beherrschen, um Bewegungs- und Soundfunktionen zu verändern. Die unmittelbare Rückmeldung des gebauten Modells hilft dabei, logische Zusammenhänge zu verstehen. Das Produkt verbindet damit mehrere Fähigkeiten:

  • konstruktives Bauen mit einzelnen Elementen
  • erste Erfahrungen mit Programmierlogik
  • Planung von Bewegungsabläufen
  • Ausprobieren und Korrigieren eigener Lösungen
  • kreatives Entwickeln neuer Modelle
Entscheidend ist, dass Lernen nicht als separate Aufgabe neben dem Spielen steht. Die technischen Grundlagen werden während der Beschäftigung mit dem Modell vermittelt.

Eigene Lego-Kreationen können zum Leben erweckt werden

Die Möglichkeiten enden nicht bei den fünf vorgegebenen Bauanleitungen. Nach Aussage des Unternehmens lassen sich die technischen Komponenten auch mit vorhandenen Bausteinen und eigenen Konstruktionen kombinieren. Damit verändert sich der Charakter des Sets. Nachdem Kinder die Grundfunktionen anhand der vorgesehenen Modelle verstanden haben, können sie eigene Ideen entwickeln und versuchen, diese mit Bewegung oder Geräuschen zu versehen. Ein bereits vorhandenes Modell kann dadurch nachträglich motorisiert oder um programmierbare Funktionen ergänzt werden. Gerade diese Offenheit verlängert die Nutzungsdauer eines solchen Spielsystems. Ein Produkt, das ausschließlich nach Anleitung aufgebaut werden kann, verliert nach Fertigstellung möglicherweise schnell an Reiz. Werden dagegen eigene Konstruktionen möglich, hängt die weitere Beschäftigung stärker von der Fantasie des Kindes ab.

ToyAward würdigt Verbindung von Spielen und Lernen

Für Lego war die Auszeichnung auf der Spielwarenmesse nicht der erste Preis für Boost. Unternehmensvertreterin Stephanie Kielmann erklärte bei der Verleihung, das Produkt habe zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Auszeichnungen erhalten. Der ToyAward habe für das Team dennoch einen besonderen Stellenwert gehabt. Die Juryentscheidung verweist auf eine Entwicklung, die den Spielwarenmarkt seit Jahren prägt. Digitale Funktionen wandern zunehmend in klassische Spielkonzepte, ohne diese vollständig zu ersetzen. Das Smartphone oder Tablet wird dabei nicht zwingend selbst zum Spielzeug, sondern dient als Werkzeug, um physische Modelle zu steuern und zu programmieren. Lego Boost steht exemplarisch für diesen Ansatz. Kinder bauen weiterhin mit den Händen, müssen ihre Konstruktionen verstehen und können anschließend ausprobieren, wie sich digitale Befehle auf das reale Modell auswirken. Der ToyAward in der Kategorie Schoolkids würdigt damit weniger ein einzelnes technisches Feature als die Verbindung zweier Lernwelten: aus einer eigenen Konstruktion etwas Bewegliches zu machen und dabei erste Programmiererfahrungen zu sammeln.