Schmuck kann mehr sein als ein dekoratives Accessoire. Er kann Erinnerungen an Reisen, Naturerlebnisse oder persönliche Eindrücke in tragbare Objekte übersetzen. Auf der Inhorgenta Munich zeigte sich, wie stark diese Verbindung zwischen Naturbeobachtung und Gestaltung sein kann.
Im Mittelpunkt standen Schmuckstücke, deren Formen und Bewegungen von der Unterwasserwelt, von Pflanzenstrukturen und von natürlichen Arrangements inspiriert sind. Die gezeigten Kollektionen verzichten auf strenge Geometrien und setzen stattdessen auf organische Formen, Beweglichkeit und ungewöhnliche Materialkombinationen. Dadurch entstehen Schmuckstücke, die nicht nur optisch wirken, sondern beim Tragen eine eigene Dynamik entwickeln.
Die Designerin Andrea Frahm Jewellery schöpft einen großen Teil ihrer Inspiration aus dem Tauchsport. Korallen, Seegras und die fließenden Bewegungen unter Wasser prägen zahlreiche Entwürfe. Viele Schmuckstücke entstehen aus der Beobachtung natürlicher Strukturen und übersetzen diese in aufwendige Geflechte aus Edelmetall und Edelsteinen. Ein Beispiel dafür ist das Armband „Seagras“. Die einzeln eingearbeiteten Steine sind in ein bewegliches Geflecht eingebunden, das an die sanften Bewegungen von Seegras unter Wasser erinnert. Die Konstruktion ist bewusst flexibel gestaltet und verändert ihre Wirkung je nach Bewegung der Trägerin. Auch bei den Colliers greift die Designerin Formen auf, die an Korallenformationen erinnern. Farben und Materialkombinationen folgen dabei keinen festen Regeln. Vielmehr entsteht jedes Stück aus dem Zusammenspiel natürlicher Vorbilder und handwerklicher Umsetzung.
Ein zentrales Merkmal der Kollektionen ist ihre Beweglichkeit. Viele Elemente sind nicht starr miteinander verbunden, sondern reagieren auf die Bewegungen des Körpers. Dadurch verändert sich das Erscheinungsbild des Schmucks ständig. Alle Stücke werden in Deutschland handgefertigt und im eigenen Atelier gemeinsam mit freien Mitarbeitern gefertigt. Das Thema „Made in Germany“ spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Edelsteine und Perlen stammen zwar von spezialisierten Händlern, ihre Herkunft und die Auswahl der Lieferanten erfolgen jedoch bewusst und nach persönlichen Vertrauensbeziehungen.
Zu den charakteristischen Merkmalen der Kollektionen gehören:
Nicht nur die Unterwasserwelt dient als Inspirationsquelle. Die Natur oberhalb der Wasseroberfläche spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Kollektion „Leaves“ orientiert sich an Blättern, die im Herbst zu Boden fallen und immer neue Anordnungen bilden. Die einzelnen Elemente sind vollständig beweglich und verändern ihre Position während des Tragens. Dadurch entsteht ein Collier, das niemals vollkommen identisch wirkt. Auch hier wird jedes Teil in Handarbeit aus Silber gefertigt. Selbst die geflochtenen Goldmatten werden nicht maschinell produziert, sondern in aufwendiger Handarbeit hergestellt. Die Kombination aus Beweglichkeit und handwerklicher Fertigung zieht sich als wiederkehrendes Gestaltungsprinzip durch die gesamte Kollektion.
Auf der Inhorgenta präsentierte Andrea Frahm Jewellery ihre Entwürfe gemeinsam mit der Modemarke Pajas von Ruth Gassner. Beide Designerinnen kennen sich seit vielen Jahren und treten seit einiger Zeit gemeinsam auf der Messe auf. Die Verbindung funktioniert vor allem über Farben, Materialien und eine gemeinsame Vorstellung von Individualität. Die Mode von Pajas setzt auf klare Linien, ungewöhnliche Farben und fantasievolle Formen. Die Schmuckstücke ergänzen diese Gestaltung, ohne mit ihr zu konkurrieren.
Am Messestand wurden verschiedene Kombinationen aus Kleidern und Schmuck präsentiert. Ein Collier aus der Seagras-Kollektion wurde beispielsweise mit einem neuen Kleid aus der Kollektion von Pajas kombiniert. Ebenso ergänzte der Ohrschmuck „Umbel“ aus der Leaves-Reihe ein klassisches Etuikleid. Die Designerinnen verfolgen dabei eine gemeinsame Idee: Mode und Schmuck sollen sich gegenseitig unterstützen. Materialien, Farben und Strukturen müssen harmonieren, damit ein stimmiges Gesamtbild entsteht.
Die gezeigten Kollektionen zeigen eine Gegenbewegung zu schnell wechselnden Modetrends und standardisierten Accessoires. Statt Massenproduktion stehen Handarbeit, Materialqualität und individuelle Gestaltung im Vordergrund. Die organischen Formen, die Beweglichkeit der Schmuckstücke und die enge Orientierung an der Natur verleihen den Arbeiten eine besondere Eigenständigkeit. Einige Stücke lassen sich zwar auch im Alltag zu Jeans und schlichter Kleidung tragen, ihre Wirkung entfalten sie jedoch vor allem in besonderen Kombinationen. Die Präsentation auf der Inhorgenta Munich machte deutlich, dass hochwertiger Designschmuck weit über dekorative Funktionen hinausgehen kann. Er wird zu einem gestalterischen Medium, das Naturbeobachtungen, handwerkliche Präzision und persönliche Ausdrucksformen miteinander verbindet.