75 Jahre Spielwarenmesse. Ein Jubiläum, das für Offenheit, Branchenvielfalt und internationale Sichtbarkeit stehen soll. Gerne hätten wir auch in diesem Jahr wieder die Neuheiten führender Marken wie Steiff, Playmobil oder Märklin gezeigt – ebenso wie junge Start-ups, die mit neuen Ideen den Spielwarenmarkt erobern möchten. Ausgerechnet in diesem Jahr wird Messe.TV von der Berichterstattung ausgeschlossen. Zwei freie Journalisten mit gültigem Presseausweis erhalten keine Akkreditierung. Die Entscheidung trifft eines der reichweitenstärksten bildhaften Fachmedien für Messen in Deutschland – und wirft grundsätzliche Fragen auf. Denn hier geht es nicht um einen formalen Fehler oder fehlende Nachweise. Die Akkreditierung wurde mit einer Begründung verweigert, die selbst bei näherem Hinsehen kaum belastbar erscheint.
Zur Ablehnung wurde angeführt, es bestehe die Gefahr, dass Dritte den Eindruck gewinnen könnten, Messe.TV würde im Auftrag der Spielwarenmesse Beiträge erstellen. Dies sei angeblich in der Vergangenheit bereits vorgekommen. Konkrete Beispiele, belastbare Fälle oder nachvollziehbare Situationen konnten trotz mehrfacher Nachfrage jedoch nicht benannt werden. Dabei gehört es seit jeher zur journalistischen Praxis von Messe.TV, dass unsere Teams ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir frei, unabhängig arbeiten. Dies geschieht sowohl im direkten Gespräch mit Ausstellern als auch im redaktionellen Kontext der Beiträge selbst. Messe.TV berichtet bundesweit über Messen aller Branchen und wahrt dabei konsequent die redaktionelle Trennung zwischen Veranstalterinteressen und journalistischer Arbeit. Der erhobene Vorwurf steht damit nicht nur ohne Beleg im Raum, sondern widerspricht auch der gelebten Praxis unserer Berichterstattung. Eine pauschale Annahme, die ausreicht, um ein unabhängiges Fachmedium von der Berichterstattung auszuschließen. Gerade bei einem Veranstalter, der für sich selbst den Anspruch erhebt, internationale Leitmesse zu sein, wirkt diese Argumentation erstaunlich dünn – und politisch motiviert.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt. Messe.TV hat sechsmal von der Spielwarenmesse berichtet. Ohne Beanstandungen. Ohne Konflikte. Ohne Hinweise darauf, dass Inhalte missverständlich oder falsch eingeordnet worden wären. Im Gegenteil: Die Redaktion hat in der Vergangenheit Beiträge zu Unternehmen realisiert, deren Geschäftsführer in weiten Teilen den Aufsichtsrat der Spielwarenmesse eG bilden. Die Gespräche fanden dabei teils mit Mitarbeitenden der Unternehmen, teils direkt mit den jeweiligen Geschäftsführern statt. Sämtliche Beiträge wurden eigenständig recherchiert, redaktionell verantwortet und transparent veröffentlicht. Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit auch mehrere Interviews mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der Spielwarenmesse eG, Ernst Kick, geführt. Auch diese Gespräche erfolgten unabhängig, ohne inhaltliche Vorgaben oder Einflussnahme seitens des Veranstalters. Beispiele aus der bisherigen Berichterstattung mit Unternehmen deren Geschäftsführer Mitglied im Aufsichtsrat der Spielwarenmesse eG sind:
Im weiteren Verlauf wurde Messe.TV eine Akkreditierung angeboten – allerdings nur unter Bedingungen. Konkret sollten Drehtermine vorab festgelegt und die geplanten Kontakte zu Ausstellern offen kommuniziert werden. Für ein freies journalistisches Medium ist das nicht akzeptabel. Die Redaktion arbeitet bewusst anders: Aus einem thematisch relevanten Rahmen werden vor Ort jene Produkte ausgewählt, die aus journalistischer Sicht wirklich berichtenswert sind. Viele Aussteller senden vorab PR-Informationen, hinzu kommt eigene Recherche. Aus etwa 30 bis 40 potenziell interessanten Firmen entstehen am Ende rund zehn redaktionelle Beiträge. Diese Entscheidung fällt vor Ort – nicht am Schreibtisch des Veranstalters. Eine Vorab-Terminierung würde genau diesen Kern redaktioneller Arbeit aushebeln. Deshalb wurde das Angebot abgelehnt.
Zusätzlich wurde angedeutet, es habe in jüngerer Zeit keine Interviewanfrage an die Spielwarenmesse eG gegeben. Auch das wirft Fragen auf. Zum einen kann eine Interviewanfrage kein Maßstab für Pressefreiheit sein. Zum anderen ist die Aussage schlicht falsch. Sowohl 2020 als auch 2024 wurden Interviews mit dem Vorstand angefragt. Beide Male scheiterte es an Terminen – nicht am Willen.
Der Fall ist mehr als ein Einzelfall. Er zeigt, wie schnell unabhängige Berichterstattung unter Druck gerät, wenn Veranstalter beginnen, Zugänge an Bedingungen zu knüpfen, die faktisch einer inhaltlichen Kontrolle gleichkommen. Dass ausgerechnet ein etabliertes Fachmedium wie Messe.TV – mit jahrelanger Erfahrung, klarer redaktioneller Linie und nachweisbarer Branchenrelevanz – ausgeschlossen wird, empfinden wir als Skandal. Einen sachlichen Grund, weshalb freie journalistische Berichterstattung auf der Spielwarenmesse 2026 plötzlich nicht mehr möglich sein soll, können wir bis heute nicht erkennen.